Show „Folklorient“

Lebensfreude der ägyptischen Folklore

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Die Tänze der Fellahin zählen zu den bekanntesten folkloristischen Darbietungen, die das ägyptische Ensemble zeigte.

Offenbach - Der Abend beginnt mit einem Loblied des Moderators auf deutsche Wertarbeit. Von Fabian El Cheikh

Deutsche Waren, speziell Elektroartikel für den Haushalt, sind begehrt in Ägypten, genauso wie jeder, der sich als ein Gebildeter im Land am Nil bezeichnet, Heine, Goethe und Schiller zu zitieren weiß. Umgekehrt haben die Besucher im Bürgerhaus Rumpenheim am Freitagabend die Gelegenheit, die ägyptische Geschichte zu bewundern, und zu dieser gehört untrennbar die ägyptische Lebensfreude dazu, die sich in der Vielfalt landestypischer Folklore ausdrückt.

Mit Bondok, alias Hussein Nehmedu, steht nicht irgendwer auf der Bühne. Der international bekannte Ägypter, der seit elf Jahren in Deutschland lebt, kennt eigentlich größere Bühnen, zumindest aus jener Zeit, in der er als tanzender Derwisch mit dem Traumtheater Salomé auf Tour ging. Für die Premiere seiner Show „Folklorient“ wählte er jedoch die kleine Bühne seiner derzeitigen Wahlheimat Offenbach.

Orientalische Tanzshow in Rumpenheim

Besucher im Bürgerhaus Rumpenheim hatten die Gelegenheit, die ägyptische Geschichte zu bewundern, und zu dieser gehört untrennbar die ägyptische Lebensfreude dazu, die sich in der Vielfalt landestypischer Folklore ausdrückt.

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Minutenlang dreht sich Bondok teils einbeinig bei der ägyptischen Variante des Sufi-Tanzes aus der Türkei – dem Tannoura – unaufhörlich im Kreis. Ein schwindelerregender Auftritt mit verblüffenden Effekten, als das Licht ausgeht und die anfänglich unerkannten LEDs in seinem mehrlagigen Rock in bunten Farben schillernd zu leuchten beginnen.

Das aber ist schon einer der Höhepunkte der Show, zu denen auch die Tänze der Fellahin gehören, der unterägyptischen Bauern vom fruchtbaren Nil. Mit Tonkrügen und orange-grünen weiten Kleidern hüpfen die Frauen des 14-köpfigen Ensembles, das Bondok für die Show zusammentrommelte, über den Boden, wenig später tänzerisch und gesanglich umworben von jungen Männern, die um die Damen buhlen. Eine ebenso farbenfrohe wie temperamentvolle Darbietung, die bei keiner folkloristischen Bühnenshow in Ägypten fehlen darf.

Evergreen „Casablanca“

Besonders gut kommt auch der Flamenco Oriental an, nicht zuletzt, weil wohl die meisten Zuschauer den Evergreen „Casablanca“ von Alabina und den Gypsy Kings kennen. Weitgehend unbekannt dagegen der Fischertanz mit Löffeln (Mambuteya), der aus der Region um Port Said, der Heimat von Bondok Ismailia und Suez stammt. Der lebenslustige und fröhliche Mambuteya basiert auf schnellen, leichtfüßigen und gehüpften Schrittkombinationen, das Kostüm setzt sich zusammen aus Matrosenähnlichen, engen Hemden, einer kleinen Fischermütze sowie Pumphose.

Natürlich darf auch der klassische Bauchtanz nicht fehlen, von unterschiedlichen Tänzerinnen mit weitgehend perfekter Beweglichkeit und authentischer Lebhaftigkeit dargestellt. Ebenso wie der Saidi, der Stocktanz, der vor allem in Oberägypten eine jahrhundertealte Tradition besitzt und sich aus Stockkämpfen der Männer entwickelt hat. Angereichert wird der Tanz-Cocktail von Solodarbietungen, libanesischem Dabke und dem Revolutionstanz. Überhaupt: Die ägyptische Fahne wird an diesem Abend öfter hochgehalten, mit mehr Patriotismus und Leidenschaft als je zuvor.

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