„Kunst mit sattem Bauch“

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Ein Spektakel aus Musik, Licht und Kunstwerken: Der HfG-Rundgang.

Offenbach - Der Plan einer künftigen Vergrößerung der Hochschule für Gestaltung (HfG), verbunden mit der Idee eines Umzugs zur Hafeninsel zog sich wie ein roter Faden durch die Eröffnungsreden zum mittlerweile 12. HfG-Rundgang. Von Claus Wolfschlag

Nicht nur OB Horst Schneider erwähnte am Freitagabend vielsagend, dass die Hochschule zu groß für den alten Rahmen geworden sei. In Andeutungen bewegte sich auch die Rede Gerd Krämers, der als Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst die Grußworte der Landesregierung überbrachte. Der Hochschulbau-Etat von drei Milliarden Euro müsse für alle hessischen Hochschulen reichen, aber Ministerpräsident Roland Koch bewerte die HfG als „kulturellen Leuchtturm“.

„Leuchtturm“ klang dann schon wieder etwas nach Wasser und Hafen, und so sprach Hochschulpräsident Bernd Kracke denn auch schon einmal vorauseilend vom „neuen Campus“ auf der Hafeninsel. „Vom Old Campus bis zum New Campus“ führe die „Kulturmeile“ des HfG-Rundgangs die Besucher, verkündete er.

Und wahrlich konnte man die vielfältigen künstlerischen Arbeiten nicht nur auf dem Schlossplatz, im Hauptgebäude und im Isenburger Schloss betrachten, sondern auch an mehreren Stationen entlang des Mains: Im evangelischen Gemeindesaal an der Ludo-Mayer-Straße war für eine Dauerperformance eine lange Festtafel aufgebaut worden. Die weiteren Stationen führten, teils verbunden durch ein Wassertaxi, vom „Kulturgleis“ mit dem Bahnwaggon am Mainufer über das Klingspormuseum bis hin zum Kulturzentrum „Hafen2“ und der alten Ölhalle.

Impressionen des HfG-Rundgangs

Zwölfte Auflage des HfG-Rundgangs

Ausgestattet mit einer fischförmigen Hellebarde übte sich Bernd Kracke vor dem geschmückten Ludo-Mayer-Brunnen als verbaler Küchenchef. Es werde ein „reichhaltiges Menü aus Kunst, Design und Medien“ geboten, verkündete er, und rief: „Es ist angerichtet.“ Dazu gehörten auch Preisverleihungen, die der Wuppertaler Kunstprofessor Uwe Lösch präsentierte: Der mit 2 500 Euro dotierte Dr. Marschner HfG-Rundgangpreis ging an den Jungfilmer David Sano. 6 000 Euro des Johannes-Mosbach-Preises für Malerei wurden zwischen Miriam Hilker (1.), Erik Pfeiffer (2.) und Natalie Sertage Rodriguez (3.) aufgeteilt. Der mit 1 000 Euro dotierte DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender ereilte den Filmstudenten Yehonatan Richter-Levin.

Irgendwann waren die Preisverleihungen vorbei und die Gäste konnten sich den auf der Großleinwand gezeigten Videos und Animationsfilmen der „Cross Media Night“ widmen. Man sah etwa „Supermann“ vor dem Rathaus oder einen überzeichneten Schlagersänger, alles durchsetzt von clownesken Live-Performances.

Der Schlossplatz präsentierte sich brechend voll. Auffällig aber war, dass sich die Besucher vor allem aus Gruppen zusammensetzten, die über Verwandte und Bekannte direkt mit der Hochschule zu tun hatten. HfG-fremde Offenbacher ließen sich hingegen nur wenige blicken. Die Antiquarin Renate aus Erbach etwa hatte den Rundgang besucht, weil ihr Sohn an der HfG studiert. „Die Rundgang-Atmosphäre ist angenehm“, berichtete sie. „Aber man erfasst nicht alles auf einmal, streift vieles nur.“ Negativ erwähnte sie den Mangel an Toiletten. Die Tierarzthelferin Sarika und ihre Freundin Christine waren über einen ehemaligen Klassenkameraden ihrer Oberurseler Schule, der an der HfG studiert, erstmalig in Offenbach. „Ich verstehe hier wenig, erkenne wenig Zusammenhang“, wertete Christine trocken. Sarika hingegen bemerkte die Kreativität der Filmschaffenden positiv: „Man fragt sich schon, wie die auf solche Sachen kommen.“ Auf die Frage, was sie am meisten beeindruckt habe, antwortete sie hingegen: „Das Isenburger Schloss.“ Auch Felicitas war über einen Bekannten mitgekommen und bemängelte vor allem die künstlerischen Inhalte: „Viel Spielerei, aber wenig Existenzielles. Für mich zu viel Kunst mit sattem Bauch.“

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