"Unsichtbar und Geruchsarm"

Müllcontainer unter der Erde? Abfall-System könnte zur Realität werden

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Oben bleibt’s sauber, der Müll verschwindet durch Schächte unter die Erde. Die Abfallentsorgung der Zukunft in Langen? KBL und Baugenossen sind bereit fürs Pilotprojekt, sofern die Politik grünes Licht gibt. 

Wohin mit Abfall und Dreck? Die Frage treibt kommunale Verwaltungen und Entsorger um. In Langen möchten Betriebe Abfall-Unterflursysteme zum Standard machen. 

Langen – Maßgeblich sind stets die Kosten, bestenfalls lassen sich Optimierungspotenziale in den Entsorgungsabläufen realisieren und wenn’s richtig super läuft, hat auch das Stadtbild was davon. Auf der Suche nach der Eier legenden Wollmilchsau für den Müllsektor wollen die Kommunalen Betriebe nun einen neuen Pfad beschreiten: Ab unter die Erde mit dem Müll!.

Der KBL-Betriebsleiter und Stadtwerke-Chef Manfred Pusdrowski hat das System im Bretagne-Urlaub kennen und schätzen gelernt – „bei unseren Nachbarn ist es gang und gäbe ...“ – und mit der Baugenossenschaft Langen steht ein hochinteressierter Partner Gewehr bei Fuß. Gute Voraussetzungen für das Pilotprojekt, das den sperrigen Namen „Unterflursysteme“ trägt. Im Prinzip verbirgt sich dahinter nix anderes als unterirdische Müllcontainer.

Langen: Müllcontainer unter der Erde - "Unsichtbar und Geruchsarm"

Die Idee ist simpel: Wohnhäuser werden mit in der Erde versenkten Containern ausgestattet. In jenen lässt sich der anfallende Hausmüll sammeln, unsichtbar und geruchsarm. Eingeworfen wird der Müll natürlich an der Oberfläche – in Schächte, die auch weiterhin die Trennung nach Rest-, Bio- und Papierabfall ermöglichen. „Oben spart man so Platz und bekommt einen ganz anderen, ansprechenden Guck, wo man heute gerne mal überquellende Behälter sieht“, fasst Pusdrowski auf der Hand liegende Vorteile zusammen.

Ein Unterflurbehälter könne bis zu vier der derzeit gängigen konventionellen Müllcontainer ersetzen, schildert der KBL-Betriebsleiter. „Gerade für Wohnanlagen kann das enorme Verbesserungen bringen.“ Und da kommen die Baugenossen ins Spiel. „Das Unternehmen ist auf die KBL zugekommen, mit der Frage, ob wir uns eine Kooperation zur Realisierung eines Unterflursystems in deren Sanierungs- und Neubaugebiet im Nordend zwischen Anna- und Sofienstraße vorstellen könnten“, so Pusdrowski.

Langen: Abfallsystem mit vielen Vorteilen - Keine Mülltonnen mehr rausstellen

Das kann man bei KBL glänzend, schließlich könnte es der Anfang einer Erfolgsgeschichte in großem Stil werden. Die Baugenossenschaft, die rund 1 800 Wohneinheiten in Langen zu ihrem Bestand zählt, könnte sich das Abfallsystem auch für ihr Hochhaus an der Feldbergstraße vorstellen. Der KBL-Chef wiederum malt sich aus, dass das neue System in den im Entstehen begriffenen Langener Neubaugebieten – etwa an der Liebigstraße – Einzug halten wird. Und was an Häusern geht, ist ebenso für öffentliche Plätze und Einrichtungen denkbar, was der Unterflur-Idee erst recht Charme verleiht.

Ohnehin lassen sich die Vorteile der neuen Abfuhrsystematik noch weiter spinnen. Über die ganz simplen Dinge hinaus – gute Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen, der Müll kann nicht in Brand geraten, ist vor Tieren aller Art geschützt, niemand muss mehr Mülltonnen rausstellen – lässt sich in Verbindung mit moderner Technik weiterer Nutzen generieren: Die Einwurfsäulen sind abschließbar. Hat jeder Nutzer einen Schlüssel beziehungsweise Chip, ist unbefugter Müllentsorgung – leidiges Thema der Gegenwart – ein Riegel vorgeschoben. Füllstandssensoren in den Containern geben permanent Aufschluss, wann ein Müllauto zur Leerung losgeschickt werden sollte – das Ende des (lästigen) Denkens in Abfuhrintervallen.

Die Abfallentsorgung der Zukunft in Langen? Neue Infrastruktur nötig

Ein neues System setzt jedoch neue Infrastruktur voraus. Um die vorzugsweise in gemauerte oder betonierte Wannen eingelassenen Metallcontainer zu leeren, sind neue Fahrzeuge nötig. „Da muss unser jetziger Bestand passen“, weiß Pusdrowski. Gebraucht werden Spezialfahrzeuge mit Kran, die die Behälter samt Einwurfsäule an den Haken nehmen und aus den Schächten ziehen. Die KBL planen, im kommenden Jahr ein solches Gefährt zu kaufen, das mit etwa 200 000 Euro zu Buche schlägt, so Pusdrowski. „Alternativ kann es auch darauf hinauslaufen, dass wir die Ausstattung bei einem externen Dienstleister anmieten.“

Wie auch immer: „Das Ganze startet als Feldversuch. Wir möchten in Langen gerne den Weg frei machen für Unterflursysteme – in der Hoffnung, dass dieses System sich etabliert – wie es im Ausland und in manch deutscher Stadt schon der Fall ist“, schließt der KBL-Chef. Die Abfallgebühren für die neuen Behälter würden sich im Übrigen an der bisherigen Gebührenstruktur orientieren.

Wie jeder Eingriff im Abfallwesen, führt auch dieser neue Pfad zunächst über eine Änderung der Abfallsatzung der Stadt Langen. Die KBL-Betriebskommission hat dafür mit einer Vorlage die Weichen gestellt, diese wurde vom Magistrat bereits befürwortet. Am kommenden Dienstag, 12. November, berät darüber der Haupt- und Finanzausschuss, ehe am Donnerstag, 5. Dezember, die Stadtverordnetenversammlung entscheidet.

VON HOLGER BORCHARD

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