Bilder auf Zeit für daheim

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Mitarbeiterin Sabine Zöller hält eines von rund 600 Werken in ihren Händen, welche die Artothek in ihrem Bestand hat.

Offenbach - Neue Wege will der Kunstverein Offenbach beschreiten, um die Gemälde seiner Artothek stärker ins Blickfeld zu rücken: Auf der Homepage eins anklicken und aussuchen, dann zuhause aufhängen. Von Harald H. Richter

Lange fristeten sie ein Schattendasein im Keller der Stadtbibliothek, nach und nach sollen sie aber wieder ans Licht gelangen. Schließlich wurden sie geschaffen, um einem kunstinteressierten Publikum gezeigt zu werden. Und zwar nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in privater Umgebung. Rund 600 Werke hat der Kunstverein Offenbach im Laufe von Jahrzehnten in den Bestand seiner Artothek aufgenommen, entweder als Dauerleihgabe oder durch Schenkung. Überwiegend handelt es sich um Grafiken und Drucke, aber auch Holzschnitte und einige wenige Acrylmalereien beziehungsweise Ölgemälde befinden sich darunter. Weitere aus dieser Maltechnik entstandene Exponate möchte man nach und nach anschaffen und ebenfalls zum Ausleihen anbieten. Vorsitzende Ulrike Djelouilli-Della ist optimistisch, dass dies gelingt.

Von der eingelagerten Sammlung ist zurzeit nur etwa ein Drittel gerahmt, so dass Rahmenspenden willkommen sind. Die Mehrzahl Bilder wird noch in Mappen aufbewahrt und harrt darauf, möglichst bald in den Blick genommen zu werden. Darunter befinden sich Werke von Professor Kurt Steinel, dem inzwischen verstorbenen langjährigen Rektor der Hochschule für Gestaltung (HfG) oder auch Einzelarbeiten des in Frankfurt lebenden Malers und Grafikers Bernhard Jäger. Die Idee für die Artothek hatte Steinel bei Gründung des Vereins im Jahr 1977. Der Wunsch, eine kontinuierliche Begegnungsmöglichkeit für Künstler und Bürger der Stadt zu schaffen, stand dabei Pate. 1981 wurde mit dem Anlegen der Sammlung begonnen. Aber als etliche Jahre die Aktivitäten des Kunstvereins mehr oder weniger ruhten, dümpelte der Bestand im Keller der Stadtbücherei vor sich hin, zumal die Bibliothek die Ausleihe der Bilder nicht mehr leisten konnte. Mit der Wiederaufnahme der Vereinsaktivitäten bekam das Projekt Artothek neue Lebensimpulse.

Die Objekte sind inzwischen fotografiert und katalogisiert. Sie sollen demnächst auf den Internet-Seiten des Kunstvereins anschaulich präsentiert werden und Lust darauf machen, sich das eine oder andere Bild auf Zeit ins heimische Wohnzimmer zu holen. „Einfach anklicken und aussuchen“, beschreibt die Vorsitzende den Modus. Der eigentliche Verleih der versicherten Werke erfolgt durch die Stadtbücherei während deren Öffnungszeiten. Zehn Euro für jedes Kunstobjekt sind ein moderater Preis, zumal man es dann für maximal ein halbes Jahr überlassen bekommt. Stabile Kartons zum Transport der Bilder werden gestellt.

„Schön wäre, wenn sich, wie es früher schon der Fall war, auch wieder Anwaltskanzleien und Arztpraxen zur Ausleihe entschlössen“, gibt die Vorsitzende einen Denkanstoß. Ebenfalls vorstellbar: Krankenkassen, Banken und öffentliche Institutionen bereichern ihre Kundenhallen und Geschäftsfoyers für einen festgelegten Zeitraum um die künstlerischen Blickfänge. Gelegentlich zeigt schon jetzt das Stadtteilbüro am Mathildenplatz Exponate aus dem Bestand der Artothek. Mit der Leiterin der Stadtbücherei, Sylvia Beiser, hat der Kunstverein vereinbart, dass künftig mindestens zwei Mal im Jahr Objekte der Artothek für zwei Wochen in den Bibliothekräumen ausgestellt werden. Im September war dies erstmals der Fall, unter anderem mit Radierungen, Siebdrucken und Materialcollagen. Nächstes Frühjahr soll es eine Wiederholung geben. Dem Verein selbst steht inzwischen wieder ein eigener, etwa 90 Quadratmeter großer Ausstellungsraum zur Verfügung: im Wohnbüro (ehemals IHK-Gebäude) am Platz der Deutschen Einheit.

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