BB Ledermanufaktur

Ledertaschen made in Offenbach

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Wilhelm Röder zeigt in seinem Ausstellungsraum eine Tasche, auf der das Bieber-Amulett zu sehen ist.

Offenbach - In der einstigen Lederstadt Offenbach gibt es nur noch wenige Lederfirmen. Die meisten produzieren darüber hinaus im Ausland - außer dem Unternehmen BB Ledermanufaktur in Bieber. Von Marc Kuhn 

Wenn am Samstag in Lissabon Real Madrid und Atletico Madrid im Finale der Champions League aufeinander treffen, dann ist auch ein Stück Offenbach dabei. Für den russischen Gaskonzern Gazprom, einen der Hauptsponsoren der europäischen Königsklasse im Fußball, hat die Firma BB Ledermanufaktur aus Bieber eine Sporttasche fertigen lassen, die an spezielle Gäste des Spektakels verschenkt wird. Ein typischer Auftrag für das alteingesessene Unternehmen. „Wir produzieren hauptsächlich Handtaschen“, sagt Wilhelm Röder, der Chef der Manufaktur.

Der Feintäschner verarbeitet mit zwei Mitarbeitern das Leder, das sie bei der Firma Jacobs in Rödermark einkaufen. Sie sind mit die letzten Hersteller von Lederwaren in der einst prosperierenden Ledermetropole Offenbach. „Ich mache das so lange bis ich ins Museum komme - ins Ledermuseum“, erklärt der 64-jährige Röder. Einen Nachfolger gibt es nicht. Und Röder weiß, dass er guten Gewissens auch niemandem angesichts der Billigkonkurrenz aus Asien den Job ans Herzen legen kann.

Einst hatte die 1952 von Röders Großvater Wilhelm Barth und seinem Schwiegersohn Theodor Bauer gegründete Firma 24 Mitarbeiter. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts erlebte die Lederbranche eine Hochkonjunktur, erinnert sich Röder. 1983 habe er seinen Industriemeister abgelegt. Die BB Ledermanufaktur verkaufte ihre Produkte über den Einzelhandel. Produziert wurde aber auch für Größen wie Jil Sander, Goldpfeil und die Münchner Ikone Rudolf Moshammer. Die Nachfrage ließ aber langsam nach. Und: „Plötzlich war es eine Rutschbahn“, berichtet Röder. Die ausländischen Firmen seien immer besser geworden. Heimische Unternehmen, die die Produktion einstellten, hätten Waren importiert. Schließlich sei das Angebot auf dem Markt groß gewesen. Der Familienbetrieb, der stets in Bieber beheimatet war, habe seine langjährigen Mitarbeiter aber nicht entlassen wollen, sagt Röder. So sei das Personal Stück für Stück über die Rente reduziert worden.

Nach den Vorstellungen der Kundinnen

Noch heute entwirft und produziert die BB Ledermanufaktur Taschen. Verkauft werden sie an der Aschaffenburger Straße 11. Auf Wunsch fertigt Röder Variationen der ausgestellten Modelle an oder stellt Taschen nach den Vorstellungen seiner Kundinnen an. Und repariert werden sie auch. „Wir haben Kunden, die uns treu ergeben sind“, erklärt Röder. „Was man heute so nicht mehr oft hat.“ Bis zu 100 Taschen entstehen pro Woche in Offenbach. Auf einigen prangt das Bieberer Amulett. Das Original wurde 1979 in Bieber gefunden. Das aus Bronze geformte Amulett stammt von den Kelten.

Er spricht von Kleinserien, die in Offenbach hergestellt werden. Steige die Stückzahl, so arbeite sein Unternehmen mit Partnern in Weimar und der Tschechischen Republik zusammen. Ein Großteil des Geschäfts läuft zudem über Quereinsteiger, wie Röder erklärt. Er meint damit beispielsweise Agenturen, die für Firmen unter anderem aus dem Mode- und Marketingsbereich arbeiten - oder eben für Gazprom. Sie lassen Lederwaren als Geschenke für Events wie die Champions League herstellen. Röder wird das Budget und die benötigte Stückzahl genannt. Meist muss er dann recht kurzfristig den Auftrag umsetzen. „Es gibt nicht viele Firmen, die für Werbegeschenke viel Geld ausgeben“, weiß Röder. Aus seiner Sicht ein Fehler. Billige Geschenke würden schließlich im Müll landen. „Der Werbeeffekt ist gleich Null.“

Lederwaren-Messe in Offenbach

Lederwaren-Messe in Offenbach

Schon seit 1975 lässt Röder diese Produkte für Veranstaltungen im indischen Chennai herstellen. Er hat geholfen, das dortige Unternehmen mit aufzubauen. Schon früher seien in Indien qualitative hochwertige Lederwaren hergestellt worden. Deutsche Maschinen seien in der indischen Firma eingesetzt worden, sagt Röder. Er habe auf soziale Standards geachtet - die Mitarbeiter hätten zum Beispiel eine Krankenversicherung. Röder war es stets wichtig, dass sich die Inder mit ihrer Firma identifizieren. „Dann ist die Fluktuation nicht so groß“, sagt Röder. Und die Qualität der Lederwaren stimmt. Dann können sie auch im Finale der Champions League verschenkt werden.

So ganz kann sich die BB Ledermanufaktur dem Internet-Zeitalter aber nicht entziehen. Sie verkauft Hüllen für Gesetzesbücher - über das Netz. „Das sind schon Mengen“, erklärt Röder. Die Produkte aus Leder, die Rechtsanwälte nutzen, stellt er in Offenbach her. Hüllen aus Kunststoff lässt das Unternehmen in China produzieren.

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