Es lebe die Vielsaitigkeit

+
Ein Mann, viele Gitarren und diverse Projekte: Torsten Buckpesch ist experimentierfreudig und mischt in einer neuen Band mit.

Offenbach ‐ Oft ist es still in der Wohnung. Von belangloser Hintergrund-Berieselung hält Torsten Buckpesch absolut nichts. „Ich höre mir Musik bewusst an, alles andere mag ich nicht“, sagt er. Von Simone Weil

Auch von seinen Gitarrenschülern verlangt der etablierte Jazz-Gitarrist und gefragte Studiomusiker, dass sie mindestens eine Stunde lang akustisch abstinent waren, wenn sie zum Unterricht erscheinen. Jetzt gibt es neben den anderen Formationen, in denen der umtriebige und experimentierfreudige Offenbacher immer wieder mal live zu erleben ist, ein neues Projekt: „Skywalk" heißt die Band, mit der Musiker sich in Richtung „Modern R&B Blackmusic“ bewegt. Und mit Bewegung, genauer gesagt mit Musik, die in die Beine geht, hat das Ganze auch zu tun. Übrigens ist noch ein weiterer Musiker mit von der Partie, den viele Offenbacher kennen: Bassist Udo Kistner.

Vorgestellt werden die fünfköpfige Band um Sängerin Sheila Messina und die CD am Freitag, 26. März, im Frankfurter Musikclub Nachtleben an der Konstabler Wache. Zur Freude der Gruppe (aber zum Leidwesen derer, die jetzt Lust bekommen haben, hinzugehen) ist das Konzert nahezu ausverkauft. Bald sollen weitere Auftritte in der Region folgen.

Als kleines Trostpflaster mag erst einmal Buckpeschs Auftritt im Markthaus am Wilhelmsplatz dienen: am Samstag, 27. Februar, 21 Uhr. Dort allerdings stellt der Gitarrist wieder einmal seine Vielseitigkeit unter Beweis und spielt mit Harald Grünberg als Duo Lush Life eher „bluesorientiert“ und „unplugged“, also unverstärkt.

Bereits im Teenageralter öffentlich Auftritte

Klein angefangen hat der Gitarrist als Neunjähriger im Offenbacher Studio von Ruth Eichhorn. Bei ihr lernt er die Grundzüge des Instruments kennen. „Ich war am Anfang ziemlich faul“, gesteht er. Heute vermittelt der Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters Walter Buckpesch selbst sein Können: Zwei Tage pro Woche unterrichtet er im Studio für Gitarre an der Waldstraße. An zwei weiteren Tagen empfängt er seine Schüler im Alter zwischen sechs und 60 Jahren in den eigenen vier Wänden in Tempelsee.

Bereits im Teenageralter tritt der gelernte Schreiner öffentlich auf: Er holte sein Abitur an der Theodor-Heuss-Schule nach und hat bezahlte Engagements, seit er 18 ist. Mit seiner früheren Gitarrenlehrerin Ruth Eichhorn trifft er heute noch im Offenbacher Jazzquartett zusammen. Darüber hinaus spielt Buckpesch beim Jochen Kessler Quartett mit.

Mit Rolf Plaueln hat der 45-Jährige das 14Strings-Gitarrenduo gegründet. Die auf Formentera selbst gebauten Siebensaitergitarren erlauben es den beiden, ein völlig neues, virtuoses Klangbild zu präsentieren. Ein Percussionist ist inzwischen der Dritte im Bunde. Was entsteht, beschreibt der Künstler als „jazzorientiert, entspannt und gut hörbar“.

In unterschiedlichen Besetzungen spielt der Musiker auch bei Hochzeiten, Firmenveranstaltungen und anderen Anlässen. Das Repertoire reicht dabei vom klassischen Zigeunerjazz über Modern Jazz bis hin zum Blues. Der Gitarrist sieht diese Präsentationen pragmatisch: „Mit Engagements in reinen Musikclubs über die Runde zu kommen, ist ziemlich schwer. Aber die anderen Auftritte machen mir durchaus auch Spaß.“

Was ihn an der Gitarre so fasziniert? „Sie ist universell, ein Rhythmus- wie ein Soloinstrument.“ Darüber hinaus habe man über die Finger den direkten Kontakt mit dem Ton. Die Stunde, die er täglich übt, versteht Torsten Buckpesch als Erholung: „Das ist die Zeit, in der ich was für mich tue.“ Dabei entstünden immer neue Ideen, die seine Kreativität beflügelten.

Kräuterbeet hinterm Haus wird intensiv genutzt

Wichtig sei der Punkt, an dem man „den Mut aufbringt, seine Gefühle zu zeigen.“ Wenn es gelingt, dies zu transportieren, kann ein Konzert zu einem Erlebnis werden, meint der Saitenkünstler, der nichts auf seine Heimatstadt kommen lässt: „Ich empfinde Offenbach nach wie vor als eine tolle und lebendige Stadt.“

Entgegen aller Vorurteile und Witze über lang schlafende Musiker, ist Buckpesch, der beim BSC Volleyball spielt, bekennender Frühaufsteher und gern in der Natur unterwegs. Im Freien sammelt er alles, was in der Küche verwendet werden kann: Kräuter, Pilze, Beeren. Auch das Kräuterbeet hinterm Haus wird intensiv genutzt, weil der Vater einer 13-jährigen Tochter, die alle 14 Tage bei ihm zu Besuch ist, nicht nur für sie gerne kocht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare