Lautlos zum Müll

Hinten rund statt eckig: Auf den ersten Blick ähnelt das für Offenbach und Umgebung erste Hybrid-Müllauto, das gestern auf dem Gelände des Stadtdienstleisters ESO gezeigt wurde, eher einem Betonmischer.

Offenbach ‐ Das dumpfe Klappern des Deckels, der bei der Leerung gegen die Mülltonne prallt, wird auch künftig zu hören sein – daran ändert auch die modernste Technik nichts. Von Barbara Hoven

Trotzdem ist der Tross der Stadtoberen gestern bei der Präsentation von Offenbachs erstem Hybrid-Müllauto mächtig stolz. Umweltfreundlicher soll es sein, sparsamer, vor allem aber deutlich leiser als ein herkömmliches Müllfahrzeug. „Rundum positiv“, findet Markus Patsch, Geschäftsführer des Stadtdienstleisters ESO, das. „Damit leistet das Fahrzeug einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung der Lebensqualität in unserer Stadt.“

Wer das neue Müllauto aus der Nähe betrachten will, hat dazu am Samstag, 19. Februar, auf dem Aliceplatz Gelegenheit. Von 11 bis 14 Uhr informieren ESO-Mitarbeiter übers neue Fahrzeug und weitere E-Mobilitätsprojekte.

Das Müllauto ist aufgrund der Hybridtechnologie mit Akkus zum elektrischen Antrieb ausgestattet, außerdem mit einem 290 PS starken Dieselmotor. Dieser liefert die Energie fürs Anfahren, die Sammelstrecke von Tonne zu Tonne legt das Müllauto dann elektrisch zurück. An die Steckdose muss es dafür aber abends nicht. Bei jedem Halt an der Mülltonne laden sich die hinter dem Führerhaus eingebauten Akkus mit der beim Bremsen gewonnenen Energie wieder auf. Vereinfacht gesagt: Beim Fahren wird Strom verbraucht, beim Bremsen Strom gewonnen und beim Halten Strom geladen. „Dieses Prinzip ist in der Innenstadt, wo die ESO-Mitarbeiter nur kurze Strecken von Tonne zu Tonne fahren, besonders effektiv“, erklärt Patsch.

In zwei Wochen soll es rollen

310.000 Euro investiert der ESO in „unser neues Schmuckstück“ (Patsch), der Bund steuert gut 100.000 Euro bei. Zum Vergleich: Das konventionelle, ebenfalls neue Müllauto mit Dieselantrieb, das auch angeschafft wurde „um die Werte vergleichen zu können“, hat 190.000 Euro gekostet. 15 Dezibel leiser als seine dieselbetriebenen Artgenossen soll das Hybridfahrzeug dafür sein, gut 30 Prozent weniger CO2-Emission verzeichnen, 33 Prozent weniger Sprit verbrauchen. „Geld sparen wir damit aber nicht, allein wegen der hohen Investitionskosten“, sagt Patsch.

Spätestens in zwei Wochen soll das neue Vorzeige-Fahrzeug durch die Stadt rollen, um die grauen Restmülltonnen zu leeren. „Wir sind sehr gespannt, was die Fahrer berichten werden“, verrät Volker Lampmann, Leiter der bei der Stadtwerke Offenbach Holding angesiedelten Leitstelle Modellregion Elektromobilität Rhein-Main.

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