Warum einfach, wenn´s eng geht

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Schon jetzt ist es bisweilen sehr heikel im Großen Ahl. Bei den Anliegerfirmen sieht man schwarz, wenn noch Abbruchlaster hinzukommen sollen.

Offenbach - Im Großen Ahl herrscht große Aufregung. Geschäftsführer der von der Mühlheimer Straße abzweigenden Gewerbestraße ahnen Verkehrschaos und gefährliche Situationen, wenn die Stadt ihre bisherige Planung weiterverfolgt. Von Thomas Kirstein

Obwohl für eine sich in der Nähe neu ansiedelnde Abbruchfirma eine unproblematische Zufahrt vorhanden wäre, sollen sich deren schwere Laster durch den bereits stark belasteten Großen Ahl mühen.

Gemeinsam wenden sich die besorgten Firmen mit einem Brief an Oberbürgermeister, Wirtschaftsförderung und Verkehrsamt, um Nachteiliges abzuwenden und die naheliegende bessere Lösung einzufordern.

Winfried Schultheis von der Maschinenfabrik Vibra formuliert im Namen der Klimaberatung Rolf Nagel, des Karosserie- und Lackierzentrums Nagel, der Dreherei Wilhelm Mohr und von Karosseriebau Halfar. Nicht unterzeichnend, aber ebenfalls betroffen ist die städtische Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungs GmbH (GOAB), die dort ihre Warenannahme betreibt.

Die Zeller-Brummis sollen dort nicht fahren dürfen

Unfreiwilliger Auslöser der Problematik ist das durchaus im Großen Ahl gern als neuer Nachbar begrüßte Offenbacher Abbruchunternehmen Robert Zeller, das seinen Betrieb von der Bieberer Straße auf ein 17.000 Quadratmeter großes, von der Stadt erworbenes Grundstück nahe der Mühlheimer Straße verlagert. Über den Brielsweg wäre das Areal ganz einfach auf dem kürzesten Weg zu erreichen und wieder zu verlassen. Die wegen der Anlieferung für Märkte auf dem ehemaligen Thorer-Gelände installierte Ampel würde das Abbiegen in die Mühlheimer deutlich erleichtern.

Doch die Zeller-Brummis sollen dort nicht fahren dürfen. Sie müssen nach der bislang geltenden städtischen Vorgabe durch den Großen Ahl manövrieren. „Das gibt eine Katastrophe für die Anlieger“, fürchtet Vibra-Chef Schultheis, wie seine Nachbarn nicht in die Verkehrsplanung eingebunden.

Die Argumente gegen eine Erschließung des Zeller-Areals über den Großen Ahl: Es gibt seit jeher hohe Verkehrsdichte; es besteht reger innerbetrieblicher Werkverkehr besonders mit Gabelstaplern zwischen von der Straße getrennten Firmenteilen; schon jetzt Behinderungen durch sich begegnende Lastzüge, die zudem teils auf der Straße beladen werden müssen – besonders Vibra benötigt des Öfteren Schwertransporte; mangels Ampel führt das Linksabbiegen in die Mühlheimer regelmäßig zu Rückstaus und birgt Unfallgefahr; die Ausfahrt vom Zeller-Gelände ist ein einschließlich Bürgersteig nur 6,60 Meter breiter Schlauch. „Das Chaos wäre programmiert“, befürchtet Schultheis.

Befürchtung, mit Klagen überzogen zu werden

Auch der Firma Zeller wäre die andere Lösung viel lieber. „Der wenig befahrene Brielsweg ist eine super ausgebaute Straße, mit der Ampel eigentlich eine Musterlösung“, findet Robert Zeller. Wenn der Umzug von der Bieberer Straße Ende des Jahres vollzogen ist, werden morgens und abends dort um die 25 Zeller-Lkw verkehren.

Warum eng, wenn’s einfacher ginge: Schuld sei der Bebauungsplan, erläutert Stadtsprecher Matthias Müller. Jener enthalte wegen früherer Vorstellungen über die Nutzung des Areals die Vorgabe, dass ein dortiger Gewerbe-Bau die im Gewerbegebiet vorhandene vereinzelte Wohnbebauung von Lärm abschirmen müsse.

Das interpretieren die Verkehrsplaner momentan offenbar als Gebot, Lkw-Lärm von den Häusern am Brielsweg fernzuhalten. Zudem besteht die Befürchtung, bei einer anderen Regelung mit Klagen überzogen zu werden. Dennoch soll die Erschließung des Zeller-Geländes nochmal auf den Prüfstand, nachdem sich die Anlieger im Großen Ahl und die Zeitung eingeschaltet haben. „Es muss auch überprüft werden, welches Gefährdungspotenzial besteht“, kündigt Stadtsprecher Müller an.

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