Lateiner servieren Römisches

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Wie immer, wenn das Wetter stimmt: Bei der Jazzmatinee von Leibniz- und Fröbelschule füllt sich der Büsinghof.

Offenbach - „Der Himmel hat es gut gemeint. Wir hatten mal wieder ein super Wetter, wie stets in den letzten Jahren“, strahlte Leibnizschul-Lehrer Michael Ludwig am Samstagnachmittag. „Aber ich bin mächtig durchgeschwitzt und verqualmt. Von Claus Wolfschlag

Deshalb freue ich mich auf die Badewanne. “ Ludwig stand stundenlang in den Ausdünstungen von Grillwürstchen und Holzkohle. Doch was tut man nicht alles gern für die Jazzmatinee im Büsinghof.

Vor 24 Jahren begründeten Leibnizschule (Gymnasium) und Fröbelschule (für Praktisch Bildbare) ihre Zusammenarbeit. Laut Leibniz-Direktor Christoph Dombrowski war Ziel, gegenseitigen Respekt aufzubauen. Detlef Kohsow, führender Organisator der Jazzmatinee: „Den Gymnasiasten soll vermittelt werden, dass es nicht nur die Sonnenseite des Lebens gibt. Und die Fröbelschüler müssen lernen, mit nichtbehinderten Kindern umzugehen.“ Seitdem unternehmen Schüler beider Einrichtungen gemeinsam Ausflüge, Besichtigungen, besuchen Bildungsveranstaltungen und Konzerte.

Fotos von der Jazzmatinee

Jazzmatinee der Leibniz- und Fröbelschule

Um Geld dafür zu erwirtschaften, wurde vor 22 Jahren die Jazzmatinee ins Leben gerufen. Mit verantwortlich zeichnet der engagierte „Förderkreis Leibnizschule“. Dessen Schriftführer Dr. Thomas Lanio, ein Leibniz-Abiturient, zeigte sich zuversichtlich, dass auch dieses Jahr die nötigen 20 .000 Euro aus dem Fest generiert werden können. „Wir sind absolut zufrieden. Der Büsinghof ist gut besucht, auch von vielen Gästen, die nicht aus den beiden Schulen stammen.“

Vorstandsvorsitzender Thomas Frühauf ergänzte euphorisch: „Das ist nicht nur ein Schulfest, sondern ein Offenbacher Bürgerfest, der Büsinghof ist voll, alles wird fantastisch angenommen!“ Was er bedauert: „Die überwiegende Zahl der Kinder in den unteren Klassen der Leibnizschule hat mittlerweile einen Migrationshintergrund. Die Kinder sind heute da, die Eltern aber nicht.“

An 25 Ständen verkauften die Schulklassen ihre Erzeugnisse. Kuchen, Bagels, Salate oder Fruchtcocktails waren im Angebot der kulinarischen Genüsse. Die 6. Lateinklasse der Leibnizschule hatte zudem römisches Essen zubereitet: Blätterteig mit Thunfisch, Fleischklößchen und den Pudding „Birnen-Patina“. „Alles nach Originalrezept hergestellt“, versicherte Schüler Simon.

Buntes Musikprogramm

Außerdem konnte man „Fair Trade“-Taschen kaufen, Shirts oder eine Schülerzeitung. Die Nachmittagsbetreuung der Leibnizschule hatte unter anderem schmuckvolle Lesezeichen und Teelichter hergestellt. Es bestand zudem die Möglichkeit zum Selbstgestalten von Ansteckern, zum Roulette-Spiel oder Kinderschminken. Alle Erlöse gehen in die Kasse des Förderkreises. Zudem gab es Unterstützung durch mehrere Firmen, unter anderem die Frankfurter Wirtschaftsprüfer-Gesellschaft Heim & Honermeier als Hauptsponsor.

Für das musikalische Programm sorgten verschiedene Gruppen, darunter die Schulband der Leibnizschule, die Frökis der Fröbelschule und erwachsene Freizeitmusiker, die persönlichen Bezug zu den Schulen aufweisen.

Weshalb man die für Schüler ungewöhnliche Sparte der Jazz-Musik bevorzugt, erklärte Thomas Lanio: „Jazz ist mit behinderten Kindern recht leicht einzuüben. Daher stammt die Idee zu dieser musikalischen Grundausrichtung des Nachmittags.“ Und da das technische Equipment bereits aufgebaut war, glitt die Veranstaltung ab 18 Uhr zum dritten Mal auch in ein Abendprogramm über, das der Jazz e.V. diesmal mit der Band Backroots organisiert hatte. Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspormuseums, hatte sich zudem für das literarische Dessert zu später Stunde vorbereitet. Er las Geschichten von Paul Stein, dessen Nachlass 2004 übernommen wurde. Dazu gab es Schriftkompositionen und Bilder aus seinen Tagebüchern auf der Leinwand.

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