Lackiert für Deutschland

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Der 20-jährige Vincent Wicker steht in einer Rohkarosserie des Modells Honda Jazz. Für die Berufs-Weltmeisterschaft kann er an ihr üben.

Offenbach ‐ Vincent Wicker ist gut trainiert, fast jeden Tag treibt er Sport: Rudern, Schwimmen, Laufen, Krafttraining. Doch das wird ihm alles nur wenig helfen, wenn es um Weltmeistertitel geht. Von Domenico Sciurti

Denn in der Disziplin, in der er im Oktober in London antreten wird, geht es nicht um körperliche Fitness. Gefragt ist sein Geschick mit Autos. Der 20-jährige Offenbacher vertritt Deutschland bei der Berufs-Weltmeisterschaft der Handwerksjugend im Fach Karosserie- und Fahrzeugbaumechanik.

„Ich möchte mindestens unter die besten Zehn kommen“, sagt Vincent selbstbewusst. Seine Aufgabe während des Wettkampfs wird sein, eine beschädigte Karosserie des Models Honda Jazz instand zu setzen; Teilnehmer aus mehr als 40 Nationen werden mit ihm um die Gunst der Experten kämpfen.

Damit er sich gut auf den internationalen Wettbewerb vorbereiten kann, hat ihn seine Firma bis Oktober freigestellt; beim Karosserie- und Lackierzentrum Nagel in Offenbach hat er gelernt und arbeitet dort nun als Geselle. Honda Deutschland, Sitz in Offenbach, hilft ebenfalls mit und spendiert drei Rohkarosserien des Wettbewerbs-Modells, an denen Vincent Wicker seine Fähigkeiten verbessern kann.

Das Trainings-Blech steht nicht nur in Offenbach. In Stockstadt wird Wicker bei der Firma Car-O-Line das Vermessen des Wagens vor und nach der Verformung der beschädigten Stelle üben. Bei der Frankfurter Firma Karosseriebau Riegelhof wird sich Gerd Riegelhof vier Wochen lang um den jungen Mann kümmern, ihm verschiedene Aufgaben erteilen und mögliche Schwachpunkte seiner Arbeit angehen.

Vor allem asiatische Konkurrenz ist hart

Riegelhof und seine Tochter Julia Spengler werden den Deutschlandkandidaten später auch nach London begleiten und ihn dort betreuen.

Bevor sich für Vincent Wicker der Weg nach London eröffnete, musste er sich in einem bundesweiten Auswahlverfahren bewähren. Jedes Bundesland schickte seinen Favoriten. „Vincent ging als bester hervor“, sagt sein Chef Alexander Nagel, auch Obermeister der Innung für Karosserie- und Fahrzeugbau Frankfurt-Wiesbaden. Er ist von seinem Schützling überzeugt: „Ich sehe ihn vorne mit dabei.“ Aber die Konkurrenz sei nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sagt Meister Nagel.

Vor allem die asiatischen Konkurrenten seien harte Gegner. Die würden quasi gedrillt und sieben bis acht Jahre nur auf diese Art von Wettbewerb vorbereitet, weiß Nagel aus jahrelanger Erfahrung zu berichten. Dass die Deutschen dennoch bei internationalen Vergleichen gute Ergebnisse erzielten, liege an der hohen Ausbildungsqualität und der außerordentlichen Motivation der Teilnehmer. Tatsächlich: Vincent Wicker ist hochmotiviert. Er möchte mit der Teilnahme am Wettbewerb persönlich wachsen, viele Erfahrungen machen, neue Menschen kennen lernen und sehen, wie die anderen arbeiten.

„Ich bin froh und stolz, dass ich für Deutschland antreten kann“, sagt der junge Mann aus Bürgel, „so eine Gelegenheit bekommt nicht jeder.“

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