Ist "Plan B" der bessere "Plan A"?

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Die Flugzeuge starten am Rhein-Main-Flughafen im Minutentakt.

Offenbach - (mcr) Flughafenausbau: Falls die Kasseler Verwaltungsrichter wie erwartet nicht mitspielen, bleibt Offenbachs Lärm-Widerstand nur die nächste Instanz.

An Countdowns herrscht kein Mangel in Offenbach. Konsumwillige eifern der Eröffnung des Einkaufszentrums KOMM am 24. September entgegen. Das Klinikum zählt die Tage bis zum für den 19. Dezember angepeilten Umzug in den neuen Zentralbau. Und mancher Kickersfan wird schon jetzt etwas naiv seinen Abreißkalender befragen, wann denn nun endlich das neue Stadion kommt. Andere wiederum wissen momentan nicht so genau, ob sie den 2. Juni herbeisehnen oder fürchten sollen. Denn dann beginnt vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel die bisher wichtigste juristische Schlacht um die Frage, ob Konsum-, Gesundheits- und vielleicht tatsächlich auch ein Fußballtempel noch in einer lebenswerten Stadt stehen werden. Der VGH soll entscheiden, ob die zum Schrecken der Anrainer-Kommunen schon vorab genehmigte Nordwest-Landebahn für den Frankfurter Flughafen gebaut werden darf. Neben sechs anderen Städten wurden Offenbach selbst und die Städtischen Kliniken als Musterkläger zugelassen - nachdem der städtische Anwalt Reiner Geulen mit dem Bundesverfassungsgericht gedroht hatte.

Noch mehr Flieger? Die Stadt Offenbach fürchtet verheerende Konsequenzen.

Mit einem Nein zur Offenbacher Maximalforderung, den Planfeststellungsbeschluss für die Bahn aufzuheben, haben die Richter zwar schon im Schnellverfahren Mitte Januar eine Art Vorentscheidung abgeliefert. Zugleich haben sie allerdings klargemacht, dass der Flughafen, das Land und die Fluggesellschaften um ein echtes Nachtflugverbot wohl nicht herumkommen werden. Eben diese Sätze sorgen in den Reihen des Offenbacher Widerstands für vorsichtige Vorfreude auf die ersten Kasseler Verfahrenstage, in denen es um den Lärm gehen wird. Was der Offenbach antun würde, ist in den vergangenen Jahren ausgiebig dokumentiert und beklagt worden: In 75 Prozent der Stadt dürften wegen des Fluglärms schutzbedürftige Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Senioreneinrichtungen, Kliniken nicht mehr oder nur nach Ausnahmegenehmigung vom Land gebaut oder auch nur erweitert werden. Das ginge zu Lasten der Menschen, sagte Flughafen-Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, und würde alle Entwicklungschancen zunichte machen. „Unsere Stadt kann nicht zu einem einzigen Ausnahmefall werden.“Immobilienpreise würden fallen, der Lockruf an Neubürger würde quasi im Nichts verhallen, der Traum von einem Schub für die Sozialstruktur wäre ausgeträumt. Und das Klinikum müsste laut seinem Anwalt Tobias Kroll nicht nur um die Erfüllung des öffentlichen Auftrags zittern, sondern wegen auf ruhigere Hospitäler ausweichenden Patienten auch um wirtschaftliche Gesundheit. Zweifel am Glauben der Kämpfer, den Offenbacher „Plan A“ - Verhinderung des Ausbaus - noch im Auge zu haben, seien nicht angebracht, bekräftigten Weiß, Geulen und der Flughafen-Fachberater Dieter Faulenbach da Costa gestern. Abgesehen davon könne auch „Plan B“ - Nachtflugverbot, Flugroutenverlagerung, vom Lärmverursacher bezahlter Lärmschutz - zum Ziel führen, den Lärmpegel des Gesamtflughafens zu mindern. Und sollten das die Kasseler Richter im Juni anders sehen, würde eben ein neuer Countdown beginnen. Das Revisionsverfahren, dann vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, wäre frühestens in einem Jahr denkbar.

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