Umzug nach Berlin Mitte 2015 geplant

Lederwarenverband verlässt Offenbach

+

Offenbach - Der Lederwarenverband verlegt seinen Sitz von Offenbach nach Berlin und erhofft sich damit eine bessere Lobbyarbeit. Von Achim Lederle

Die Umzugskisten für Manfred Junkert und seine vier Mitarbeiter werden bald gepackt, und Mitte 2015 soll es dann soweit sein: Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) zieht nach Berlin. Diesen etwas überraschenden Schritt gab der Verband um Hauptgeschäftsführer Junkert gestern bekannt. „Wir wollen die Parallelen zwischen Schuhen und Mode stärken“, sagte Junkert unserer Zeitung. In einer Bürogemeinschaft mit dem in Berlin-Mitte ansässigen Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie (t+m) wolle der HDS/L seine politische Arbeit auf Bundes- als auch auf europäischer Ebene vorantreiben. Neben Junkert, der stellvertretender Hauptgeschäftsführer von t+m werde, solle der HDS/L-Verbandsvorsitzende Ralph Rieker in die Gremien des Modeverbands einziehen. „Wir werden die breite fachliche Kompetenz bündeln und zum Beispiel bei Normungs- und Kennzeichnungsverfahren zusammenarbeiten“, sagte Junkert. Die Lederwaren- und die Modeindustrie seien eng miteinander verknüpft: „Mit dem Umzug tragen wir dem Zusammenwachsen der Branchen Rechnung.“ So hätten immer mehr Mode- und Textilgeschäfte auch Lederwaren und Schuhe im Sortiment.

Nach Angaben des Geschäftsführers schlossen sich die Verbände der Schuhindustrie und der Lederwarenbranche 2012 zum gemeinsamen Verband HDS/L zusammen, der derzeit noch in der Berliner Straße 46 in Offenbach mit dem Deutschen Schuhinstitut residiert. Wie Junkert betonte, bleibe das Schuhinstitut in Offenbach, der Verband wolle seinen Mitgliedern auch von Berlin aus arbeitsrechtliche Beratung anbieten. Auf die Messe Offenbach und die zwei Mal jährlich stattfindenden Lederwarenmessen I.L.M habe der Umzug des Lederwarenverbands keinerlei Einfluss, wie Messe-Geschäftsführer Arnd Hinrich Kappe gestern unserer Zeitung sagte. Kappe betonte, dass Verband und Messe organisatorisch getrennt seien. „Die Messe Offenbach ist eine privatwirtschaftlich strukturierte Gesellschaft, die vor allem von der Lederwarenindustrie getragen wird“, so Kappe. Daneben zählten die Stadt, die GBO und die IHK zu den Gesellschaftern.

Lederwaren-Messe in Offenbach

Lederwaren-Messe in Offenbach

„Die Stadt Offenbach ist und bleibt eine Lederstadt. Ich sehe keinerlei Imageverlust durch den Wegzug des Verbands“, erklärte Kappe. Auch Junkert wehrte sich gegen Darstellungen, Offenbach verliere eines der letzten Aushängeschilder der traditionellen Branche: „Der Lederwarenverband war nie ein Aushängeschild der Stadt, sondern ist vielen Bürgern wahrscheinlich wenig bekannt.“ Zudem unterstrich Junkert, dass die Eigenständigkeit des Bundesverbands erhalten bleibe. „Auch als Mitglied des Gesamtverbands textil+mode werden wir die besonderen Interessen der Schuh- und Lederwarenindustrie weiterhin intensiv verfolgen und unseren Mitgliedern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, sagte er.

Ingeborg Neumann, Präsidentin von t+m, freute sich über die gemeinsame Präsenz: „Hier kommt zusammen, was im Bewusstsein der Menschen sowieso gemeinsam gesehen wird. Die sinnvolle Kooperation der Branchenverbände setzen wir hiermit fort.“

Kommentare