Den Laden selbstständig schmeißen

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Das Thema Schule war für die meisten Teilnehmer der Qualifizierung gegessen. Weil es in der Kleingruppe aber familiär zugeht und im Projekt praxisnah gearbeitet und gelernt wird, holen viele den Hauptschulabschluss nach.

Offenbach ‐ Fair gehandelte Produkte wie Kaffee, Tee und Süßwaren, schönen Schmuck oder dekorative Accessoires wie Filz- und Stoffsterne für den Tannenbaum in einem hübschen Kästchen gibt es neuerdings im „ina“-Shop im Kolpinghaus. Von Simone Weil

Auch selbst gemachte Chutneys, Marmeladen und Pesto sind dort im Angebot. Der Name der Produktionsschule Verkauf stammt von der „Initiative Arbeit im Bistum Mainz“, die in Offenbach das Gelbe Haus betreibt. In Zusammenarbeit mit der Mainarbeit sollen sich Jugendliche in den Räumen im Kolpinghaus an der Luisenstraße 53 ein Jahr lang qualifizieren. Sie holen den Hauptschulabschluss nach und erlernen klassische Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, um überhaupt eine Chance auf dem Lehrstellenmarkt zu haben.

Dabei sei die Kombination von Arbeiten und Lernen wichtig, meint Markus Hansen, Geschäftsführer des Gelben Hauses. Den Laden betreiben die Produktionsschüler unter Anleitung weitestgehend selbstständig. Sie bestellen Waren, kalkulieren, rechnen ab, kontrollieren den Eingang, liefern Bestellungen aus und verkaufen.

Mit dem regulären Unterricht haben die meisten der jungen Leuten zwischen 16 und 20 Jahren keine guten Erfahrungen gemacht. „Manche waren ein Jahr lang nicht mehr in der Schule“, erzählt Sozialpädagogin Kinga Willmann. Trotzdem müssen ihre Schützlinge jetzt Mathematik, Deutsch, Biologie und Ethik büffeln. Allerdings kommen die Lehrer von der Käthe-Kollwitz-Schule zu ihnen. Im neuen Domizil im Kolpinghaus gibt es sogar eigene Unterrichtsräume.

„Für einige letzte Chance“

Im Unterschied zur Schule ist es in der aus maximal zwölf Teilnehmern bestehenden Gruppe möglich, ganz individuell auf jeden Einzelnen einzugehen. „Es ist sehr familiär“, sagt Willmann, die den jungen Leuten mit Rat und Tat zur Seite steht. Dabei geht es um Probleme wie Schulden, Drogen, Alkohol und Kriminalität. „Für einige ist das hier die letzte Chance“, sagt die Betreuerin. Diese zu ergreifen, scheint sich für die meisten Teilnehmer zu rentieren: 70 bis 80 Prozent finden eine Ausbildungsstelle, landen wieder auf der Schule oder in einer weiterführende Qualifizierung.

Weitere Informationen unter Tel. 069 2475158-22 bei Markus Hansen.

Außer dem kleinen Laden, der wochentags zwischen 10 und 15 Uhr geöffnet ist (ab Montag, 21. Dezember, aber Betriebsferien macht und erst am Montag, 11. Januar, wieder erreichbar ist), soll im Januar das Ausbildungsprojekt „ina: Café-Restaurant“ an den Start gehen. Dafür hat die Kirche 100.000 Euro in den Umbau des ehemaligen Szene-Lokals investiert, das zuletzt unter „Relounge“ firmierte und schließlich über ein Jahr leer stand.

In dem neuen Lokal sollen drei Fachkräfte im Gastgewerbe ausgebildet werden, außerdem gibt es eine bislang unbesetzte Koch- oder Köchinnen-Lehrstelle. Neben dem regulären Restaurantbetrieb sollen auch Büfetts geliefert werden, außerdem kann der angrenzende Saal für Feste gemietet werden.

Die Produktionsschule Verkauf besteht seit Sommer 2006. Zunächst war sie in der katholischen Gemeinde St. Paul an der Kaiserstraße untergebracht, später im Foyer des Sozialkaufhauses Luise. Möglich wurde der Umzug, weil die Mitarbeiter im Kolpinghaus enger zusammenrückten und so Platz für das Qualifizierungs- und Ausbildungsprojekt gemacht haben.

Das Gelbe Haus an der Offenbacher Marienstraße ist eine von insgesamt vier Einrichtungen der Initiative Arbeit im Bistum Mainz. Seit 25 Jahren werden benachteiligte Jugendliche in verschiedenen Projekten gefördert.

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