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Es saugt und bläst der ESO-Mann, wo er bald nur noch kehren kann

Offenbach - Im Gegensatz zum Krach am Himmel endlich mal Lärm, den man selbst beeinflussen kann, dachten sich die Stadtverordneten. Und machten am Donnerstagabend mächtig Wind um die Frage, ob die städtischen Laubbläser abgeschafft werden sollen. Von Matthias Dahmer

Das Ergebnis vorab: Man testet es bis Ende 2012. Mit der Stimmenmehrheit der Koalition soll der Einsatz der lärmenden Puster schrittweise bis zum kompletten Verzicht reduziert werden. Einige wenige, so der Beschluss, bleiben im Bestand des ESO, um etwa auf Parkwegen ein Übermaß an rutschigem Laub beseitigen zu können. Gleichzeitig wird man im Rathaus den spitzen Bleistift in die Hand nehmen und ausrechnen, was es kostet, die Laubbläser durch kehrende ESO-Mitarbeiter zu ersetzen.

Die CDU hatte sich das schon vorher bestätigen lassen: Roland Walter berief sich auf Berechnungen des ESO, wonach der völlige Verzicht satte 600.000 Euro Mehrkosten im Jahr verursachen würde. „Legt man das auf die Gebühren um oder trägt die Kosten die Stadt - alles ungeklärte Fragen“, rügte Walter den Antrag als „nicht ordentlich“.

Schützenhilfe gab’s für die Union von ungeahnter Seite: Ordnungsdezernent Paul-Gerhard Weiß bekräftigte, der ESO habe die 600.000 Euro „substantiell“ dargelegt. Im Übrigen habe man die Laubbläser-Flotte im vergangenen Jahr auf leisere Geräte umgestellt, den Betrieb ohnehin eingeschränkt und auch die Betriebszeiten geändert. „Wir sollten dem ESO noch eine Chance geben“, so Weiß.

„Dann nehme ich einen Laubbläser und blase Sie hier alle raus“

Parlamentschefin Nöller warnte vor einer Überschreitung der Redezeit. Peter Schneider, Fraktionsvorsitzender der Grünen ist da anderer Ansicht: Den Betrag von 600.000 Euro könne er überhaupt nicht nachvollziehen. Schneider verweist auf eine bei der Stadt Marburg eingeholte Auskunft, die bereits 2007 ihre Laubbläser komplett abgeschafft hat. Die Kosten für die Umstellung seien nicht bezifferbar und in der normalen Straßenreinigung enthalten, die Umstellung habe organisatorisch keine Probleme bereitet zitierte Schneider aus der Marburger Antwort.

Mit Blick darauf, dass zunächst geprüft werden soll, wie der Verzicht in der Praxis umgesetzt werden kann, meinte der Grünen-Fraktionschef: „Wir beschließen hier kein Teufelswerk.“ Falls sich die genannten „Horror-Zahlen“ als richtig erweisen sollten, könne man immer noch darauf reagieren.

Zuvor hatte Fiona Merfert von den Linken erfolglos den kreativen Vorschlag ins Plenum geworfen, die Frage, ob die Offenbacher für weniger Lärm durch Laubbläser auch eine Gebührenerhöhung schlucken würden, sei doch ein Thema für eine Bürgerbefragung.

Lucia Gerharz von den Grünen erinnert daran, dass sich das lärmgeplagte Offenbach nach Ruhe sehne und zumindest die Laubbläser, die bis zu 100 Dezibel laut seien, abgeschafft gehörten.

Nicht ganz ernst nahm die Stadtverordnetenversammlung den Hinweis von Hans-Joachim Münd von den Republikanern, es gebe mittlerweile auch Kombi-Geräte, die das Laub nicht nur wegblasen, sonder auch aufsaugen könnten.

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