Offenbacher Thomas Hühsam feiert das 25. Jubiläum seiner Galerie mit einer Ausstellung

Kunst-Fan mit langem Atem

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Professionell begründete Schwärmerei: Galerist Thomas Hühsam neben einer übermannsgroßen Hasen-Skulptur von Nadine Röther.

Offenbach - Vor 25 Jahren eröffnete Thomas Hühsam eine Galerie in Frankfurt, fünf Jahre später zog er nach Offenbach. Zum Jubiläum hat er seine Künstler zu einer Gruppenausstellung vereint - und blickt auf ein Vierteljahrhundert zurück. Von Carsten Müller 

Galeristen brauchen einen langen Atem. „Du hast Hunderte von Chancen, von denen keine auf Anhieb funktioniert. Die Frage ist: Wie lange muss man durchhalten, bis es soweit ist“, sagt Thomas Hühsam. Durststrecken bleiben da nicht aus, manche dauern unerträglich lange an, weiß der alleinerziehende Vater von zwei Kindern, für den Kunstvermittlung kein Beruf ist, sondern Berufung. „Kunst muss im Betrachter etwas auslösen.“ Seine Künstler auf diesen Punkt hin zu entwickeln, ist in Hühsams Augen die eigentliche Aufgabe des Galeristen, der einfühlender Kritiker und fordernder Unterstützer in einem sein - und natürlich das Geschäftliche im Auge behalten muss. „Ich bin ein Fan“, sagt der 55-Jährige über das Verhältnis zwischen Galerist und Künstler. Und das spürt man deutlich, wenn Hühsam über die Werke seiner Schützlinge spricht. Es ist ein Schwärmen, das professionell grundiert ist und bisweilen an Manie grenzt, aber offensichtlich zum Erfolg führt. Ein Blick in die aktuelle Ausstellung zeigt, welche hohen Ansprüche der Offenbacher mit seiner Arbeit verbindet. Bestätigt fühlen darf er sich von der Wertschätzung, die seine Künstler mittlerweile erfahren. Allen voran Antonio Marra, ein akribischer Maltechniker der mit seinen verblüffend changierenden Farbfeldern von Offenbach aus die Kunstwelt eroberte und dessen Arbeiten heute im In- und Ausland zu hohen Preisen gehandelt werden.

Oder die in Offenbach lebende Kaya Theiss, die klassischen Sujets wie Stillleben in handwerklicher Perfektion und traditionell geprägtem Malstil frisches Leben einhaucht. Auch Andrea Benders Werke stehen bei institutionellen und privaten Sammlern hoch im Kurs. Die aus dem Vogelsberg stammende Künstlerin verzaubert den Betrachter mit märchenhaften Inszenierungen in großformatigen Rokoko-Interieurs, die sie mit wenigen Pinselschwüngen leichthin auf die Leinwand setzt. Es sind arrivierte Positionen vertreten wie die subtil-ironischen Airbrush-Arbeiten des Beuys-Schülers und mehrfachen Documenta-Teilnehmers mit Frankfurter Wurzeln, Christof Kohlhöfer, aber auch junge, selbstbewusste wie die aus Holzsplittern und Heftklammern zusammen getackerten Hasen-Skulpturen der HfG-Absolventin Nadine Röther.

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Vertreten ist auch ein weiterer Absolvent der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, wenn auch aus einem früheren Jahrgang. Mit Oliver Raszewski, dessen am Computer generierte und farblich aufgerasterten„Twin Towers“ Zeitgeschichte in Erinnerung rufen, entwickelte Hühsam vor fast zwei Jahrzehnten das Netzwerk Offenbach zum professionellen Fundament für die hiesige Kunstszene. Ausgehend von Ausstellungsräumen wie der Fahrradhalle in der Luisenstraße wurden die Kunstansichten zum überregional beachteten Event, zeigte Offenbach als Kunststandort auf internationalen Messen wie der „Art Frankfurt“ Flagge. „Wir haben mit wenig Geld sehr viel erreicht und auf einer positiven Ebene Werbung für Offenbach betrieben“, blickt Hühsam zurück, der auch andernorts Spuren hinterlassen hat. Etwa mit hochkarätigen Präsentationen im Kunstraum orth mit Hilfe der Offenbacher Aulich-Merkle Stiftung oder bei der jüngsten Luminale in Frankfurt im Auftrag der Nassauischen Heimstätte. Schließlich haben im Galeristen-Dasein von Thomas Hühsam doch einige der vielen Chancen funktioniert.

  • „25“ in der Galerie Thomas Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach. Noch bis 31. August nach Vereinbarung unter Tel.: 069/810044 geöffnet.

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