Moderner Rewe

Supermarkt im Hafenviertel: Es kommen kaum Kunden

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Hat sich mehr vom Standort erhofft: Kasem Al Maimouni zwischen zwei Weinregalen in seinem modernen Rewe-Markt im Hafenzentrum. Der 33-Jährige leitete vorher die Filiale am Marktplatz, ist also an Kundenmassen gewöhnt. Die vermisst er im Neubauviertel am Main bisweilen. 

Offenbach - Das Hafenviertel hat seit zwei Monaten seinen Supermarkt – von der breiten Kundschaft aber offenbar ziemlich unbemerkt. Rewe-Filialleiter Kasem Al Maimouni beklagt: Es kommen kaum Käufer. An seinem Laden, ist er überzeugt, liegt das nicht. Von Sarah Neder

Schweres, schmutziges Schuhwerk schlurft durch die Regalgänge. Kein Einkaufswagen, nur drei, vier Produkte auf dem Arm gestapelt. Joghurt, Brötchen, Wurst, Kaffee zum Mitnehmen. Typischer Mittagspauseneinkauf eben. „Die Bauarbeiter sind noch unsere stärkste Kundschaft“, seufzt Kasem Al Maimouni. Seit der Eröffnung im Dezember leitet der 33-Jährige den Rewe-Markt im „Hafenzentrum“, einer vom Frankfurter Investor Andrzej Lyson errichteten Kombination für Wohnen und Einkaufen. Ein Vorzeigeladen ist das an der Zufahrt zum neuen Stadtteil, mit Käse-, Wurst-, Fleisch-, Fischtheke. Mehr als 2000 Quadratmeter voller Waren. Aber die Gänge sind oft menschenleer. „Ein Trauerspiel“, findet der Chef von 65 Mitarbeitern. Vom neuen Laden hat er sich viel versprochen. Viel Umsatz, viele Kunden. Bisher blieb beides aus. Die angeschlossene Glockenbäckerei etwa nehme gerade so viel ein, dass sie die Personalkosten decke. „Da ist noch keine Ware und keine Miete bezahlt“, erzählt der engagierte Marktleiter. Er darf in Absprache mit seinem Konzern die Öffentlichkeit suchen. Denn er ist überzeugt: Das Problem liegt nicht am Laden.

Rundgang im Hafenzentrum. Kasem Al Maimouni, groß, dünn, schneller Gang, führt in die Tiefgarage. Dort gibt es noch Nachholbedarf, den sein Unternehmen und die Gebäudeeigentümer sicher noch angehen werden. Etwa die Beschilderung. Rewe-Kunden kriegen kaum mit, dass für sie die ersten 90 Minuten kostenlos sind. Zudem irritieren die vor der eigentlichen Schranke installierten Terminals für die dauerparkenden Bewohner. Da dreht mancher wieder um.

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Auch nicht gerade ideal: An der Fassade zum Nordring hin findet sich kein deutlicher Hinweis auf den Supermarkt. „Unser Schriftzug steht nur an der anderen Seite, die zum Main zeigt“, schildert Al Maimouni. Auf seine Bitte hat die Stadt genehmigt, dass er einen Anhänger samt Neueröffnungs-Schild an den Straßenrand stellen darf. Auf dem weist ein dicker weißer Pfeil den Weg zur Tiefgarage. „Aber wer dran vorbei gefahren ist, kann kaum mehr zu wenden“, bedauert Al Maimouni.

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Ein grundlegendes Problem für den Hafen-Supermarkt scheint zu sein, dass das Angebot der Nachfrage weit vorausgeeilt ist. Das Vorhandensein von Einzelhandel ist für die Investoren zwar ein Argument beim Werben um Käufer und Mieter. Aber solange es nicht ausreichend Bewohner gibt – von den bis 2020 erwarteten Menschen ist noch kein Drittel da – , fehlen dem Nahversorger die Umsätze. Aber 1000 Hafen-Leute würde auch nicht reichen. Man setzt auch auf die dort mal arbeitenden Menschen, die Studenten, Eltern von Grundschülern, überhaupt aufs dicht besiedelte Nordend gegenüber. Dort aber hat sich der neue Rewe wohl noch nicht herumgesprochen. Oder der stark befahrene Nordring wirkt noch wie eine Hemmschwelle.

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Kasem Al Maimouni geht die Ruhe in seinem Arbeitssplatz am Hafen gegen das Naturell. Er bevorzugt Trubel. Bis Dezember führte der gebürtige Offenbacher die herausfordernde Rewe-Filiale am Marktplatz. An schlechten Tagen gehen dort auf 380 Quadratmetern Ladenfläche 4500 Menschen ein und aus. Im mehr als fünf Mal so großen neuen Markt sind’s selten mehr als 1000.

„Die, die kommen, sind aber begeistert“, betont der Einzelhandelskaufmann, der den Aufschwung nicht dem Zufall überlassen will: An 19  000 Haushalte, auch in Alt-Fechenheim, hat er Handzettel verteilen lassen – mit deutlichem Hinweis auf kostenlose Park-Minuten. Außerdem gibt’s zu Fastnacht und Valentinstag Aktionen. Am Rosenmontag etwa kriegt jeder Kunde einen Kreppel. Und im Grunde genommen ist Kasem Al Maimouni ja optimistisch: „Wenn das alles hier im Hafen mal fertig ist, wird’s gut.“

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