Kunstverein bezieht neues Domizil im KOMM

Viel Trubel im Konsumtempel

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Hallo, wir sind die neuen Mieter: Der Vorstand des Kunstvereins grüßt in seinen jetzt eingeweihten Räumen.

Offenbach - Es ist warm im ersten Stock des KOMM im Raum 1. 11. Noch nie dürften sich dort so viele getummelt haben. Der Kunstverein hat eingeladen, um den Einzug in die neue Unterkunft zu feiern. Von Stefan Mangold

Förderer Hans-Gerd Nitz spricht von der speziellen Umgebung, „zwischen Buchladen und Wäscheträumen eingepackt“. Dass der Kunstverein in einen Einkaufstempel zieht, hängt mit der Immobilienwirtschaft zusammen. Seit das KOMM vor fünf Jahren öffnete, herrschte hinter den zugeklebten Scheiben von 1.11 Tristesse. Für die gut 280 Quadratmeter fand sich kein Unternehmen, in dessen Kalkulation sich der Mietzins gerechnet hätte.

Frank Middendorf, seit zwei Jahren Geschäftsführer des KOMM, suchte jemanden, der kultiviertes Leben in die Bude bringt. Der Kunstverein, nach dem idyllischen Domizil an der Austraße in der alten IHK untergekommen, unterschrieb ohne Zaudern. „Wir sind das Risiko bewusst eingegangen“, so Vorsitzende Ulrike Djellouli-Della.

Verein betreibt großen Aufwand

Erstmal muss der Club, der „für‘n Appel und ‘n Ei“ unterkommt, nicht fürchten, holterdipolter einem solventen Mieter weichen zu müssen. Der Verein betrieb einigen Aufwand. Wie gerufen kam der Scheck über 2000 Euro, den Dr. Michael Reckhard von der WIBank brachte. Den Raum gestaltete Architekt und Künstler Sylvester Kraaz unentgeltlich. Durch Kraaz kam der Kontakt zu Lighting Accents zustande. Diese Firma sponserte Speziallampen, die auf die Bilder leuchten. Auch der neue Sitz dient als ständige Ausstellungshalle. Eine Jury entscheidet, wer präsentieren darf.

Zu den Hauptaufgabe von Kunstvereinen gehört, jenen einen Platz zu geben, die auf dem launigen Kunstmarkt nicht im Zentrum stehen. Im Moment sind etwa Bilder mit Ziffernblatt von Christoph Klein zu sehen, dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden. Am anderen Ende steht eine handgeschmiedete Skulptur von Geet Chorley, dem Schatzmeister. Auch Nichtmitglieder stellen aus. Links vom Eingang hängen zwei in dunklen, sinnlichen Farbkombinationen gehaltene abstrakte Kompositionen, typisch für den Stil der Malerin Marilena Stangier.

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Ein Jahr genießt der Kunstverein quasi Welpenschutz. Wenn es nach Ablauf dumm läuft, muss er binnen sieben Wochen eine neue Bleibe finden. Das bedeutete dann, die Rechnung von KOMM-Chef Frank Middendorf ginge auf, durch eine belebte Atmosphäre die Attraktivität der Fläche zu steigern. So ähnlich könnte der Kaufmann in Gesprächen mit den Investoren aus Kanada und Hamburg argumentiert haben. Die mussten schließlich zustimmen, dem Kunstverein den Laden zu überlassen. Der verpflichtet sich, werktäglich für Trubel zu sorgen und von 14 bis 20 Uhr die Tür offen zu lassen. Bürgermeister Peter Schneider lobt das Bündnis zwischen KOMM und Kunstverein und freut sich, „dass es die Stadt keinen Cent kostet“.

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