Die lautlose Zukunft im Selbstversuch

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Vorfreude aufs elektromobile Radeln(v. l.): Oberbürgemeister Horst Schneider, SOH-Chef Peter Walther, Ministerin Eva Kühne-Hörmann und Leitstellen-Leiter Volker Lampmann.

Offenbach ‐ Einige ohne Helm, dafür alle bester Laune. Die Sonne lacht vom Himmel und die nächste Rast in der Gerbermühle ist fest eingeplant: Irgendwie erinnert der Anblick gestern Mittag an den, sagen wir mal: Radausflug eines Kegelclubs. Von Matthias Dahmer

Wären da nicht die erst auf den zweiten Blick erkennbar anderen Fahrräder, auf denen eine hessische Ministerin samt Tross und die Stadtoberen durch Offenbach rollen. Sie alle probieren aus, wie es so funktioniert, das schweißlose Radeln light auf einem Drahtesel mit Stromunterstützung.

„Erlebnis Elektromobilität - vom Labor auf die Straße“ ist die Sommertour von Eva Kühne-Hörmann (CDU), Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, überschrieben. Das Gelände der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) an der Senefelder, wo die „Projektleitstelle Elektromobilität der Modellregion Rhein-Main“ sitzt, ist die zweite Station. Nachdem sie sich zuvor im Darmstädter Fraunhofer-Institut angeschaut hatte, wie es um die Forschung auf dem Gebiet bestellt ist, gibt’s in Hessens Hauptstadt der Elektromobilität die Zukunft zum Anfassen und Ausprobieren. Hat doch die Leitstelle mit ihrem Chef Volker Lampmann fast alles aufgefahren, was derzeit so geht in Sachen lautlose und ökologisch korrekte Fortbewegung: Vom Elektro-Klapprad über den Stromroller und umgerüstete Serien-Pkw, die freilich gleich das Vierfache des üblichen Preises kosten, bis hin zum Branchen-Primus Tesla Roadster haben Firmen ihre Produkte zum Testen hingestellt.

Förderprogramm läuft bis Juni 2011

Bevor es jedoch losgeht mit den Pedelecs, den Elektrofahrrädern, die hybrid mit Elektromotor und Muskelkraft rollen, sind Worte des Lobes und der Hoffnung angesagt: Offenbachs Ober-Stromer Lampmann berichtet davon, dass seine Leitstelle aus dem 115 Millionen Euro schweren Förderpaket des Bundes 20 Millionen erhält, zwei Millionen davon können in Offenbach ausgeben werden. 16 Praxis-Projekte fördert die Leitstelle, zwei widmen sich der wissenschaftlichen Begleitung der neuen Technik.

Das Förderprogramm läuft bis Juni 2011. Bis dahin, so Lampmann, sollen 65 E-Autos, zehn Nutz- und Lieferfahrzeuge sowie 570 Pedelecs durch die Modellregion rollen. Tanken werden sie an 140 Ladestationen. Bürgermeisterin Birgit Simon weist darauf hin, dass sie zwar ständig auf ihr Elektro-Rad angesprochen werde, es aber für interessierte potenzielle Kunden kaum Gelegenheit gebe, die vielen Angebote rund um die Elektromobilität auszuprobieren. Deshalb plane die Stadt zusammen mit der EVO, auf dem Gelände des Energieversorgers Möglichkeiten zu schaffen, sich Fahrzeuge auszuleihen.

Ministerin Kühne-Hörmann betont, angesichts des großen Wettbewerbs in ganz Europa gelte es bis 2011 zu beweisen, „dass wir mithalten können und das Förderprogramm eventuell bis 2014 verlängert wird“. Allerdings müsse man nicht nur mit Technik, sondern auch mit dem Design die künftigen Nutzer überzeugen.

Oberbürgermeister Horst Schneider hofft, in Offenbach die Strukturen so hinzukriegen, dass bei der Elektromobilität auch ohne Förderung eine Wertschöpfung möglich ist. SOH-Chef Peter Walther kündigt an, der Stadtkonzern schaffe demnächst ein Müll-Hybrid-Fahrzeug und E-Autos für Kurierfahrten an.

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