Nur Natur für die Haut

+
Wie das duftet! An der Langstraße 30 arbeitet Beate Adam in einem Ladenlokal nach dem neuen „Nachbar“-Konzept.

Bürgel - Ein Potpourri an Düften bahnt sich verführerisch den Weg in die Nase. Seifen in verschiedenen Farben und Formen sind im Raum verteilt. Von Veronika Szeherova

Marmoriert oder mit Kräuterstückchen, in Form einer Meerjungfrau, einer Kugel oder eines Törtchens, mit Blümchenmotiv oder einem Mantel aus Gewürzen. Beate Adam gehen die Ideen nicht aus. Im Bürgeler Laden „Nachbar“ verkauft sie handgemachte Seife.

Die gelernte Arzthelferin und Kosmetikerin hat sich einen Wunsch erfüllt und ihr Hobby zum Beruf gemacht. „Vor etwas mehr als einem Jahr wurde ich arbeitslos“, berichtet Adam. „Ich wollte schon immer mit Stoffen arbeiten, die die Natur bietet, und beschloss, mich selbstständig zu machen.“ Das Konzept „Nachbar“ kam ihr gerade recht: Der ehemalige Haushaltswarenladen an der Langstraße 30 bietet Platz für temporäre Nutzungen – private Feste, Ausstellungen, Verkauf. Seit Dezember baut Beate Adam dort für ein bis drei Tage im Monat ihre Seifenstände auf, plant bei Erfolg eine feste Nutzung. Der Ladeninhaber und Erfinder des „Nachbar“-Konzepts, Julius Jürgen Jonasch, ist aufgeschlossen für die Idee: „Mein Ziel ist die Belebung des Einzelhandels in Bürgel. Ich freue mich, wenn’s klappt.“

„Mit falschen Produkten der Haut großen Schaden zufügen“

Mit Chemie hat Adam in ihrem Berufsleben genug Erfahrung gemacht. „Mit falschen Produkten kann man der Haut großen Schaden zufügen“, warnt die 48-Jährige. Deswegen kommen bei ihr ausschließlich Naturstoffe in die Seife. Bienenwachs, pflanzliche Öle und Fette, reine ätherische Öle und natürliche Farbstoffe wie Paprika- oder Curcumagewürz.

„Die Öle und Fette erhitze ich auf maximal 50 Grad, da blubbert nichts“, sagt sie. Die Seifen seien auf diese Weise besonders pflegend: „Das wertvolle Glycerin bleibt drin, im Gegensatz zu industriellen Seifen.“ Fettreiche Seifen machten sogar zusätzliche Hautcremes unnötig. „Ich habe als Kosmetikerin viele Menschen erlebt, die ihre Haut überpflegt haben“, erzählt Adam, „darauf kann die Haut empfindlich reagieren, gerötet, trocken und gereizt sein. Schließlich muss sie als arbeitendes Organ animiert werden und nicht jegliche Arbeit abgenommen bekommen.“

Für das Sieden einer gewöhnlichen, im Block hergestellten Seife braucht sie etwa zwei Stunden. Bei aufwändigeren Seifen, die sie in Formen gießen oder ausstechen muss, dauert es länger. Danach müssen die Seifen vier Wochen bis drei Monate lagern, ehe sie genutzt werden. „Die chemischen Prozesse gehen in dieser Zeit weiter“, sagt die Fachfrau. „Würde man die frische Seife gleich benutzen, würde sie auf der Haut brennen.“ Sie arbeitet ausschließlich im sogenannten Kaltverfahren. „Das dauert zwar länger, ist aber schonender.“

Schokoladenseifen mit echter Kuvertüre

Besonders beliebt bei ihren Kunden sind die Schokoladenseifen mit echter Kuvertüre. Für alle, die sich nach der Küchenarbeit über Zwiebel- und Knoblauchgeruch ärgern, empfiehlt sie Kaffeeseife. „Sie entfernt die Gerüche wirklich“, sagt Beate Adam lächelnd. Außerdem hat sie in ihrem Angebot Salzseifen, Fußseifen, keltische Seifen, Kräuterseifen wie die Hanf-Mohn-Seife, Peelingseifen etwa mit Brennnessel-Zimt und schonende Seifen ganz ohne Duft, die sich für besonders empfindliche Haut eignen. Wobei sie auch bei Duftseifen auf natürliche Aromen achtet: „Erdbeerduft kann nur synthetisch hergestellt werden, also benutze ich ihn nicht. Man kann zwar Erdbeeren zum Seifensieden verwenden, aber der Duft verfliegt dabei.“

Ihre Seifen stellt die Offenbacherin bisher in der heimischen Küche her. Wenn sie den Laden dauerhaft mietet, möchte sie die Produktion dahin verlegen. Einmal monatlich bietet sie dort Seifensiede-Kurse an, den nächsten am 11. März. „Ich möchte später auch Zutaten verkaufen für die Absolventen“, erläutert sie eine weitere Geschäftsidee. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie ärgerlich es ist, wenn man Spinatpulver für die Grünfärbung braucht und es nirgends bekommt.“ Bestellungen im Internet dauern bekanntlich ein bisschen.

„Jeden Monat kommen zwei bis drei neue Seifen dazu“

An weiteren Ideen mangelt es Beate Adam nicht. „Jeden Monat kommen zwei bis drei neue Seifen dazu“, erzählt sie. „Ich stelle mich meist einfach in die Küche und mische drauflos, lasse mich überraschen, was dabei herauskommt.“ Auch Themen- und saisonbezogene Seifen, zum Beispiel zum Muttertag, Halloween oder für die Winterzeit, gehören zu ihrem Sortiment. Gern stellt sie Seifen nach bestimmten Kundenwünschen her. Und freut sich, wenn sich jemand mit Garten findet, der ihr verschiedene Kräuter gibt. Sie lächelt: „Ich experimentiere gern.“

Nächster Verkauf bei „Nachbar“, Langstraße 30: Morgen und übermorgen (24. und 25. Februar), 10 bis 20 Uhr. Weitere Infos unter www.seifeselbstgemacht.de.

Kommentare