Lastenrad versorgt Senioren mit Infos

Helfer auf zwei Rädern

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Nachbarschaftshilfe mit Köpfchen: Die Technik-Lotsen der Caritas helfen Senioren, wenn diese Schwierigkeiten mit Formularen haben, aber auch mit Gerätschaften für den Alltag.

Offenbach - Es sind die einfachen Dinge, die einem das Leben im Alter schwer machen können. Zum Beispiel wenn die Beweglichkeit nachlässt und man Schwierigkeiten hat, sich die Haare am Hinterkopf zu kämmen. Von Rebecca Röhrich

„Viele ältere Menschen wissen nicht, dass es tolle Erfindungen gibt, die helfen können“, erzählt Ingrid Wittfeld, Leiterin des Projekts „Aktiv Altern im Lauterborn“ der Caritas. „Mit unseren Technik-Lotsen wollen wir eine Informationsbrücke zwischen den Senioren und der modernen Welt sein“, so Wittfeld. Das Problem mit dem Kämmen lasse sich wunderbar mit einer verlängerten Bürste lösen. Technik-Lotsin Angela Michels zeigt eine Lupe mit Licht. „Die benutze ich immer.“ Sie gehört zu den insgesamt neun Menschen, die sich ehrenamtlich als Technik-Lotsen engagieren.

Die Lotsen, alle selbst im gesetzteren Alter, helfen den betagten Herrschaften auch beim Ausfüllen von Formularen, begleiten sie zum Arzt oder ins Krankenhaus. Dafür hat jeder eine Fortbildung durchlaufen, bei der er auch in den psychologischen Aspekten dieser Arbeit geschult wurde. Laut Caritas sind von den 12.000 Einwohnern, die in dem Stadtteil leben, 21 Prozent älter als 65 Jahre. Im Vergleich zu den vielen alten Menschen erreiche man verhältnismäßig wenig von ihnen, erzählt Wittfeld. Deshalb hat die Projektleiterin aus Spenden ein Lastenfahrrad (Bakfiets) angeschafft, mit dem die Lotsen durchs Quartier radeln können. Mit im Gepäck: Technische Hilfsmittel wie die spezielle Haarbürste oder die Lupe, die die Rentner vor ihrer Haustür ausprobieren können.

„Das sind alles Kleinigkeiten“, sagt Michels und zeigt eine Knöpfhilfe, die das Zuknöpfen von Kleidung erleichtern soll. „Die Sachen kosten zwischen 10 und 30 Euro“, so Michels. Aber es geht bei dem Projekt nicht nur um pragmatische Alltagshilfen, sondern auch um Kontakt. Immer mehr alte Menschen seien alleinstehend und würden ohne die Nachbarschaftshilfe vereinsamen. Das Bakfiets soll darauf aufmerksam machen, dass es eine Anlaufstelle jenseits behördlicher Institutionen gibt. Dass es Menschen gibt, die ehrenamtlich helfen und Spaß dabei haben. „Es hält mich selbst fit“, sagt Michels, die Frührentnerin ist. Sie würde sich freuen, wenn noch mehr Senioren auch die Sprechstunden montags von 15 bis 17 und donnerstags von 10 bis 12 Uhr besuchen würden.

Seit dem Start des Lotsen-Programms 2013 hilft auch Jeronim Javorovic als Technik-Lotse Senioren in Lauterborn bei der Bewältigung von Alltagsproblemen. „Meistens montiere ich Lampen“, sagt der 70-jährige gelernte Elektriker. „Ich bin selbst vor 45 Jahren aus Kroatien nach Deutschland gekommen und habe viel Hilfe bekommen“, so Javorovic. Er freue sich, etwas zurückgeben zu können. Damit der fahrende Informationsstand und sein praktisches Gepäck in Lauterborn bekannt werden, macht es im Lauf der kommenden Wochen immer wieder Station in einzelnen Gegenden des Stadtteils. Finanzielle Unterstützung erfährt das Projekt „Aktiv Altern in Lauterborn“ vom Land Hessen, den Pflegekassen und durch Spendenaktionen.

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