Proteste bei „manroland“

Kommentar: Die Lage ist verzwickt

Einst hieß es in Offenbach: „Wenn MAN Roland niest, kriegt Offenbach die Grippe.“ Wegen dieser Abhängigkeit vom mit knapp 5000 Beschäftigten größten industriellen Arbeitgeber ließ sich die Stadt 1990 sogar erpressen: Von Frank Pröse

Mit Expansionsgelüsten gen Süden wurde die Verwaltung dazu gedrängt, ein riesiges Gelände jenseits der Bahn fürs „Südwerk“ bereitzustellen. Trotz seines kurzen Wirkens noch bestens in Erinnerung ist Vorstandschef Dr. Helmut Wohland, der mir nichts, dir nichts mit einer Unternehmensverlagerung nach Bayern gedroht hatte. Der Magistrat opferte daraufhin im Bebauungsplan 10 Hektar Grünflächen.

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Wir werden totgespart

Aus dem Werk wurde bekanntermaßen nichts. Einmal stellte sich die Bahntrasse den Planern als zu kostspieliges Hindernis in den Weg. Und dann fehlte der geschäftliche Erfolg. Letztlich wurden sogar alle Abteilungen aus dem Werk in der Offenbacher Innenstadt in den bestehenden Mauern an der Mühlheimer Straße untergebracht. Dort firmiert der Druckmaschinenhersteller inzwischen als „manroland“ und macht zuletzt vor allem wegen Personalabbaus und ausgedehnter Kurzarbeit Schlagzeilen. Das ist freilich keine Offenbacher Eigenheit. Auch die maßgebliche Konkurrenz leidet unter der flauen Branchenkonjunktur sowie Überkapazitäten. In der Mühlheimer Straße freilich hat nicht nur der Betriebsrat den Eindruck, dass das Konsolidierungskonzept des Vorstands nicht ganz ausgegoren ist.

Bei „manroland“ will die Führung die Krise eigenständig bekämpfen. Ob der Mut zur Besinnung auf die eigenen Kräfte letztlich belohnt wird oder diese Entscheidung gegen die Fusion mit einem Mitbewerber letztlich in den Ruin führt, das dürfte sich recht schnell erweisen. Sicherlich hat der Betriebsrat recht, wenn er davor warnt, das Unternehmen tot zu sparen. Doch was ist die Alternative? Die Lage ist verzwickt. So machen es fehlende liquide Mittel schwer, den im Moment ausgelasteten Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch deshalb soll beispielsweise das Senefelderhaus verkauft werden. Die Politik kann nicht helfen. Gleichwohl sollte sie endlich mal öffentlich Partei ergreifen. Denn durch „manroland“ besteht akute Ansteckungsgefahr ...

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