Das L-Werk trotzt der Krise

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Vor dem Nachbarschaftshaus der gemeinnützigen Betreuungsgesellschaft Lebensräume in Bieber: Lebensräume-Geschäftsführer Klaus-Dieter Liedke, Bürgermeisterin Birgit Simon und der Direktor des Landeswohlfahrtsverbandes, Uwe Brückmann.

Offenbach ‐ Uwe Brückmann fährt durch Hessen. Er besucht den Lahn-Dill-Kreis und Wiesbaden, kommt nach Kassel und in den Odenwaldkreis. Mit Bürgermeistern und Kämmerern, Landräten und Beigeordneten beugt sich der Direktor des Landeswohlfahrtsverbandes über Bilanzen, studiert Zahlenkolonnen und wälzt Akten. Es geht um viel Geld. Von Denis Düttmann

Diskutiert wird die Umlage, die Kommunen vor allem für die Unterbringung und Betreuung behinderter Menschen jährlich an den Verband zahlen. Dann will Brückmann sehen, was die einzelnen Träger mit dem Geld so anstellen und besucht jeweils ein besonders innovatives Projekt.

Jetzt war der Landesdirektor in Offenbach zu Gast. Nach einem Gespräch mit Bürgermeisterin Birgit Simon und Kämmerer Michael Beseler im Rathaus kam der Sozialfunktionär in das Nachbarschaftshaus der gemeinnützigen Betreuungsgesellschaft Lebensräume in Bieber. Dort leben derzeit 13 Menschen mit psychischen Erkrankungen in Einzelwohnungen, in dem noch unvermieteten Doppelappartement im obersten Stockwerk stellten Mitarbeiter der Integrationsfirmen ESSwerk und L-Werk ihre Arbeit vor.

Über 40 Einrichtungen gehören zum festen Kundenstamm

Seit 2003 übernehmen die Beschäftigten von L-Werk die Konfektionierung und den Briefversand für andere Firmen oder wickeln Preisausschreiben und Reklamationsprozesse ab. „Bei uns arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen“, erklärt der Geschäftsführer Marco Goldenbohm. „Die Arbeit erfordert sehr viel Genauigkeit - das ist eine ständige Herausforderung für unsere Mitarbeiter.“ In einer stark konjunkturabhängigen Branche spüre L-Werk die Krise derzeit sehr stark – mit der Ausweitung des Geschäftsfeldes will Goldenbohm darauf reagieren.

ESSwerk beliefert Kitas, Schulen und Behörden täglich mit warmen Mahlzeiten. Über 40 Einrichtungen gehören zum festen Kundenstamm des Unternehmens, darunter auch das Kreishaus in Dietzenbach. „Mit der Zeit sind die Ansprüche an uns enorm gestiegen“, sagt Geschäftsführer Mike Gräf. „Das Handicap einiger unser Mitarbeiter und die soziale Ausrichtungen des Unternehmens spielen überhaupt keine Rolle mehr.“

Rund 21 Millionen Euro an den Landeswohlfahrtsverband

Uwe Brückmann lobt die beiden Firmen als innovative Beispiele gelungener Integration von behinderten Menschen in das Arbeitsleben und zeigt sich erfreut über die gute Entwicklung der Unternehmen. „Meine Arbeit lebt vom Austausch“, sagt des Landesdirektor. „Ich verstehe es auch als meine Aufgabe, erfolgreiche Modelle landesweit auf den Weg zu bringen.“

Mit seiner Tour durch Hessen will Brückmann mehr Transparenz schaffen. „Wir sammeln Geld ein und verteilen es wieder – die Kommunalpolitiker haben ein Recht zu wissen, wie dieser Prozess konkret aussieht“, glaubt Brückmann. Das Gespräch mit Simon und Beseler beurteilt der Landesdirektor als positiv, obwohl er eine Anhebung des Hebesatzes ankündigte. Rund 21 Millionen Euro soll Offenbach in diesem Jahr an den Landeswohlfahrtsverband abführen. Aber keine Panik: Rund 700.000 Euro mehr fließen wieder in die Stadt zurück.

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