Kunst statt Brötchen

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Ein Knotenpunkt der Kunst und Information und zwar für alle Offenbacher: Die Lounge „achtzehn:52“ wurde gestern offiziell eröffnet.

Offenbach - Könnte ein Café sein. Oder eine Galerie. Aber warum stehen dann so viele Ledersessel in der Ecke? Dem durchschnittlichen Berufspendler erschließt sich nicht auf den ersten Blick, was sich hinter der Glasfront im Offenbacher Hauptbahnhof, wo früher eine Bäckerei ihre Brötchen anbot, tatsächlich verbirgt. Von Dirk Beutel

Nicht nur, aber vor allem die Zugreisenden der Regionalbahn, die um 18.52 Uhr im Hauptbahnhof einfährt, sollen neugierig gemacht werden. Neugierig auf ein Kunstprojekt, das seit Anfang Juli den ansonsten tristen und blass dreinschauenden Hauptbahnhof beleben soll. Passend zur Zielgruppe nennt sich die Lounge „achtzehn:52“, weil laut Statistiken der Deutschen Bahn um diese Uhrzeit die meisten Pendler in die Stadt einfahren. Und es sollen sich dort möglichst viele zum gegenseitigen Austausch treffen.

Street Art, Graffiti, Urban Art. Teils in schrillen Neonfarben, mal in Schwarz-Weiß präsentieren sich die Werke des Künstlerkollektivs „Qualitylovers“. Die zehn Kreativen arbeiten zwar mittlerweile in Berlin, stammen aber alle aus dem Rhein-Main-Gebiet. Für die Gestaltung und das Konzept der Lounge ist Loimi Brautmann zuständig. Mit Hilfe des Kollektivs, Kommilitonen der Hochschule für Gestaltung und Gleichgesinnten, hat er im Hauptbahnhof einen, wie er es nennt, „Knoten für Informationen“ geschaffen. „Das ist hier nicht irgendein Kunstding für Abgehobene, sondern soll ganz normale Leute erreichen und neugierig machen“, sagt der 29-jährige Student.

Besser leben in Offenbach

Nicht nur das: Mit dem Projekt, das zentrale Anlaufstelle des Architektursommers in Offenbach ist, wollen die Macher beweisen: „Es geht auch anders“. So lautet das Statement in Richtung des heruntergekommen Hauptbahnhofs. Diese Aufwertung der Station fällt auch in den Maßnahmenkatalog des Projektes „Besser leben in Offenbach“.

Und es ist noch mehr geplant. Bald sollen die Wände im Hauptbahnhof neu gestrichen werden. Draußen soll die Sandsteinmauer in Schuss gebracht werden, der Zaun etwas aufgehübscht werden.

„Das sind keine millionenschwere Sanierungen, sondern wir versuchen mit wenig, viel zu erreichen“, sagt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.

Bei den Stadtwerken Offenbach, die den Raum für das Lounge-Projekt angemietet haben, kann man sich durchaus vorstellen, nach dem Architektursommer dort ein Stadtteilbüro für das Senefelder-Quartier einzurichten. Ein Vorschlag, den der Sozialpädagoge und Quartiersmanager Marcus Schenk begrüßt. Vor allem eine Koexistenz mit dem „achtzehn:52“, könne er sich gut vorstellen. Offiziell wird die Lounge bis Ende August im Hauptbahnhof residieren.

Unter dem Titel „Hbf Alive“ werden jeden Mittwoch im „achtzehn:52“ neben der normalen Ausstellung spezielle Veranstaltungen angeboten. Nächste Woche etwa tritt die Jazzband „baustelle N5“ und der Singer-Songwriter Tito Maffay auf.

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