Laster-Ärger im Wohnviertel

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Hier gilt „Nur für Pkw“ – gemietete Kastenwagen dieser „Servicepartner der Deutschen Post“ haben dort nichts verloren.

Offenbach - Parkplätze in reinen Wohngebieten werden zunehmend rar, die Straßen dort zeichnen sich selten durch großzügige Breite aus. Von Thomas Kirstein

So lässt der Ärger von Anwohnern nicht lange auf sich warten, wenn als Eindringlinge betrachtete gewerbliche Nutzfahrzeuge in größerer Zahl die begehrten Abstellflächen blockieren und Fahrbahnen verengen. Um Klagen laut werden zu lassen, ist nicht einmal ein sperriger Doppelpack aus zwei gegenüber abgestellten DHL-Kastenwagen nötig, wie ihn Leser Christian D. in Bieber dokumentiert hat. Parkraum ist auch an der mit eigenheimen bebauten Peripherie der Stadt zu einem knappen Gut geworden, seit fast jeder Haushalt zwei oder bisweilen drei Autos unterbringen muss.

Beschwerden dieser Art gehören also seit geraumer Zeit zum Alltag in Offenbachs Straßenverkehrsbehörde. Leiter Rainer Buck bestätigt: „Es nimmt überhand, dass Fahrer ihre Sprinter und auch schwerere Lastwagen mit nach Hause nehmen.“

Fahrer als Selbstständige

Es stören also meist nicht Fremde, sondern Nachbarn, die ihre Arbeitsgeräte nicht nur vors eigene, sondern auch vors fremde Hoftor, bisweilen auch wenig rücksichtsvoll vor Schlaf- oder Wohnzimmerfenster fahren. Manche Firmen gestatten das ihren Angestellten durchaus gern, weil es ihnen das Vorhalten von Abstellfläche erspart. Das Problem verschärft jedoch der Umstand, dass immer mehr Fahrer als Selbstständige verpflichtet werden und somit nach Feierabend ihre Betriebsmittel irgendwo unterbringen müssen. Dies war, auch wenn es anders wirkte, bei den DHL-Wagen in Bieber der Fall.

Stefan Heß, regionaler Sprecher der Post-Tochter, erläutert, dort geparkt hätten eigenständige „Servicepartner der Deutschen Post“: Subunternehmer, welche die gelben DHL-Kastenwagen mieten und auf eigene Rechnung fahren. Die benötigten ihre Autos oft auch an Wochenenden, sagt Heß. Das klassische, vom Festangestellten gesteuerte Postauto hingegen muss abends zum Zustellstützpunkt – in Offenbach an der Marien- oder an der Sprendlinger Landstraße.

Parkschilder „Nur für Pkw“

Die Stadt reagiert bei sich häufenden Hinweisen aus einzelnen Wohnvierteln, indem sie die Parkschilder durch die Einschränkung „Nur für Pkw“ – die Silhouette eines Kompaktwagens auf weißem rechteckigem Grund – ergänzt. Wo die DHL-Laster standen, ist das der Fall, sie hatten dort nichts verloren.

Ruhe bringt die Beschränkung aber nicht. Rainer Buck weiß längst: „Ein Kampf gegen Windmühlen, das gibt nur einen Verdrängungsprozess in die benachbarten Straßen – und dann geht’s immer weiter so.“ Wenn sich denn überhaupt die Personenwagen-Regelung durchsetzen lässt: Denn bei vielen Lieferfahrzeugen ist nicht sofort ersichtlich, als was sie rechtlich betrachtet auf der Straße unterwegs sind. Die Grenzen von 2,8 Tonnen für Pkw beziehungsweise 3,5 Tonnen für „schwerere Pkw und Transporter“ sind auch vom geschulteren Auge kaum zu kontrollieren.

Gedanken über die andere Seite

„Unseren Leuten bleibt hin und wieder nichts anderes übrig, als das Nummernschild aufzuschreiben und anhand der Zulassung zu überprüfen, um was es sich handelt“, weiß Jens Teschner vom Ordnungsamt über die Schwierigkeiten, denen sich seine Stadtpolizisten bisweilen gegenübersehen.

Bei der Stadt macht man sich auch Gedanken über die andere Seite: Wo sollen die Kleinunternehmer des Transportgewerbes denn mit ihren Fahrzeugen hin? Buck weist auf Stellen hin, die sich dank städtischer Großzügigkeit eignen und genutzt werden: etwa die Buswendeschleife am Stadion außer an Heimspieltagen, die Seitenstreifen entlang des südlichen Rings und in Höhe des Neuen Friedhofs (dort jedoch nicht an Markttagen).

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