Kunstprojekt an der Frankfurter Straße

Eine Bank zum Spekulieren statt Sitzen

Offenbach - Vor „Foto Woehl“ an der Frankfurter Straße hat der Künstler Norbert Biba eine „Anti-Apartheids-Bank“ aufgestellt. Die Bank ist auf der einer Seite braun lackiert, auf der anderen weiß.

Norbert Biba (rechts) hatte die Idee zur sogenannte Anti-Apartheid-Bank, die vor dem Fotografie-Geschäft von Matthias Woehl an der Frankfurter Straße steht.  

Schilder weisen darauf hin, dass der helle Hintergrund „Nur für Schweizer“ ist und der dunkle für den „Rest von Europa“. Auf der Sitzfläche liegen Bilder aus der Zeit der Apartheid. Was hinter der Idee steckt und worin der Zusammenhang zwischen der Schweiz und Südafrika besteht, erzählt Biba im Gespräch mit Sarah Neder.

Die Bank soll ein Symbol der Diskriminierung darstellen. Wie kam es dazu?

Die Idee entstand im Dezember 2006 in Südafrika, als ich mit Philip Napier aus Belfast im Apartheidmuseum Johannesburg eine temporäre Sonderausstellung aufbaute. Vor dem Museum standen diese alten Bänke mit dem Schriftzug „Europeans Only“. Wir fragten uns, was passiert wenn man in Europa so eine Bank mit Schriftzug und Text nachbaut?

Und?

Philip Napier hat 2007 oder 2008 eine große Bank mit Schriftzug und Erinnerungstafel in einem Park in Belfast realisiert. Die Resonanz ist positiv. Die Bank hat einen großen Effekt auf Menschen. Ich habe ein Bild von einer Schweizerin geschickt bekommen, die sich bewusst auf die Seite für die restlichen Europäer gesetzt hat.

Apropos Schweiz: Woher kommt der Zusammenhang zwischen der Schweiz und der Apartheid in Südafrika?

Mit dem Berufschullehrer Norbert Hieronymi von der Heinrich-Kleyer-Schule in Frankfurt arbeite ich seit 2011 zusammen. Wir legten den Vorschlag der Bank mit der Aufschrift „Europeans Only“ 2013 einer Kunstklasse vor und einige Schüler waren total begeistert dieses Projekt als Abschlussarbeit zu realisieren. Die Schüler hatten aber ganz eigene beziehungsweise abgewandelte und weiterentwickelte Ideen. Sie präsentierten das Konzept der schönen weißen Seite für die Schweizer und die schmuddelige dunkle Seite für den Rest von Europa. Hintergrund für deren Vorschlag war 2013 die Volksabstimmungen, in denen die Schweizer für ein restriktives Asylgesetz stimmten.

Wie ging es mit der Bank weiter?

Nach der Fertigstellung brachte ich die Bank 2014 in eine kleine Ausstellung. Dann kam sie wieder in die Schule in den Keller. Dort wurde sie dann noch mal mit Feuer nachbearbeitet. Das heißt, die dunkle Seite wurde absichtlich zerstört. Anfang 2015 war ich mit der Situation sehr unzufrieden und wollte die Bank für einen Vortrag abholen. Die Idee, die Bank ohne erklärenden Text, sondern mit den Apartheidfotos und dem grünen Sticker des Apartheid Museums in Johannesburg zu präsentieren, ist von mir. Die Fotos habe ich vom Apartheidmuseum.

Wo wurde die Bank seitdem aufgestellt?

Im August 2015 wurde die Bank für zehn Monate vor „Ebert Uhren“ am Römerberg aufgestellt und jeden Abend wieder ins Geschäft getragen. Anschließend ist sie für acht Wochen nach Bornheim vor die Berger Straße 166 gezogen und ist nunmehr in Offenbach gelandet.

Was sind die Reaktionen der Offenbacher?

Die Leute in Offenbach sind sehr neugierig. Sie bleiben stehen und diskutieren. Da es keinen Informationstext gibt, ist viel Raum für Spekulationen geboten. Genau das wollten wir bezwecken.

Wie lange soll die Bank noch in Offenbach bleiben.

Wahrscheinlich bis Ende November. Es sei denn, das Ordnungsamt meldet sich früher (lacht). Zehn Monate wie am Römerberg werden es aber bestimmt nicht sein. Die Resonanz ist so positiv, dass wir sicher noch in weiteren Städten aufschlagen werden.

Hat das Werk auch Bezug auf aktuelle politische Entwicklungen?

Die ganze Debatte um Bürgerkrieg, Flüchtlinge oder Rassismus spielt sicher eine Rolle.

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