Lärm am Wilhelmsplatz

Anwohner und Wirte sehen Stadt in der Pflicht

Offenbach - Der Lärm am Wilhelmsplatz sorgt weiter für Diskussionen. Und vermutlich wünschen sich nicht wenige der freiwillig oder unfreiwillig an der Diskussion Beteiligten das Ende des Sommers herbei. Von Matthias Dahmer

Anwohner, Stadt, Gastronomen – alle haben ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge, und alle haben gute Argumente. Dass die sich nur zum Teil in Einklang bringen lassen, macht es so schwierig. Von Seiten der Gastronomie wehrt sich Eric Münch, Betreiber des „Markthauses“, gegen den Vorwurf, der Wilhelmsplatz sei zu einer Partymeile verkommen. Die Behauptung einiger Anwohner, dass die Wirte eine „dezibel-intensive Volksbespaßung“ betrieben, ist für Münch ein Schlag ins Gesicht für diejenigen Gastronomen, die seit dem Umbau des Platzes versuchten, diesen mit Inhalten zu füllen. Münch: „So habe ich in den Sommermonaten je zwei Jazzkonzerte. Die sind kulturell anspruchsvoll, und aus Rücksicht auf die Nachbarschaft ist spätestens um 21.30 Uhr Schluss.“

Was die Raser entlang des Platzes angeht, sieht Eric Münch die Stadt in der Pflicht. Die Gastronomen hätten nie verstanden, warum im Zuge des Umbaus nicht zum Beispiel Hamburger Teller oder Bodenwellen auf den seitlichen Straßen eingebaut worden seien. Statt dessen werde tagsüber mit Blitzer-Aktionen die Stadtkasse aufgebessert. Münch: „Die Raser kommen nachts, aber da schlafen die Ordnungshüter.“ Auch die Anwohner werfen der Stadt vor, es werde sowohl beim Lärm als auch beim Straßenverkehr zu wenig kontrolliert. Die städtischen Auflagen würden oft nicht eingehalten; dass länger als bis 24 Uhr gefeiert werde, sei leider keine Ausnahme, ärgert sich Dorothea Terpitz. Hinzu komme die Parksituation. „Bis 19 Uhr bekommt beim nicht korrekten Parken jeder Anwohner einen Strafzettel. Nach Ende der Kontrollen parken die Besucher der Kneipen wild auf dem Platz“, sagt sie.

Bezüglich der Lärmverursacher wissen Anwohner wie Wolfgang Hares zu differenzieren: Die meisten Gastronomen wüssten mit der Situation umzugehen und würden ihren Teil der Verantwortung für ein angenehmes Zusammenleben übernehmen. Zusätzlichen Verkehr und Lärm könne man ertragen, wenn die Schlusszeiten eingehalten würden und dafür gesorgt sei, dass diejenigen, die andere durch ihr Verhalten gefährdeten, Konsequenzen zu fürchten hätten. Hares: „Das geht zu bestimmten Zeiten nur mit Anwesenheit.“

Für Ordnungsdezernent Felix Schwenke hat diese Anwesenheit Grenzen. Angesichts der personellen Ausstattung des Ordnungsamts sei eine „24-Stunden-Abdeckung an sieben Tagen die Woche“ nur mit Unterstützung der Landespolizei möglich. Mit der funktionierte die Kooperation übrigens gut. Schwenke weist zudem darauf hin, Genehmigungen für lärmintensive Feste würden nur zurückhaltend erteilt. So sei deren Zahl pro Jahr auf zehn limitiert, und nur bei einem Bruchteil dürfe bis nach 22 Uhr gefeiert werden Schwenke: „Abseits der Frage nach staatlicher Kontrolle bevorzuge ich präventive Lösungen, die einen Konsens zwischen verschiedenen Interessen herstellen.“ Eine solche schlägt SPD-Stadtverordneter Lutz Plaueln vor: Er regt ein Gespräch zwischen Anwohnern und Wirten an.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare