Weihnachtsmarktveranstalter achten verstärkt darauf, keinen Alkohol an Jugendliche auszuschenken

Kunstladen

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Finden die Kontrollen richtig: Nadine und Julia.

Nicht nur in der Diskothek ist der Personalausweis oft die Eintrittskarte. Jetzt verhilft er jungen Weihnachtsmarktbesuchern auch zum Glühweingenuss – oder eben nicht. Denn mindestens Jahrgang 1995 muss auf dem Papier stehen, sonst gibt es nichts, außer Kinderpunsch.

Die alkoholischen Getränke schmecken wegen des hohen Zuckeranteils auch jungen Zungen gut. Und darin liegt die Gefahr. Schnell steigt beispielsweise die süße Wein-Mischung zu Kopf, kann so zum Verlust der Selbstbeherrschung führen. Dem Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen, der in vergangener Zeit deutlich gestiegen ist, wollen die Stadt Offenbach und die Weihnachtsmarkt-Organisatoren vorbeugen. Die Beschicker schauen deswegen ganz genau hin, an wen sie Hochprozentiges herausgeben. Dafür bekommen sie von der Stadt das „Gütesiegel für Feste in Offenbach“.

An unter 16-Jährige schenken die Beschicker keinen Alkohol aus. Spirituosen und branntweinhaltige Mixgetränke sind gar erst für 18-Jährige erlaubt. Wenn jung gebliebene Volljährige nicht auf den ein oder anderen Glühwein verzichten wollen, sollten sie also stets ihren Ausweis griffbereit haben. Denn nach dem könnten sie beispielsweise am Stand von Heinrich Michel gefragt werden.

„Wir achten sehr darauf, dass wir keinen Alkohol an Minderjährige ausschenken“, so der Beschicker. Wie bei Heinrich Michel müssen auch bei anderen Ständen die Jugendlichen öfter ihren Ausweis vorzeigen. „Die jungen Leute reagieren gelassen darauf“, kann Michel nach zwei Wochen Weihnachtsmarkt festhalten. Diskussionen habe er auch noch nicht führen müssen. „Viele zeigen meistens stolz ihren Ausweis, um zu beweisen, dass sie tatsächlich schon Glühwein trinken dürfen.“

Und wie finden das die jungen Weihnachtsmarktbesucher, die der Getränkestand jetzt vielleicht an die Eingangstür einer Diskothek erinnert? Elisa, 23, aus Offenbach, hat es sich mit zwei Freundinnen bei einer Tasse Glühwein – den sie problemlos erstehen konnten – gemütlich gemacht. Sie ist sich sicher: „Wenn Jugendliche sich betrinken wollen, können sie das so oder so. Bekommen sie den Alkohol nicht hier, gehen sie in den nächsten Supermarkt.“ Die Freundinnen Casy und Jule stimmen ihr zu. Jules Freundin habe erst kürzlich ihren Ausweis vorzeigen müssen, als sie einen Glühwein kaufen wollte. „Darüber war sie ziemlich empört“, wie Jule berichtet. Dennoch finden die drei die verstärkte Aufmerksamkeit des Personals an den Ständen richtig.

Die Hinweistafel zum Jugendschutz an dem Fenster des Glühweinstands interessiert die beiden Offenbacherinnen, Nadine (19) und Julia (20), nicht mehr. „Früher hätten wir das wahrscheinlich anders gesehen“, sagt Nadine, aber eigentlich finden sie die Kontrollen richtig, „auch wenn das mal nerven kann“, meint Julia. Daniel (22) aus Obertshausen hat auch kein Problem damit, seinen Ausweis vorzuzeigen. „Lieber schauen sie einmal mehr hin, als einmal zu wenig. Da zeige ich gerne meinen Perso. Außerdem finde ich es schlimm, wie sich manche 14- oder 15-Jährige schon betrinken. Wenn das so vermieden werden kann, finde ich das gut.“

Der Gang über den Offenbacher Weihnachtsmarkt beweist: Die Jugendlichen stehen nicht an den Ständen mit heißem Apfelwein und Glögg oder anderen alkoholischen Getränken. Die jungen Besucher interessieren sich mehr für Fritten, Zuckerwatte und sogar Kinderpunsch. Doch auch für Volljährige ist das Maß an Glühwein irgendwann voll. Diejenigen, die ihre Grenzen nicht kennen und betrunken sind, bekommen keinen Alkohol auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt.

Und schließlich gibt es nicht nur alkoholische Leckereien. Die Beschicker bieten einen preisgünstigeren alkoholfreien Glühwein für 1,50 Euro an. Der schmeckt genauso gut, vermeidet aber den Kater am folgenden Morgen auf jeden Fall.

BETTINA LINK

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