Leckereien locken ins Ziel

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Loslassen: Wer den falschen Hasen mal erwischt hat, will ihn so schnell nicht wieder hergeben.

Offenbach - Gleich zweimal hintereinander wird pro Rennen im Ziel die Zeit gestoppt. Einmal für die Hunde, die mit hängender Zunge und wehenden Ohren über die Bahn rasen. Von Katharina Skalli

Und einmal für Herrchen oder Frauchen, die laut rufend und am ende außer Puste über den kleinen weißen Strich stolpern. Einmal für die Hunde, die mit hängender Zunge und wehenden Ohren über die Bahn rasen und einmal für Herrchen oder Frauchen, die laut rufend und am ende außer Puste über den kleinen weißen Strich stolpern. Notiert wird nur das Ergebnis der Vierbeiner - schließlich heißt die Veranstaltung am Mainbogen „Jeder-Hund-Rennen“.

Zum sechsten Mal hatte der Windhundrennverein Frankfurt gestern unter diesem Motto auf seine Anlage geladen. Dass das Rennen auf den Muttertag-Sonntag fällt, sieht Hugo Oberegge vom Verein nicht als Nachteil. „So wird der Besuch bei uns zum Familienausflug“, sagt er. Ohnehin seien es oft die Frauen, die sich um den Familienhund kümmerten und im Ziel auf ihn warteten.

Die sechs Schnellsten dürfen Trophäe mit nach Hause nehmen

Über das Gelände am Main zieht der Duft von Grillwürstchen, Stimmengewirr hallt über die Wiesen und Gärten hinter dem Maindamm, ab und zu unterbrochen durch das Gebell der Vierbeiner. Huskys, schlanke Windhunde, Promenadenmischungen, gefleckte Beagles, mit feinen Kringellöckchen verzierte Pudel, große Riesenschnauzer und kleine Dackel stromern über das Areal. Im Schlepptau die Mensch-Familie. In der Sonne glitzern die Pokale. Die sechs Schnellsten einer Klasse dürfen eine solcheTrophäe mit nach Hause nehmen. Für den Rest gibt es eine bunte Urkunde.

Aber umsGewinnen geht es eigentlich keinem. „Die meisten Besucher kommen wegen der guten Stimmung“, sagt Oberegge. Über 110 Hunde stehen auf der Liste. Auf die große Teilnehmer- und noch größere Besucherzahl ist der Verein stolz. Vergleichbare Veranstaltungen gibt es wenig.

Andrea Schwaiger ist extra aus Aresing in Oberbayern angereist. Zum fünften Mal ist die Tierschützerin in Offenbach. Sie nutzt die Reise nach Hessen auch, um Hunde ihrer Organisation Husky-Hof Aresing zu vermitteln. Heute hat sie den Rüden Sultan dabei. Der große Rauhaar-Galgo, der aus einer Tötungsstation gerettet wurde, blickt mit treuen Augen neugierig um sich. Dass mit dem Rennen hat allerdings nicht geklappt. Den falschen Hasen, dessen gelbe Bänder an der Innenseite der Bahn entlang flitzen, würdigt er keines Blickes. Schwanzwedelnd läuft er an der Bande entlang und weiß nicht so recht, wo er hin soll. „Theoretisch wäre er schnell“, sagt Andrea Schwaiger und lacht. „Aber wir haben ja noch einen Versuch.“

Jeder hat seine ganz eigenen Tricks

Zweimal darf jeder Hund starten. Der schnellere Lauf wird gewertet. Jeder hat seine ganz eigenen Tricks, mit denen er seinen Vierbeiner möglichst schnell über die Ziellinie lotst. Hoch im Kurs stehen quietschenden Bälle, Leckerlies und bunte Spieltaue, mit denen Herrchen oder Frauchen in der Ferne wedeln. Mancher Hund gibt Gas, wenn Frauchen auf den blechernen Hundenapf trommelt. Wer ins Ziel kommt, wird vom Besitzer freudig begrüßt, denn nicht jeder Vierbeiner findet den Weg. Zu viel lenkt an der Strecke ab: Die vielen Zweibeiner, die voller Erwartung auf die Piste starren und die vielen feuchten Schnauzen, die unter der Bande hervorlugen und schnuppern. Anderen ist es unter ihrem dichten Fell schlichtweg zu warm.

Der Dackel-Schäferhund-Mischling Phil lässt sich jedoch nicht irritieren. Nach gerade mal 11,03 Sekunden hebt sich die schwarz-weiße Zielfahne. Eine sehr gute Zeit für so einen kleinen Hund. Die besten Windhunde brauchen etwa 7,5 Sekunden. Bevor es zur Rennbahn geht, wird jeder Hund von einer Tierärztin untersucht. Die Größe gibt vor, in welcher der sechs Klassen die Hunde starten. Nancy Vögtel kommt mit ihren beiden Shetlands Sheepdogs (Shelties) DJ und Ronny gerade noch rechtzeitig. Vor zwei Jahren landete DJ auf dem siebten Platz. Die Bürgelerin ist gespannt, wie erfolgreich ihre beiden Vierbeiner in diesem Jahr abschneiden.

„Was wir hier machen, ist Formel eins auf vier Pfoten“, sagt Hugo Oberegge. „Manche Hunde rennen hin und her und werden schließlich vom Herrchen ins Ziel geführt.“ Alle Hilfsmittel sind erlaubt. Nur über die weiße Linie getragen werden, dürfen die Tiere nicht.

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