„Wunder“ am 1. Weihnachtsfeiertag

Lärmschutz: BIL kritisiert Al-Wazir

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„Inspect Noise Assess Announce“ (www.umwelthaus.org) bietet Informationen zu den Flugspuren startender und landender Flugzeuge am Frankfurter Flughafen. Das Bildschirmfoto belegt das subjektive Empfinden der Offenbacherin: Am Dienstagmorgen steuerten die landenden Jets nicht die Nord-West-Bahn an.

Offenbach - Stille Nacht... Passend zur Jahreszeit spricht die Offenbacherin Eva-Maria Schnalzger von einem Wunder: Am 1. Weihnachtsfeiertag vernahm sie um 5 Uhr keinen Fluglärm.

Derweil erneuert die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) zum Jahresende ihre Kritik an Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Das Wunder, von dem Eva-Maria Schnalzger der Redaktion berichtet, ist freilich ein eng begrenztes: Es betrifft im konkreten Fall lediglich diejenigen, die unter der Einflugschneise der Nord-West-Bahn des Frankfurter Airports wohnen. Für den Offenbacher Süden gilt am genannten Morgen: Kurz nach 5 Uhr dröhnt Flug CES 219 aus Pudong (China) als erster Wachmacher über ihre Köpfe.

Die Offenbacherin hat das nicht in Ruhe gelassen. So zeigt „Inspect Noise Assess Announce“ (kurz: INAA), das Informationen zu den Flugspuren startender und landender Flugzeuge in Frankfurt, anschaulich macht: Die Nord-West-Landebahn wird nicht angeflogen – warum auch immer... Die ansonsten lärmgeplagte Anwohnerin „nimmt dankbar die Abwesenheit des Lärms von oben als ein gutes Zeichen“ für ein frohes Weihnachtsfest und das ausklingende Jahr 2018. Bei der Fraport heißt es zu der subjektiven Beobachtung: „Ab dem 24. geht die Zahl der Starts und Landungen rapide nach unten; die Weihnachtsfeiertage gelten bei uns als verkehrsschwach. Gleichwohl wurde auch diese Bahn genutzt – mit Lücken.“

Das wird sich wieder ändern. Für ein wohlwollendes Jahres-Resumee ist daher die Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) nicht bereit. Im Gegenteil. Sie kritisiert in einer Mitteilung vor allem Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, der den November als „relativ ruhigen Monat“ für Anwohner des Frankfurter Flughafens eingestuft habe, da es in diesem Zeitraum keine Starts und nur 19 Landungen zwischen 23 und 24 Uhr gab. Diesen Rückgang führe der Minister „auf den auf seine Initiative hin aufgebauten Kontrolldruck sowie in der Durchführung sehr ernster Gespräche mit den jeweiligen Fluggesellschaften zurück“.

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BIL-Vorsitzende Ingrid Wagner sieht das etwas anders: „Bei allem Respekt vor seinen Bemühungen: Mit dem Inkrafttreten des Winterflugplans entfiel eine große Anzahl von Kurz- und Mittelstreckenflügen in die europäischen Urlaubsreiseziele. Gerade diese waren aber in erheblichem Umfang für die verspäteten Landungen verantwortlich.“

Zudem sollten sich Al-Wazirs Bemühungen nicht auf die Senkung der Zahl der Verspätungsflüge in der Nachtrandstunde beschränken. So vermisse man jegliche Initiative, „wie mit dem vom Flugverkehr verursachten Ultra-Feinstaub umzugehen ist“.

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Die BIL erwartet eine „offensivere und konsequentere Vorgehensweise“ des Ministers gegen die gesundheitsschädlichen Belastungen der Bevölkerung durch Fluglärm und Ultrafeinstäube. Der Zugewinn an Stimmen für Herrn Al-Wazir und seine Partei bei der letzten Landtagswahl sollte für beide Motivation und Verpflichtung im Kampf gegen Umweltverschmutzung durch Flugverkehr bedeuten. (mk)

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