Rumpenheimer Kunsttage

Gute Bilanz dank Internet

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Für die Entstehung der Handpuppen von Matthias Peinelt waren unter anderem Wäscheklammern vonnöten.

Offenbach - Mehr junge Besucher, stärkerer Zuspruch schon am Samstag: Trotz kleiner Technikpannen viele zufriedene Gesichter bei den Rumpenheimer Kunsttagen. Von Claus Wolfschlag

„Ich war die erste, ganz allein“, erinnerte sich Andrea Piefka anlässlich der Rumpenheimer Kunsttage, die am Wochenende zum zwölften Mal stattfanden, an die Anfänge der Veranstaltung. Anlässlich der Offenbacher „Kunstansichten“ stellte Piefka einst als einzige ihre Bilder in Rumpenheim aus. Da die Teilnahme für die „Kunstansichten“ damals an eine komplizierte Bewerbung geknüpft wurden, beschloss ein Netzwerk um den Initiator Robert Elbe im Jahr 2002 schließlich die Abspaltung Rumpenheims. Die Kunsttage waren geboren.

Piefkas im Schloss-Casino aufgebauten Aquarelle erhielten wieder direkte Schützenhilfe durch die Fotografien Lucie Heirichs, ebenfalls eine Künstlerin der ersten Stunde. „Wir haben 17 Jahre im östlichen Schlossflügel gewohnt, sind dann vor zehn Jahren in den Odenwald gezogen“, so Heirich. Ihre Fotografien nimmt sie zwar längst digital auf, bearbeitet sie aber bewusst nicht am Computer. Dieses Jahr waren sie dem Thema „Wasser“ gewidmet, so dass die Aufnahmen Gebäudespiegelungen in Pfützen und Brunnenanlagen zeigten.

Dem Standort Rumpenheim verbunden ist auch der Bad Homburger Bildhauer Stephan K. Müller, der schon zum wiederholten Mal den Schlosshof mit seinen Skulpturen zierte. Köpfe aus Holz, Stein und Metall hatte er auf weißen Stelen um die Rasenfläche gruppiert. Da Müller ein haptischer Künstler ist, liegt sein Hauptaugenmerk auf dem Fühlen; der Struktur und Oberfläche des Objekts.

„Hier ist es immer schön"

„Hier ist es immer schön. Als ich das erste Mal in Rumpenheim ausstellte, war das Schloss noch eine Ruine“, erinnerte er sich lächelnd. Dem damaligen Wiederaufbau zu verdanken ist auch, dass heute die Tiefkeller des Schlosses für künstlerische Präsentationen genutzt werden können. Unter anderem waren dort nun erstmals Uwe Schramms an einem Stahlseil befestigte Fotografien zu sehen, ebenso die bizarren Handpuppen Matthias Peinelts aus Kronberg. Peinelt arbeitet seit vielen Jahren als Graphikdesigner für den Hessischen Rundfunk. Daneben betätigt er sich als freier Künstler.

„Seit meiner Kindheit habe ich ein Faible für Puppen. Mit meinen wurde zwar schon gespielt, mein Wunsch ist aber, mit ihnen ein eigenes Theater zu kreieren.“ Für bestehende professionelle Theaterbühnen seien seine Puppen allerdings weniger geeignet, gab er zu. Diese vergeben Fertigungsaufträge meist nach eigenen Wünschen und machen dabei hohe technische Auflagen.

Von der Technik konnte auch der Maler Hagen Bonifer ein Liedchen singen, denn lichttechnisch war bei seiner sperrigen Installation „Höhlenschätze“ in der Schlosskirche nicht alles glatt gelaufen. So waren zwar die von ihm dort ausgestellten Zitate, beispielsweise von Platon, Nietzsche und Hölderlin, gut zu lesen, das unter die Decke gespannte Eros-Großgemälde aber musste auf die geplante Ausleuchtung verzichten. So blieb ein mit Wortkaskaden gespickter düsterer Raum, „ein archaischer Ort, eine dionysische Höhle“, wie Bonifer interpretierte.

Rund um die Kirche ging es hingegen farbenfroher zu. Im Pfarrgemeindehaus an der Schlossgartenstraße zeigten Amparo und Fidel, die Kinder von Pfarrerin Kirsten Lippek, Landschaftsfotografien und Manga-Zeichnungen. Im Mausoleum waren Landschaftsmotive des Mühlheimer Malers Wolfgang Geppert zu sehen: Wälder, ein Fahrradfahrer, Kinder auf Wiesen und Angler.

Großes Interesse fanden die in dunklen Tönen gehaltenen Kleider von Lika Schmodsien. Die Modedesignerin ist ein Neuzugang in Offenbachs nördlichstem Stadtteil. „Seit 25 Jahren arbeite ich in Frankfurt, vor zwei Jahren ist mein Geschäft wieder an den Oeder Weg zurückgezogen. Und seit vier Monaten lebe ich privat in Rumpenheim“, strahlte sie. Der Liebe wegen sei sie hingezogen, fühle sich auch bereits heimisch. Eine Auswahl ihrer Kollektion zeigte sie im ehemaligen Stallgebäude an der Schlossgasse. Dabei orientierte sich die Farbpalette der Textilien an Schmodsiens zusätzlich präsentierten grautönigen Gemälden. „Das Publikum hier ist anders als im Oeder Weg, das macht die Veranstaltung spannend für mich“, sagte sie.

Vom Publikumszuspruch war auch ein Urgestein der Rumpenheimer Kunstszene beeindruckt: Schmuckdesigner Wolfgang Uhl, der zudem den ersten Stock seines Hauses als Ausstellungsfläche für Jutta Hingsts Radierungen zur Verfügung gestellt hatte: „Die Veranstaltung wurde diesmal stärker über das Internet kommuniziert. Vermutlich deswegen sind wir schon für den normalerweise schwächeren Samstag gut besucht. Zum Auftakt kamen auch mehr jüngere Leute.“

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