Neues Quartier am Kaiserlei

„Sichtbarer Brückenschlag“ auf KWU-Gelände

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Sie stehen schon seit 20 Jahren leer, die ehemaligen KWU-Bürohochhäuser am Kaiserlei. Im Frühjahr will der Investor mit der Entkernung und dem Umbau zu Appartements beginnen. Drumherum sind weitere Mietwohnungen sowie Gewerbebauten geplant.

Offenbach - Es ist die größte Einzelinvestition in der jüngeren Geschichte der Stadt: Für 300 Millionen Euro errichtet die Berliner CG Immobiliengruppe auf dem und um das ehemalige KWU-Areal am östlichen Kaiserlei insgesamt 910 Mietwohnungen samt Gewerbeeinheiten und Infrastruktur. Von Matthias Dahmer 

Das Quartier soll 2021 fertig sein. Angesichts der Dimensionen stößt das Vorhaben selbst beim in Sachen Stadtentwicklung notorisch optimistischen Oberbürgermeister auf Skepsis: Er sehe ein gewisses Risiko, was die Zahl der geplanten Appartements angeht, sagt Horst Schneider gestern bei Vorstllung der Pläne. Selbst unter Branchenkennern stelle sich die Frage, ob der Markt das hergebe. Andererseits, so der OB, könne das Projekt zum „sichtbaren Brückenschlag nach Frankfurt“ werden. Jürgen Kutz vom CG-Vorstand versucht, die Zweifel zu zerstreuen: Er ist sich sicher, dass die 640 geplanten kompakten Wohnungen in den beiden ehemaligen KWU-Hochhäusern, sie werden im Schnitt zwischen 45 und 55 Quadratmetern groß sein, ihre Mieter finden. Zielgruppe sind Menschen, die aus Berufsgründen für einige Zeit im Rhein-Main-Gebiet leben, Banker der Europäischen Zentralbank etwa. Die Appartements sollen für 800 bis 1000 Euro im Monat vermietet werden. Dieses Konzept des „Vertical Village“ (senkrechtes Dorf) habe man bundesweit schon an sechs weiten Standorten verwirklicht, so Kutz.

Der Um- und Ausbau der beiden weithin sichtbaren, bis zu 23-geschossigen Bürobauten, die seit mehr als zehn Jahren leer stehen, sind Kern des neuen Kaiserlei-Quartiers. In den Untergeschossen sind Gemeinschaftseinrichtungen, Fitnessräume und sogar ein Schwimmbad mit 25-Meter-Becken vorgesehen, in dem der Investor auch Schulschwimmen ermöglichen will. Um die Hochhäuser herum entstehen zwischen Berliner Straße, Strahlenbergerstraße und Goethering weitere 270 größere Mietwohnungen in sechsgeschossigen Bauten. 50 davon sollen öffentlich geförderte Wohnungen sein.

Bei den Gewerbebauten sind die Investoren bislang weniger konkret: CG-Vorstand Kutz spricht von Nahversorgungsangeboten und Restaurants. Zur Infrastruktur, die der Bauherr schaffen will, gehören unter anderem Gehwege, Grünflächen und eine Einrichtung zur Kinderbetreuung. Stellplätze sind fast ausschließlich in Tiefgaragen unter den Hochhäusern vorgesehen.

640 Appartements und Schwimmbad geplant

Für das neue, 36.000 Quadratmeter große Quartier, in dem einmal knapp 2000 Menschen leben sollen, haben die Investoren unter anderem von der Allianz insgesamt vier Grundstücke gekauft. Darunter sind auch das Areal und das Gebäude des Best-Western-Hotels an der Strahlenberger. Was aus der Herberge wird, ist unklar. Der Betreiber habe einen Mietvertrag, der noch einige Zeit laufe, man sei in Gesprächen, sagt Jürgen Kutz. Während die beiden künftigen Appartement-Hochhäuser im Besitz der CG-Gruppe bleiben, sollen das Übrige kurz nach Fertigstellung weiterverkauft werden. Es gehöre zum Geschäftsmodell, so Kutz, Mietwohnungen für institutionelle Anleger, wie zum Beispiel Versicherungen, schlüsselfertig zu errichten.

Weil der Markt derzeit vor allem auf Wohnungen fixiert ist, war der Investor vor zwei Jahren in Offenbach mit dem Ziel angetreten, ausschließlich Wohneinheiten auf dem Areal zu bauen. Die Stadt pocht jedoch auf einen Mix aus Wohnen und Gewerbe, was denn auch im Bauvorbescheid vom August 2014 und in einem vom Stadtparlament nächste Woche noch zu beschließenden städtebaulichen Vertrag festgehalten ist: 60 Prozent Wohnen, 40 Prozent Gewerbe.

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Oberbürgermeister Horst Schneider erinnert an die Geschichte des Geländes, das einst von der Kraftwerk Union AG (KWU), einem Tochterunternehmen von Siemens, genutzt wurde und seit langem leer steht. Das Areal sei seit 20 Jahren ein Schandfleck am Kaiserlei, „die Platten fallen herunter, die Mäuse tummeln sich dort“, so Schneider. Jahrelang habe man mit potenziellen Investoren verhandelt, jetzt endlich seien Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung zu bringen gewesen. Bezüglich des Nutzungs-Mixes, betont der Verwaltungschef, habe man hart und zäh mit dem Investor verhandelt. Herausgekommen seien der städtebauliche Vertrag sowie ein vorhabenbezogener Bebauungsplan.

Im Frühjahr 2016 soll mit der Entkernung der beiden Hochhäuser begonnen werden. Ein solcher Umbau dauere üblicherweise 24 bis 30 Monate, sagt Jürgen Kutz. Parallel dazu würden die Neubauten drumherum errichtet. Projektmanager Frank Intra geht davon aus, dass bis 2021 alles fertig ist.

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