Wegen Corona-Isolation: Kunst im Lifestream

Kunst gegen Corona: Offenbacher produzieren Konserven im Livestream

Kunstkonserve: Das Kollektiv YRD.Works stellt in einer virtuellen Konservenfabrik Fertigessen her. Fotos: YRDworks
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Kunstkonserve: Das Kollektiv YRD.Works stellt in einer virtuellen Konservenfabrik Fertigessen her. Fotos: YRDworks

Gemüse, Fleisch and everything nice: Das Künstlerkollektiv YRD.Works produziert Dosenfutter im Livestream. Mit ihrer Performance wollen die Offenbacher gegen den Konserven-Kaufrausch angehen. Die Idee hatten sie schon vor der Corona-Krise.

  • Künstler werden kreativ: Konservenfabrik in Offenbach
  • Mit Konserven gegen Corona Kaufrausch
  • Wegen Corona-Isolation: Produktion im Lifestream

Offenbach – In den Supermärkten: Leere, wo mal Konserven standen. Das Offenbacher Künstlerkollektiv YRD. Works ist in einer gestern gestarteten Liveperformance jetzt selbst in Produktion der vermeintlichen Mangelware gegangen. Es werden Gemüse, Fleisch und andere Zutaten geschnippelt, eingekocht, in Dosen abgefüllt, diese mit Seriennummer, Inhalt und Abfülldatum bedruckt – und aus schnöden Konserven soll zumindest rein ästhetisch so etwas wie Goldbarren werden. Ob’s nur Essen ist – oder Kunst?

Kunst in Zeiten von Corona: Digital statt analog

An zwölf Tagen wollen David Bausch, Yacin Boudalfa und Ruben Fischer live vor ihren Kameras schuften: bis zum 27. April täglich von 17 bis 21 Uhr. Gestreamt wird die Performance mit dem Titel „Canned (99/63)“, eine Koproduktion mit dem Frankfurter Mousonturm, direkt ins Internet. Zuschauer können sich einloggen und das Treiben in der virtuellen Konservenfabrik verfolgen – und Bestellungen aufgeben, per Chatapp oder ganz altmodisch per Telefonanruf, wie Bausch und Fischer erklären: „So wie man in einer Radiosendung anruft. Oder beim Teleshopping.“

Unterstützung in Zeiten von Corona - Lebensmittel sind von regionalen Erzeugern

Die Bestellung wird im ersten der drei extra von den Künstlern gebauten Arbeitsräume angenommen, dem „Sales-Office“. Im zweiten Raum wird ein Gericht zubereitet – gestern: Pilzragout –, im dritten Raum in die Konserven gefüllt. Wo sich diese „Konservenfabrik“ in der Realität befindet, will das Kollektiv nicht verraten. Auf dem Speiseplan stehe täglich ein Gericht; welches, erfahre man kurzfristig, so die Künstler. Sie bezögen die Lebensmittel von regionalen Erzeugern und richteten sich nach dem Angebot. „Wir nehmen, was es gerade gibt und nicht, was knapp ist.“

Vor Corona-Krise: Kollektiv hatte die Idee schon lange

Die Idee zu dieser Aktion hatte das Kollektiv schon lange, bevor die Corona Krise einen Konservenkaufrausch und einen Ansturm auf Lieferservices auslöste. Eigentlich wollten sie, ähnlich wie bei ihrer Performance „Messerschmiede“, bei der sie 2017 im Mousonturm in einer Box 100 Messer anfertigten, die Fabrik für Besucher zugänglich machen. Wegen der Pandemie sind sie aber jetzt ins Internet ausgewichen.

Eine Konserve kostet je nach Inhalt zwei bis fünf Euro, so YRD.Works – ein fast handelsüblicher Preis. Ob die Kunden sie öffnen und das Fertiggericht essen, oder die Dose als Kunst ins Regal stellen – das ist jedem selbst und seinem Hunger überlassen.

Wem Konserven nicht genug sind, der kann auch den Abhol- und Lieferservice zahlreicher Restaurants in Offenbach nutzen und dabei regionale Unternehmen unterstützen.

Auch andere Künstler waren kreativ: Jim Avignon hat seine Vertonung des Filmklassikers "Safety Last!" Mitte Februar in den Offenbacher Parkside-Studios vorgeführt.

Die Stadt Offenbach sorgte außerdem mit einer kuriosen Corona-Kampagne für viel Aufmerksamkeit.

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