Leder in neuer Kombination

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Ein Schmuckstück fürs künftige „Schatzkästchen“ im Düncher-Saal, der über dem bislang noch nach oben offenen Foyer des Ledermuseums entstehen wird: Dr. Christian Rathke mit dem Katalogbild der edlen Schatulle von Jean-Baptiste Colbert, dem Finanzminister des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Offenbach ‐ Das Schönste vom Schönen, das Beste vom Besten, das Feinste vom Feinen. Ein Höhepunkt neben dem anderen, für den eiligen Bewunderer kompakt präsentiert. Von Thomas Kirstein

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Das Ledermuseum gönnt sich und seinen Besuchern eine wahre Schatzkammer mit den bedeutendsten Stücken der Sammlung, darunter vieles, was bislang aus Platzmangel nicht oder nur in anderem Zusammenhang gezeigt werden konnte.

Museumsleiter Dr. Christian Rathke blättert schon im Hochglanz-Katalog seiner Meisterwerke der Leder-Kunst vom Mittelalter bis zur Neuzeit: „Das geht vom Buchfutteral aus dem Jahr 1280 bis zur aktuellen Tasche des Lederdesigners Ulrich Czerny.“ Bevor dies im Original zu bestaunen ist, vergeht aber noch einige Umbauzeit für die groß angelegte Erweiterung des Museums. Einige Abteilungen sind schon geschlossen, vom 1. Juli bis in den Oktober ist an der Frankfurter Straße 86 dann komplett zu.

835 000 Euro stehen bereit, um das Haus zu erneuern und besonders seine Ausstellungsfläche von derzeit 3400 um nahezu 600 Quadratmeter auszubauen. Zwei Drittel der Kosten tragen Land Hessen und Stadt Offenbach, der Rest kommt von privaten Spendern.

Krumm, Seeger oder Mädler werden gewürdigt

Mäzen Rolf Düncher hat 150 000 Euro für den neuen „Schatzkästchen“-Saal gestiftet, der dann den Namen seiner Familie tragen und als zentrales Bindeglied zwischen den Abteilungen fungieren wird. 135 000 Euro von der Dr. Marschner-Stiftung sind für die Einrichtung eines weiteren neuen Saals verplant. Der entsteht über dem inzwischen überdachten Innenhof und wird die „Offenbacher Lederwarenindustrie im 20. Jahrhundert“ aufnehmen. Namen wie Krumm, Seeger oder Mädler werden dort museal gewürdigt. Der flexibel konzipierte Raum soll auch für Vorträge und Konferenzen nutzbar sein.

Seit März wird umgebaut. Der Großteil der Außenarbeiten ist erledigt. Jetzt kommt der Dachdecker. „Die erste, die gefährlichste Phase haben wir überstanden“, gibt sich Christian Rathke erleichtert. Er hatte Bedenken gehabt, weil der Boden unter den Fundamenten vorher nicht untersucht werden konnte. Tatsächlich musste für die Gründung an einigen Stellen tiefer gegraben werden als vorgesehen. Die Mehrkosten von 40 000 Euro gleichen sich aber aus, weil andernorts eine vorhandene Betonplatte das kostengünstigere Aufstellen von Pfeilern erlaubte.

Überraschungen waren nicht ausgeschlossen. Die Heimstatt des Deutschen Ledermuseum (mit Deutschem Schuhmuseum und Museum für angewandte Kunst) geht im Kern auf ein Messe-Lagerhaus aus dem Jahr 1829 zurück – dessen Fundamente ruhen auf quer liegenden Eichenpfählen, im Untergrund sorgen „Kriechkanäle“ für die Belüftung des grundwasserfeuchten Bodens. 1938 modelte Professor Hugo Eberhard den Bau für sein 1917 gegründetes Ledermuseum um, 1959/60 entstand der heutige Innenhof, 1979/80 wurde aufgestockt.

Noch sind Räume geschlossen

Der aktuelle Umbau befreit das Museum mit seiner Sammlung von mehr als 30.000 Exponaten nicht nur aus Platznot, sondern lässt eine moderne Neukonzeption zu. „Früher hat man Objekte als Einzelstücke begriffen und isoliert vorgeführt“, sagt Museumsleiter Rathke. „Jetzt bringen wir zusammen, was zusammengehört.“ Das gilt besonders für die umfangreiche Asien-Abteilung. Dort wird etwa aus den Einzelteilen einer japanischen Prunkrüstung ein auf dem Pferd paradierender Samurai. Noch nie von Besuchern gesehene Arbeiten aus China, der Mongolei, Japan, Borneo und Tibet werden öffentlich gemacht – etwa eine Picknicktruhe des tibetanischen Adels aus dem 19. Jahrhundert.

Noch aber sind Räume geschlossen, ihre Türen abgedichtet gegen Staub, die Vitrinen abgedeckt. Nur über Schleusen gelangen die Restauratorinnen zu den empfindlichen Exponaten, denen eine ausgewogene Atmosphäre zu gewährleisten ist. Im November 2010 soll das „Schatzkästchen“ eröffnet werden. Asien-Abteilung und Saal zur Rolle Offenbachs als Zentrum der Lederindustrie folgen im nächsten Jahr.

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