Die langsame Genesung

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Ist das Offenbacher Klinikum selbst ein Fall für die Notaufnahme? Die Verantwortlichen sagen Nein. Das Krankenhaus kann unter kommunaler Regie gesunden.

Offenbach ‐ Der Regierungspräsident (RP) will es spätestens im Juni im Detail wissen: Wie steht es mit der Sanierung der Klinikfinanzen? Von dem, was ihm die Geschäftsleitung und Stadtkämmerer Michael Beseler vorlegen werden, kann abhängen, in welcher Form die Einrichtung am Starkenburgring weiterbetrieben wird. Von Thomas Kirstein

Bleibt sie, wie politisch immer wieder beschworen, kommunal unter Einbeziehung von Partnern in einem Verbund, der sich finden muss. Oder wird der Regierungspräsident eine Privatisierung, sprich: den Verkauf, verfügen, weil sich abzeichnet, dass die Defizite aus eigener Kraft nicht mehr zu bewältigen sind. „Der Regierungspräsident will verhindern, dass noch mehr Geld in ein Projekt gesteckt wird, das scheitern kann, deshalb begleitet er es sehr eng“, erläutert der Kämmerer. Der Sozialdemokrat ist gleichwohl zuversichtlich, dass die finanzielle Gesundung gelingen wird. Immer noch schreibt das Klinikum rote Zahlen, allein für 2010 wird mit einem zweistelligen Millionenbetrag gerechnet. Zur aktuellen Lage sagt Michael Beseler: „Im Moment läuft’s ganz vernünftig.“

Aber die weitere Entwicklung wird nicht nur in Offenbach beeinflusst. Wie ein Damoklesschwert hängt die Gesundheitsreform über den Krankenhäusern. „Wenn der Gesundheitsminister drei Prozent einsparen will, werden etliche Kliniken umfallen“, schätzt der Kämmerer. Offenbachs Krankenhaus ist an sich nicht gefährdet. Es kann sich aber die Frage der Trägerschaft stellen.

Zu viele Überweisungen nach Frankfurt

Michael Beseler nennt örtliche Baustellen, die abzuarbeiten sind. „Der Deckungsgrad könnte größer sein“, sagt er und übt Kritik an manchen örtlichen Ärzten: „Die überweisen noch zu viele Patienten nach Frankfurt, auch wenn das medizinisch gar nicht notwendig wäre.“ Stärkerer ärztlicher Lokalpatriotismus soll also die Krankenhauskasse klingeln lassen.

Das Klinikum selbst soll seine interne Organisation verbessern. „Das beginnt ganz vorne. Wie wird der Patient empfangen, wie schnell geht es in der zentralen Notaufnahme.“ Einzelne Unter-Kliniken seien hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit zu optimieren. „Es ist politischer Wille, die Kosten zu drücken“, sagt Michael Beseler. Das geht auch in Richtung des Personals, das sich in den vergangenen Jahren mit Gehaltseinbußen über Sanierungstarifverträge an der Gesundung der Klinikfinanzen beteiligt hat.

Erste Trends für 2011 sind positiv

Ein Stellenabbau wird wohl dennoch unumgänglich sein. „Wir führen diese Diskussion sehr offen“, sagt der Kämmerer. Allerdings sei sie nichts Neues. Schon 2003 bei der Debatte über die Notwendigkeit eines Klinikneubaus sei der Wegfall von 150 Stellen Thema gewesen: „Schließlich ist unter dem Grundsatz gebaut worden, dass es wirtschaftlicher werden muss.“ Dabei geht es nicht um den Pflegebereich. Wo es direkt den Patienten betrifft, besteht das Problem eher darin, qualifiziertes Personal zu finden. Aber bei Reinigung etwa und technischem Dienst könnte im Neubau gespart werden.

Keine Angst vorm Regierungspräsidenten hat Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer der Klinik GmbH. „Die Halbjahresbilanz, die er will, geben wir gerne ab“, sagt er, „die ersten Trends 2011 sind positiv.“ In den ersten drei Wochen des Jahres wurden 160 Patienten mehr als im Vorjahreszeitraum gezählt. Das lasse als kleines Indiz ebenso hoffen wie eine sich abzeichnende steigende Beliebtheit des Eltern-Kind-Zentrums im Neubau, meint Schmidt. Kamen 2009 rund 900 Kinder am Starkenburgring zur Welt, waren es 2010 schon 1185.

„Der Tanker bewegt sich in die richtige Richtung“

Ansonsten war das vergangene Jahr ein schwieriges, eins mit tiefroten Zahlen, die der Chef noch nicht nennen mag. Der mehrfach verschobene Umzug in den Neubau hat ebenso wie die Behebung diverser Baumängel dazu beigetragen, dass besonders im ersten Halbjahr deutlich weniger Patienten aufgenommen werden konnten. 2011 soll das wieder anders werden. Am Ende des Jahres will Klinik-Geschäftsführer Schmidt in der Bilanz eine „rote Null“ sehen – dass sich also das eigentliche Geschäft selbst trägt. Für die millionenschweren Zinszahlungen und Tilgungen für den Neubau wird es jedoch noch nicht reichen. Das hat sich Schmidt als Ziel für die Folgejahre gesetzt.

Im vergangenen Jahr hat der RP der Stadt zugestanden, dem Klinikum auf Stadtverordnetenbeschluss 30 Millionen Euro für die Tilgung von Altlasten und die Deckung von Engpässen zur Verfügung zu stellen. Der Neubau hat 160 Millionen Euro gekostet, die aufgenommen werden mussten. Für den Abriss des alten Zentralbaus sind noch mal 8 Millionen Euro zu veranschlagen. Als 2005 der städtische Eigenbetrieb Klinikum in eine GmbH umgewandelt wurde, erbte die neue Konstruktion die erheblichen alten Verluste. Das waren aufgelaufene Defizite, Pensionslasten und nicht zuletzt die 10 Millionen, die das ursprünglich mit 6 Millionen veranschlagte Rebentisch-Zentrum teurer geworden war.

Die Eigenkapitalerhöhung bringt dem Klinikum nun eine jährliche Zinsersparnis von einer Million Euro. Der Rest des Defizits, fürs vergangene Jahr auf 10 Millionen geschätzt, muss betriebswirtschaftlich ausgeglichen werden. Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt ist optimistisch: „Der Tanker bewegt sich aus meiner Sicht in die richtige Richtung.“

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