Lärmobergrenzen für Flughafen könnten sich positiv auswirken

Künftig mehr Platz für Häuser, Kitas, Schulen?

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Die Baubeschränkungen treffen aktuell das blau gefasste Gebiet und damit weite Teile Offenbachs. Mit der Lärmobergrenze (braun) würde es zwar nicht leiser, allerdings würde so rein rechtlich wieder mehr Platz etwa für Wohnungsbau zur Verfügung stehen.

Offenbach - Keine Lärmminderung, aber eine Erleichterung für die Stadtplanung und positive Auswirkungen auf die Stadtentwicklung erhofft sich die Stadt durch die vom Hessischen Wirtschafts-Ministerium angekündigte Lärmobergrenze für den Frankfurter Flughafen.

Flughafendezernent Paul-Gerhard Weiß erklärte es bereits den Stadtverordneten: „Der Lärm wird durch dieses Instrument zwar nicht weniger, allerdings darf er auch nicht so wie bisher erlaubt wachsen.“ Beabsichtigt sei, ihn etwa auf dem Niveau von 2014 zu deckeln, als gut 470.000 Maschinen in Frankfurt starteten oder landeten. Sollte diese Lärmobergrenze tatsächlich „rechtlich hart“ eingezogen werden, könne dies Auswirkungen auf diverse Baubeschränkungszonen in Offenbach haben.

Derzeit basierten die Baubeschränkungszonen auf unterstellten 701.000 jährlichen Flugbewegungen und dem hieraus errechneten Fluglärm. Ursprünglich nahm man an, dass der Verkehr im Jahre 2020 diese Größe erreicht. Jetzt rechnet das Ministerium damit erst für 2035. Bis dahin sei aufgrund des technischen Fortschritts aber mit lärmärmeren Maschinen und moderneren Flugverfahren zu rechnen, blickt der Stadtrat in die Zukunft. Gegenüber der ursprünglichen Lärmprognose könnten um 1,8 Dezibel niedrigere Werte festgeschrieben werden. Paul-Gerhard Weiß: „Beabsichtigt ist deshalb, die Fläche der Hochbetroffenen - das sind Gebiete mit einem Tagesdauerschallpegel von mindestens 55 Dezibel - entsprechend zu verkleinern. Diese Fläche deckt sich mit der Tagschutzzone  2.“

In der Folge dürften große Teile des Stadtgebiets aus den bestehenden Lärmschutzzonen herausfallen, freut sich Oberbürgermeister Horst Schneider. „Hier bietet sich die einmalige Chance, die Ungerechtigkeiten der Baubeschränkungen innerhalb der sogenannten Lärmschutzzonen zu revidieren“, folgert er in seiner Funktion als Baudezernent. Er verweist darauf, dass mehr als zwei Drittel von Offenbach seit dem Bau der Nordwest-Landebahn unter einem Lärmteppich liegen und in „Schutzzonen“ fallen, in denen das Fluglärmschutzgesetz Baubeschränkungen vorsieht – etwa für Schulen, Kindergärten, Altenheime und andere öffentliche Einrichtungen. Beispiel für die aktuellen Einschränkungen ist der nun favorisierte Standort für den Fröbelschul-Neubau an der Mühlheimer Straße / Im Eschig.

Dies beeinträchtige die Stadtplanung. Darüber hinaus sei im regionalen Flächennutzungsplan aufgrund der angenommenen Lärmentwicklung ein Siedlungsbeschränkungsbereich festgelegt, der die Ausweisung von Wohngebieten behindere. Auch dieser muss nach Einschätzung von Schneider dann angepasst, also verkleinert werden.

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„Wird die Lärmobergrenze rechtlich verbindlich und werden die Ziele eingehalten, müsste sich die Lärmschutzzone mit einem 55 Dezibel-Dauerschallpegel am Tag bei der nächsten Überprüfung deutlich nach Westen bewegen und Teile des Stadtgebiets im Osten und im Norden würden von den Baubeschränkungen befreit“, ist auch Weiß überzeugt. Dies könne Nachteile für die Stadtentwicklung verringern, das Lärmproblem sei damit freilich nicht gelöst.

Nach seiner Auffassung ist die Lärmobergrenze „ein Schritt in die richtige Richtung“, den die Kommunen stets gefordert hätten. Darüber hinaus müssten dichte Siedlungsgebiete von Fluglärm entlastet werden, „und zwar so, dass es für die Betroffenen spürbar wird. Die Entlastung darf nicht nur in den Simulationsprogrammen der Lärmphysiker zu erkennen sein.“ Neben dem technischen Fortschritt an den Flugzeugen seien dafür auch die schnellere Umsetzung neuer Flugverfahren mit deutlich größeren Überflughöhen und die Festsetzung entlastender Flugrouten erforderlich. Ziel müsse es sein, so Paul-Gerhard Weiß, dass in Siedlungsbereichen die Grenz- und Schwellenwerte des Fluglärmschutzgesetzes ohne passiven Lärmschutz eingehalten werden. (pso)

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