Experimente statt exakter Wiedergabe

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Konrad Häggele hat 30 Jahre lang Bilderrahmen gemacht: Er wird heute 65 Jahre alt und hat sich zum Geburtstag eine Ausstellung geschenkt.

Offenbach - Unterwasseraufnahmen aus dem Pazifischen Ozean, Eindrücke aus der lybischen Wüste, Frankfurter Hochhäuser, Gesichter und Impressionen von Musikveranstaltungen hat Konrad Häggele mit seiner Kamera eingefangen. Vor zwei Jahren hat er sein Geschäft für Bilderrahmen an der Frankfurter Straße abgegeben und widmet sich seitdem intensiver der Fotografie. Von Simone Weil

Anlässlich seines 65. Geburtstages an diesem Samstag hat sich der aus Friedrichshafen am Bodensee stammende Häggele eine Ausstellung geschenkt, die heute um 16 Uhr in den Räumen hinter seinem ehemaligen Geschäft eröffnet wird. Am morgigen Sonntag haben Besucher ab 11 Uhr ein weiteres Mal Gelegenheit, sich die kunterbunten Bilder anzuschauen. Bis zum 21. Juni werden die 250 käuflichen Exponate unter dem Motto „Von Mexiko bis Tokio“ in den ehemaligen Fabrikräumen gezeigt.

Der gelernte Fotograf hatte einige Jahre als freiberuflicher Illustrator und Designer gearbeitet, bis er die stressige Arbeit in den Werbeagenturen leid war. „Ich habe viel Geld verdient, aber in jungen Jahren auch viel ausgegeben“,erzählt er. Um die Rente zu sichern, setzte er auf ein solides Handwerk und eröffnete 1977 seinen Betrieb KH-Rahmen in Offenbach, den er 30 Jahre lang als Einzelkämpfer führte.

Die Ausstellung ist bis 21. Juni in der Frankfurter Straße 80 zu sehen: montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr, samstags zwischen 10 bis 14 Uhr.

Im Hinterhof an der Frankfurter Straße zwischen Bodega Ibiza und portugiesischem Lebensmittelhandel rahmte der Fotokünstler Bilder und fertigte Spiegel an. Seinen Humor demonstrierte er mit einem Aufsteller auf der Straße, auf dem er - als Pendant zum Hinweis auf den frischen Fisch beim Nachbarn - für täglich frische Bilderrahmen warb. In der Stadt am Main wurde der gebürtige Schwabe, der seine Herkunft sprachlich bis heute nicht verheimlichen kann, heimisch: „Ich mag die Offenbacher richtig.“

Urlaubsreisen führten ihn, den man in der Stadt meist mit dem Fahrrad sieht, in aller Herren Länder - die Kamera war immer dabei. Schnell war klar, dass ihn eine naturgetreue Wiedergabe der auf den Film gebannten Motive nicht sonderlich interessiert. Er experimentiert mit diversen Fototechniken, Dias und Videoaufnahmen.

„Mein künstlerischer Ansatz ist es, die Aufnahmen neu zu gestalten, je nach Stimmung bis hin zur Abstraktion.“ Verfremdet werden die Bilder unter anderem mit Hilfe farbiger Raster und Fettfolien, mit denen sich Ränder verwischen lassen. „Ich möchte keine messerscharfen Fotos produzieren, ich liebe weiche Konturen“,sagt Häggele. Von der „Schärfewelle“, die er derzeit auszumachen glaubt, hält er wenig.

Eigentlich will er mit der Kamera malen oder zumindest einen ähnlichen Effekt erzielen: Zart und wie bei einem Aquarell leicht fließend und durchsichtig schimmernd soll der Eindruck sein. Bei anderen wiederum ist es die kräftige, grelle Farbe, die eine besondere Wirkung hat. Eine reizvolle Abstrahierung erreicht er auch durch eine extreme Farbgebung, mit der er seine Aufnahmen nachträglich schönt: etwa das Porträt eines schwarzhäutigen Mannes, der ganz in Blau in einer Collage auftaucht. Auch die Gegenüberstellung verschiedener Aufnahmen von Gesichtern oder zahlreichen Details von Musikern offenbaren Häggeles große Freude an Situationskomik.

Darüber hinaus liebt der Fotograf die Aktion, das Tempo und die Bewegung, der er mittels des Verwischens noch deutlicher und intensiver Ausdruck verleiht.

Landschaft, Natur und Tierwelt haben es dem genauen Beobachter ebenfalls angetan, der ein paar gelungene Schnappschüsse verbuchen kann: So hatte er das Glück, just den Moment einzufangen, als ein Vogel nach langem Warten endlich einen Frosch schnappt oder ein Insekt, das auf der Lauer liegt, um sich über fette Blattläuse herzumachen.

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