Kunst mit Symbolkraft

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Die Bibel im Martin-Luther-Park war 2007 unter bislang ungeklärten Umständen von der Brunneneinfassung des Weihers demontiert worden. Nun hat Handwerkermeister Karl Heinz Oppl zum zweiten Mal eine Bibelskulptur geschaffen.

Offenbach ‐ Kaum einer hat sie vermisst, jetzt hat die Bronzebibel aber wieder ihren Platz im Martin-Luther. Bereits 1984 war das Kunstwerk dort am Weiher aufgestellt worden und irgendwann abhanden gekommen. Von Claus Wolfschlag

Nun wurde am selben Standort eine Replik mit einem Festakt eingeweiht.

Gut 70 Bürger versammelten sich am Samstag bei frischen Temperaturen im Martin-Luther-Park, um die „Feierlichen Wiederaufstellung“ der bronzenen Bibel-Plastik zu begehen. Das einst von Karl-Heinz Oppl gefertigte Kunstwerk haben vermutlich Metalldiebe gestohlen. Das Zusammenwirken mehrerer Institutionen und vor allem das Engagement von Dr. Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, bewirkten die Rekonstruktion des Brunnenschmucks, zu der sich Künstler Oppl unentgeltlich bereit erklärte.

Dekanin Eva Reiß vom Evangelischen Dekanat vertröstete die Wartenden: „Wir fangen gleich an, wenn der Oberbürgermeister da ist.“ Blicke in alle Richtungen suchten das Areal ab. Und schließlich radelte Horst Schneider fröhlich auf seinem Klapprad herbei, dabei auf seine Uhr schielend. Kaum abgestiegen, musste er auch schon mit seiner Ansprache beginnen, lobte die Lebensqualität in den Grünanlagen der Stadt und betonte den nicht nur materiellen, sondern auch ideellen Wert des Kunstwerks. Es sei ein „Zeichen für Toleranz und Versöhnung“. Und schon deshalb, so sein Wunsch, mögen die Nutzer des nahen Schachfeldes eine stärkere soziale Kontrolle ausüben.

Kleine Bronzebibel ist ein „kommunaler Schatz“

Leonore Blume (Verein PraeLudium), die angeblich als erste den Diebstahl der Bibel bemerkt hat, beklagte darauf folgend den schlechten Umgang der Stadt mit ihren Kunstobjekten, woran oft auch „Kompetenzprobleme schuld sind“. Da die meisten der mehr als 8000 städtischen Kunstwerke nur im Depot des Stadtarchivs lagerten, bildeten die öffentlichen Plastiken die seltene Ausnahme, mit der man Bürger an den kommunalen Schätzen teilhaben lassen könne. Einer dieser Schätze sei Karl-Heinz Oppls kleine Bronzebibel. Sie selber habe schon im Wasser gestanden, um das Werk ganz erfassen zu können, bekannte Blume, und reflektierte zu dieser Symbolkraft von Wasser und Schrift: „Die Quelle der Erkenntnis bedeckt die Quelle des Lebens.“

Jürgen Eichenauer schließlich hielt den Wert der Kunst im öffentlichen Raum fest. Öffentliche Plastiken seien „Besitz aller“, insofern sollte sich auch jeder aufgerufen fühlen, Beschädigungen umgehend zu melden.

Eva Reiß gab einige historische Informationen zur gesellschaftlichen Aufnahme der Bibel in Deutschland. Luther sei auf der Wartburg nicht der erste Übersetzer der Bibel ins Deutsche gewesen, er hätte aber als erster Erfolg damit gehabt, weil er „die frohe Botschaft in volkstümlicher Sprache“ zu übermitteln verstand. Die Erinnerung daran sei in Oppls Brunnenplastik festgehalten. Und obwohl das rekonstruierte Kunstwerk schon seit einem Weilchen von ihm fertig gestellt worden sei, habe man mit der Einweihung bewusst bis zum Reformationstag gewartet.

Das Kunstwerk ist nun gegen Diebstahl versichert

Dann sangen die Besucher das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ und beteten das „Vater Unser“. Die Klänge des Posaunenchors der Matthäusgemeinde hallten über den Platz und erregten die Aufmerksamkeit vieler Passanten. Und schließlich wurde die filigran gestaltete Bronzebibel enthüllt und von dutzenden Augen interessiert begutachtet. Das nun gegen Diebstahl stärker verankerte Kunstwerk fand durchgehend Gefallen bei den Besuchern. Günter Eckelhöfer sagte: „Früher hatte ich auf die Bibel gar nicht geachtet, nachdem ich aber darauf aufmerksam gemacht wurde, finde ich sie heute sehr ansprechend.“ Martin Grölz (Stadtmission) äußerte sich ebenfalls positiv: „Die Plastik gefällt mir gut, sie hat Symbolkraft.“ Und da der Gottesdienst unter freiem Himmel so gut ankam, projektierte er nicht nur die mögliche Übernahme einer Patenschaft für den Park, sondern auch die Prüfung einer zukünftigen Nutzung des Areals für kulturelle Veranstaltungen.

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