Hochschule für Gestaltung: Umzug 2020

Der Lauf ins Übermorgen

Horst Schneider und Eva Kühne-Hörmann erhielten je eine HfG-Geburtstagstorte, einmal mit dem Motiv der Hafeninsel, einmal mit dem des Isenburger Schlosses. Sie symbolisieren Aufbruch und Abschied. Foto: Georg

Offenbach - . Lange nicht jede Kulturveranstaltung in Offenbach hat das Glück, unter Platzmangel zu leiden. Von Claus Wolfschlag

Die Hochschule für Gestaltung (HfG) aber muss halbleere Reihen nicht fürchten. Und zum Neujahrsempfang der Kreativ-Institution strömten sogar so viele Menschen, dass die Stühle in der Aula des Eberhardbaus nicht reichten.

Immobilieninvestor Ardi Goldman, der die ehemalige Frankfurter Diamantenbörse für die Ausstellung „Coop 6“ zur Verfügung stellt. Ex-Staatsminister Udo Corts. Staatssekretär Horst Westerfeld. Hilmar Hoffmann, Frankfurts legendärer einstiger Kulturdezernent... HfG-Präsident Bernd Kracke hatte eine lange Gruß-Liste.

Und dabei ist Kracke eher ein Visionär, was er mit seiner Rede auch verblüffend deutlich herausstellte. Er erwähnte die ältere Geschichte der Hochschule ab 1832 und die jüngere unter ihrem jetzigen Namen ab 1970. Er dankte den Menschen, die 1970 den Weg zur staatlichen Hochschule geebnet hatten, und jenen, die diesen Weg mitgegangen sind. Doch lange hielt er sich nicht mit der Historie auf und richtete seinen Blick und den seiner Gäste lieber nach vorne.

Ein Datum zum Festhalten: 2020 soll die HfG auf die Hafeninsel ziehen. Kracke begrüßte diese Grundsatzentscheidung des Landes, die auf seiner anfangs belächelten Idee fußt. „Ein schöneres Geschenk zum 40. Geburtstag hätte es nicht geben können“, sagte er.

Doch Kracke blieb keinesfalls beim mittelfristigen Ziel stehen. Er entwarf das Bild eines „Kreativstandorts Offenbach“ entlang des Nordrings. Schon heute zeige das Areal mit MTW, Robert-Johnson, Ölhalle und Hafen2 Ansätze einer subkulturellen Verlängerung der Frankfurter Kulturszene. Für die fernere Zukunft beschrieb Kracke ein Nordend aus Künstlerlofts und Studentenwohnheimen im „brodelnden Hotspot“ des Hafenareals. 360-Grad-Kino, experimentelle Bühne als Außenstelle des Schauspiel Frankfurts, Kneipen- und Gastroszene... Es werde ein internationaler Magnet entstehen, nur 10 Minuten vom Wilhelmsplatz und 20 Minuten vom Flughafen entfernt.

Bis der HfG-Neubau 2015 starten soll, ist aber erst mal das Einrichten in der Zwischenzeit nötig. Neue Räume sind nötig, etwa in der Geleitsstraße oder in der Kirchgasse. Bis Oktober wird im Westflügel der Schule eine neue Caféteria eingerichtet. Hinzu kommt die Neugestaltung des Schlossplatzes. „In einem Jahr sind wir gut gerüstet für die Übergangszeit“, glaubt Kracke.

Sein sympathischer Größenwahn, seine überbordenden, aber voller Ernst vorgetragenen Phantasien verschlugen offenbar selbst Oberbürgermeister Horst Schneider die Sprache. Fast jedenfalls. Auch er zeichnete die Geschichte der Institution nach. Und er sicherte der HfG auf dem Lauf ins Übermorgen „mehr als wohlwollende Begleitung“ zu. Immerhin sei die Stadt der Grundbesitzer und hoffe deshalb auf gute Kaufangebote vom Land.

Nach Einschätzung der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, können die Verhandlungen in den nächsten sechs Monaten abgeschlossen sein. In ihrem Grußwort betonte sie den besonderen Stellenwert der HfG und die Chance der Hafeninsel als Kreativstandort.

Wolfgang Kappus berichtete aus dem Förderverein „Freunde der HfG e.V.“ Als Zusatzprogramm wurde der abstrakte Experimentalfilm „Tanz der Farben“ von Hans Fischinger aus dem Jahr 1939 vorgeführt.

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