Rumänischer Trickdieb möglicherweise vor Ausweisung

Kuss ins Gesicht wirkt strafverschärfend

Offenbach - Diese Integration sei komplett misslungen, befindet der Offenbacher Richter Manfred: Einen 38-jährigen Rumänen schickt sein Schöffengericht für acht Monate ohne Bewährung ins Gefängnis.

Als es zur Verhandlung kam, saß der Mann bereits wegen diverser Trickdiebstähle in Frankfurt in Untersuchungshaft. Nun muss noch das Ausländeramt entscheiden, ob eine Ausweisung möglich ist: Nach einem EU-Urteil sprechen Gefängnisaufenthalte für mangelnden Integrationswillen. Der einem größeren Familienverbund angehörende Mann – bei der Verhandlung leisteten ihm etwa 50 Verwandte Beistand – kam vor etwa 20 Jahren nach Deutschland. Seit seiner Ankunft beschäftigt er durchgehend die Justiz und hat inzwischen einige Jahre in deutschen Gefängnissen verbracht. „Alle Bemühungen des Staates, ihn in Brot und Arbeit zu bringen, scheiterten“, hat der Richter erkannt. „Da er an der Konsumwelt dennoch teilhaben wollte“, sei er auf die Idee gekommen, überwiegend ältere Personen zu bestehlen, um die Mittel dafür zu erhalten.

Was den Rumänen vor den Kadi brachte, trug sich am 7. Juli 2014 in Offenbach zu. Die detailreiche Schilderung vermittelt einen Eindruck vom Vorgehen von Trickdieben: Der Rumäne sprach eine 81-Jährige an, die vom Einkauf kam auf den Weg in ihre Wohnung war, flunkerte, er sei mit seinem Lkw in der Nähe liegengeblieben, und bat darum, mit ihrem Telefon seinen Onkel anrufen zu dürfen. Dieser werde ihn dann abholen. Die hilfsbereite Dame ließ den Gauner ein. Der telefonierte auch – aber mit einem Komplizen. Der Frau sagte er, sein Onkel sei in einer halben Stunde da. In dieser Zeit lobte er die geschmackvolle Wohnungseinrichtung, schaute sich ungefragt um, öffnete Schränke und Schubladen, ohne freilich Schmuck oder Geld zu finden. Daraufhin ließ er – auch nach dem Protest der Wohnungsinhaberin – vom Öffnen weiterer Schränke ab.

Die Diebesbeute eines Langfingers

Die Frau sagte, ihr Sohn komme gleich, was der Mann ihr auch glaubte. So verabschiedete er sich, sagte der Seniorin, sie sei eine ganz liebe Omi, und er habe Omis sehr gern. Als er sich mit seiner Freundin zum Kaffeetrinken angekündigt hatte, küsste er die Dame gegen ihren Willen ins Gesicht. Letzteres rächte sich juristisch. Denn das Schöffengericht verhängte die achtmonatige Freiheitsstrafe gegen den Geständigen nicht nur wegen wegen versuchten Trickdiebstahls, sondern auch wegen Beleidigung auf sexueller Basis. Von einer Verurteilung wegen sexueller Nötigung sah das Schöffengericht ab, weil dazu Gewaltanwendung nötig gewesen wäre. Die ist aber bei einem überraschenden Kuss nicht gegeben.

tk

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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