Lärm und Ärger

Das Leid an der „Partymeile“ Wilhelmsplatz

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Wird der Wilhelmsplatz Opfer seines Erfolgs? Anwohner beklagen, von der Gastronomie ausgehender Lärm schade dem schönsten Stück Innenstadt. Die Stadt versucht, Interessen auszutarieren. Ende einer Trunkenheitsfahrt: In der Nacht zum Sonntag kracht der BMW am Wilhelmsplatz gegen einen Laternenmast.

Offenbach - Die Anwohner Dr. Dorothea Terpitz und Norbert Herbert haben die Nase voll: Am Wilhelmsplatz habe der Lärm durch „dezibel-intensive Volksbespaßungsaktionen diverser Gastronomen“ ein nicht mehr hinnehmbares Ausmaß angenommen, schimpft Herbert. Von Matthias Dahmer 

Von regelmäßigen Partys, die bis in die frühen Morgenstunden dauern, weiß die genervte Anwohnerin Terpitz zu berichten.

Das Fass zum Überlaufen brachte für sie ein Unfall Samstagnacht, bei dem – wie die Polizei bestätigt – ein Autofahrer mit 1,3 Promille einen Sachschaden von 41 000 Euro verursachte. „Mit mindestens 100 Stundenkilometern donnerte der BMW die westliche Seitenstraße des Platzes entlang, wobei er in Höhe unseres Hauses die Kontrolle verlor, auf unseren dort parkenden Wagen prallte und diesen in die Pflanzkübel und Bestuhlung des Café Stäbchen schob“, berichtet Dorothea Terpitz. Der Unfallfahrer sei dann ungebremst seitlich in einen an der Bleichstraße geparkten Pkw gerast und erst vom Laternenpfahl gebremst worden. „Nur durch reinen Zufall ist nicht noch Schlimmeres passiert“, sagt die Anwohnerin, die den nächtlichen Unfall fotografisch festgehalten hat.

Der Unfall steht für sie in unmittelbarem Zusammenhang mit einer Party, die vor einer der Kneipen gefeiert wurde. Terpitz: „Von dort kamen etliche Personen, die sich um die Unfallbeteiligten kümmerten, und schließlich zogen etliche Schaulustige und ein Teil der Beteiligten wieder dorthin zurück, wo die Party hörbar weiterging.“ Ihrem Unmut haben Terpitz und Herbert gestern jeweils in Beschwerdebriefen ans Ordnungsamt Luft gemacht. Die Stadt dürfe in dieser Sache nicht länger untätig bleiben, meinen sie. Die von ihr geförderte Partymeile gehe nicht mehr nur zu Lasten des Schlafs, sondern auch zu Lasten der Sicherheit der Anwohner. Außerdem sollten die Gastwirte am Wilhelmsplatz endlich dazu verpflichtet werden, sicherzustellen, dass sich ihre Gäste zivilisiert und rücksichtsvoll vom Platz entfernten. Dies werde in anderen Städten wie zum Beispiel Heidelberg von Seiten der Stadt vorgegeben und überwacht.

In den Augen von Norbert Herbert ignoriert die Stadt bewusst die Nichteinhaltung sämtlicher bei Genehmigung solcher Veranstaltungen erteilten Auflagen und halte es daher auch nicht für nötig, die Auflagen zu überwachen. Befeuert wird der Ärger der Anwohner dadurch, dass sie, wie berichtet, teilweise einen nicht unerheblichen finanziellen Beitrag zur Umgestaltung der seitlichen Straßen leisten müssen. Wie Hohn klingt es zudem in ihren Ohren, wenn Stadtsprecher Matthias Müller nicht müde wird zu behaupten, der Wert der Immobilien sei durch den Umbau des Platzes gestiegen. „Das Gegenteil ist doch der Fall. Wir leiden unter Lärm und Schmutz, wir finden keine Parkplätze, wir laufen Gefahr, dass unsere Immobilien und parkenden Autos beschädigt werden“, listet Dorothea Terpitz auf.

Ordnungsdezernent Felix Schwenke erkennt die „Leiddensfähigkeit“ der Anwohner an, die in den vergangenen Wochen etwa auch Übertragungen der WM-Spiele hätten erdulden müssen. „Uns ist bewusst, dass es derzeit für sie anstrengend ist“ sagt er. Andererseits wohnten sie nun mal an einem belebten Platz und es gelte, die gegenläufigen Interessen in Einklang zu bringen. Zum geschilderten Unfall kann Schwenke gestern noch nichts sagen. Er wolle sich erst bei der Polizei informieren. Es dürfe aber nicht hingenommen werden, dass dort so gerast werde. Was den nächtlichen Lärm angeht, weist er darauf hin, dass die Kneipe vom Ordnungsamt eine Feier-Genehmigung bis 24 Uhr erhalten habe. „Eine öffentliche Disko nach 0 Uhr geht nicht“, stellt der Ordnungsdezernent klar. Ohnehin werde eine Erlaubnis für private Feste in Offenbach grundsätzlich nicht länger als bis Mitternacht erteilt.

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