Kunsthandwerkermarkt: Vorboten des Osterfestes

Offenbach - Im Frühling und im Herbst kommen in der Turnhalle des TV Bieber die Kunsthandwerker zusammen. Allerlei Schönes ist zu bestaunen und zu kaufen. Am Wochenende zog das nach Schätzungen der Veranstalterin 2 000 Besucher an. Von David Heisig

Tand ist nicht nur ein Begriff aus Theodor Fontanes Ballade „Die Brücke am Tay“. Es gibt ihn in jeglicher Form zu kaufen. So auf dem Kunsthandwerkermarkt in der TV-Bieber-Turnhalle. Liebhaber kunstvollen Handwerks und verspielter Dinge kommen auf ihre Kosten. Organisatorin ist Ursula Birnschein, selbst Kunsthandwerkerin.

„Gestern haben sie gewonnen“, erklärt sie schmunzelnd, warum sie spät ins Bett gekommen ist. Gemeint sind die Tischtennisspieler des TV Bieber, die freitags in der Halle spielen. Läuft’s gut, kann Birnschein erst spät aufbauen und die Stände einzeichnen. Sie organisiert die Märkte in Bieber und einen in Dreieich.

Dazu gekommen ist sie zufällig über eine Freundin, die ihr diese vererbt hat. Das kalte Wetter sei für sie und die Aussteller nicht schlecht. So hofft sie, dass die Menschen eher zum Markt kommen, als in den Garten zu gehen. Obgleich das Thema der Frühling ist. Haben viele Aussteller doch ihr Ostersortiment dabei.

Auch Waltraud Stolz, die Kreuzsticharbeiten anbietet. Osterhasen und bestickte Ostereier zum Beispiel. Ein „Intensivhobby“, wie sie sagt: „Es ist eine alte Stichtechnik, die durchaus modern geworden ist.“ Mit Fäden werden Muster, Bilder und Skulpturen auf Leinen und Baumwolle gestickt. Eine Landschaft mit 119 Farben, also 119 verschiedenen Fäden, sticht aus dem Angebot hervor. Verständlich, dass diese filigrane Arbeit nur mit den Augen zu bewundern ist. Ansonsten ist anfassen und fragen erwünscht.

Auch am Stand von Chunok Kim. Sie ist zum ersten Mal dabei und verkauft Kerzenhalter in Form von Lotusblumen. Diese sind aus einzelnen Papierteilen entstanden. Das Rohmaterial hat sie aus Korea importiert. Es ist sehr stabil und wurde schon in koreanischen Tempeln eingesetzt, als es noch kein Glas gab.

Bei ihren Frühlingsmotiven lässt sich Claudia Hasler, Malerin aus der Wetterau, von der Natur inspirieren. Sie malt sonst Landhausaquarelle. Als zweites Standbein versteht sie, was sie auf Märkten zum Verkauf anbietet. Sie hat ihre Werke nochmal in klein geschaffen, als Grußkarten. Stolz ist sie auf ein Ostergedicht, das sie illustriert hat. Das Besondere an dieser Art Malerei sei, dass das Weiß des Papiers ins Werk einbezogen werde. Fehler im Pinselstrich werden nicht verziehen. Vielleicht werden auf diese Weise auch Kunden auf ihre großen Werke aufmerksam, so die Hoffnung.

Teures Rohmaterial verarbeitet Wolfgang Schramm. Aus Mooreiche drechselt er Holzskulpturen. Er hat dieses Holz über einen Schreiner bekommen. Gefunden wurde es in einer Kiesgrube. 15 Jahre hat er es gelagert. Das eigentliche Alter des schwarzen, fossilen Holzes schätzt er auf 4000 Jahre. „Wir verarbeiten keine Tropenhölzer“, ergänzt seine Frau.

Nur aus regionalen Hölzern wie Wacholder oder Eibe drechselt Schramm aus einem Stück. „Die Natur ist für mich innovativ“, erzählt er, wie er zu den Ideen für seine Werke kommt. Die Natur gebe vielfach die Form vor. So wundert es nicht, dass die Ostereier die längliche Zapfenform der Fruchtstände der australischen Prothea haben. Ein wenig exotisch darf es schon sein.

Olfaktorisch sticht der Stand von Claudia Lesniewski hervor. Sie verkauft handgemachte Seifen. Renner sind jene auf Schafmilchbasis in den Richtungen Granatapfel und Eisenkraut. Letzteres besticht mit frischem Geruch. Ein bis drei Monate dauert die Herstellung der Seifen, die Namen wie „Ganescha’s Secret“ tragen. Fünf Kilogramm stellt sie pro Rezept als kalt gesiedete Seife auf Grundlage von Ölen und Natronlauge oder Glycerin her. Immer mehr im Kommen sei der Wunsch der Kunden nach Seifen für die empfindliche Haut. Bei Waltraud Stolz beginnt nach Ostern die Produktion für den Winter. Damit sie rechtzeitig zum Kunsthandwerkermarkt im Herbst eingedeckt ist.

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