Organspende im Klinikum

Mit dem Tod Leben retten

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Das Klinikum wurde nun für sein Engagement in der Organspende ausgezeichnet. Freuen sich über die Auszeichnung ans Sana-Klinikum: Außen die „Transplantationsbeauftragten“ Dr. Alexander Bentjen und Dr. Thomas Stiegler, Dr. Christina Schleicher von der Deutschen Stiftung Organtransplantation und Sozialminister Stefan Grüttner.

Offenbach - Felizitas Schäfer feiert zwei Geburtstage. Ihren eigentlichen – und den Tag, an dem sie ihre Spenderniere erhalten hat. Das war vor dreieinhalb Jahren. „Ich bin jeden Tag dankbar für dieses Geschenk“, sagt die Offenbacherin. Von Veronika Schade 

Als sie vor fünf Jahren an akutem Nierenversagen erkrankte, war der Gang zur Dialyse Alltag. „Der Horror“, blickt die 50-Jährige zurück. Ständig war sie in Angst, ob sich ein Spenderorgan für sie finden, ob sie überleben würde. „Ich konnte es erst glauben, als ich aus der Narkose erwacht bin.“ Dass Schäfer schon nach anderthalb Jahren ein Organ zur Transplantation erhalten hat, ist ein großes Glück. Heute beträgt die Wartezeit für eine Niere sieben Jahre. 11.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Spenderorgan. Die meisten erleben es nicht mehr. Im Jahr 2013 gab es in Deutschland nur 754 postmortale Organspender. 2010 waren es immerhin 1075. Ihre Zahl sank rapide, nachdem 2012 ein Manipulationsskandal aufgeflogen war. Das Vertrauen der Bevölkerung schwand.

Leidtragende sind Menschen, die auf ein neues Organ angewiesen sind. „Die ungebremste Talfahrt scheint sich endlich ein wenig zu stabilisieren“, sagt Dr. Christina Schleicher, kommissarische Leiterin der Region Mitte der Deutschen Stiftung Organtranplantation (DSO), mit Blick auf die Statistik. Von der gewünschten Zahl sei man weit entfernt. In der Region Mitte, die Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland umfasst, wurden im vergangenen Jahr 86 Organspenden realisiert – davon neun im Offenbacher Sana-Klinikum. „Dank dieser neun Organspender erhielten 31 Menschen das schönste Geschenk ihres Lebens“, sagt Schleicher. Aus dem Grund ist sie, ebenso wie Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, gestern nach Offenbach gekommen. Sie übergaben dem Sana-Klinikum eine Auszeichnung für sein Engagement in der Organspende.

Die DSO vergibt diese Ehrung seit 2002, um die Anstrengungen der Krankenhäuser zu würdigen und andere zu motivieren, sich mehr einzusetzen. „Da herrscht in vielen Kliniken Nachholbedarf“, weiß Grüttner. „Die Bedingungen müssen stimmen, der ganze Mechanismus des Krankenhauses darauf eingestellt sein.“ Er betont das strikte Meldesystem, dem die Klinken unterworfen sind: „Die Manipulationen waren beschämend. Aber sie dürfen nicht in den Vordergrund gestellt werden und die vielen Bemühungen überschatten.“ Auch die Bevölkerung sieht er in der Pflicht: „Die Zustimmung zur Organspende liegt bundesweit bei 75 Prozent. Warum haben trotzdem nur so wenige einen Ausweis? Warum redet man zu Lebzeiten nicht mit Angehörigen über dieses Thema?“

Diese Promis sind Organspender

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Das würde vieles vereinfachen. Auch für Dr. Thomas Stiegler und Dr. Alexander Bentjen, die „Transplantationsbeauftragten“ im Klinikum. Wird an einem Patienten der Hirntod festgestellt, ist es ihre Aufgabe, die Angehörigen zu betreuen, mit ihnen über die Möglichkeit der Organspende zu sprechen. „Nicht jedes Gespräch führt zum Erfolg“, sagt Stiegler. Das Zeitfenster, in dem dieser wahrlich lebensentscheidende Entschluss gefällt werden muss, ist kurz, die Angehörigen in ihrer akuten Trauer in einer Ausnahmesituation. Da gilt es, mit viel Feingefühl und Transparenz zu agieren. Aber das Wissen, dass der Verstorbene mit der Spende Leben retten konnte, sei für die meisten letztlich Trost und Erleichterung.

Weitere Inos: www.fuers-leben.de.

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