Lähmender Leerstand

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Leere Läden, zerbrochene Scheiben: Für den Schandfleck City-Passage liegt das Konzept eines Kaufhauses mit größeren Einzelhandelsflächen schon lange in der Schublade. Die Umsetzung scheiterte bislang an finanziellen Fragen.

Offenbach ‐ Die City-Passage ? Wann tut sich denn endlich was mit dem Schandfleck ? Die Fragen der Passanten beim verkaufsoffenen Sonntag zum Abschluss der Offenbacher Woche waren berechtigt. Von Matthias Dahmer

Nur: Berechtigte Hoffnungen, dass die seit langem weitgehend verwaiste Ladengalerie bald umgebaut wird, darf man sich wohl nicht machen.

Immerhin ist Wolfgang Ziegler optimistisch. Spätestens Ende Juli, mehr will er noch nicht sagen, soll mit dem Umbau begonnen werden. Ziegler ist Geschäftsführer einer gleichnamigen Beteiligungs-GmbH, die mit dem längst nicht mehr zeitgemäßen Objekt großes vor hat. Der Internetseite des Unternehmens ist mehr zu entlocken: Danach ist ein „Komplettabriss der City-Passage und deren Revitalisierung“ geplant. Die Baugenehmigung ist beantragt, Fertigstellung und Neueröffnung sind fürs erste Quartal 2011 angepeilt. Entstehen soll zwischen der Frankfurter Straße und dem Platz der Deutschen Einheit ein dreigeschossiger Neubau in geschlossener Bauweise, dessen Zugang an der Frankfurter liegt.

Alternativen sind nicht in Sicht

Soweit die Theorie. Der Praxis steht Werner Brendel entgegen. „Ich bin das Zünglein an der Waage, fühle mich aber nicht unbedingt wohl dabei“, sagt er. Brendel betreibt in der Passage vier Spielotheken, und wurde vor drei Jahren vom damaligen Eigentümer, der Schwind Immobilien GmbH in Aschaffenburg, mit einem komfortablen Mietvertrag über zehn Jahre ausgestattet. Derzeit hat er nicht vor, frühzeitig auszusteigen.

Denn Alternativen zu seinem jetzigen Standort sind für ihn nicht in Sicht. Das Angebot des, so Brendel, „Immobilienverwerters Ziegler“, der ihm Ladenflächen in einem Neubau angeboten hat, kostet ihn über die Restlaufzeit des Mietvertrags rund 300 000 Euro mehr. Auch ein Umzug ins benachbarte ehemalige IHK-Gebäude am Platz der Deutschen Einheit kommt für ihn nicht in Frage. „Die Einbußen wären zu groß“, meint der Spielhallen-Betreiber. Am liebsten würde er in den leer stehenden Flachbau neben der Dresdner Bank in der Frankfurter umziehen. Doch da, sagt Brendel, spielt die Stadt nur mit, wenn es dem Bauherrn Ziegler gelingt, seine Umbaupläne auch auf die Gebäude der Steinmetz’schen Buchhandlung und des benachbarten Frisörs auszudehnen.

Neben der Dresdner Bank sind Spielhallen nicht zulässig

Dass es eine solche Verknüpfung gibt, weist Oberbürgermeister Horst Schneider zurück. Für ihn ist es zwar eine „städtebauliche Idealvorstellung“, wenn der Umbau und die geplante Aufstockung sich an der Höhe der Nachbarbebauung an der Frankfurter Straße orientieren würde. Doch mit dem gewünschten Umzug des Spielothekenbetreibers, so Schneider, hat das nichts zu tun. Der scheitert nämlich an den rechtlichen Vorgaben. Das Gelände neben der Dresdner Bank ist so genanntes Mischgebiet, wo Spielhallen nicht zulässig sind. Und in den baurechtlich zulässigen Zonen der Innenstadt, den Kerngebieten, sind die von Brendel benötigten ebenerdigen 800 Quadratmeter derzeit Mangelware.

Verwundert zeigt sich Schneider zudem darüber, dass der Spielhallen-Eigner die ehemalige IHK-Immobilie ablehnt. Schneider: „Er hat doch erst in den vergangenen Tagen eine Anfrage bei der Bauaufsicht auf Umnutzung des Gebäudes gestellt.“

Laut Werner Brendel ist als einer der Hauptmieter in einem Neubau an Stelle der City-Passage das Bekleidungsunternehmen C & A vorgesehen, mit dem Ziegler einen entsprechenden Vorvertrag abgeschlossen hat. Allerdings muss sich wohl bald was mit dem Umbau tun. Sonst könnte auch noch der Kaufvertrag zwischen Schwind-Immobilien und Ziegler nochmal zum Streitobjekt werden.

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