Legionellenbefall in Offenbacher Häusern

Duschen bis auf Weiteres verboten

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Offenbach - Jährlich erkranken bis zu 25.000 Menschen in Deutschland an einer durch Legionellen ausgelösten Lungenentzündung. Der Bundesgesetzgeber hat daraus Konsequenzen gezogen und schreibt seit Neuestem eine jährliche Untersuchung von Trinkwasserleitungen in Mietshäusern vor. Gestern sind Verseuchungen auch in Offenbach bekannt geworden. Von Fabian El Cheikh

Betroffen sind drei Liegenschaften der Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBO) an der Glockengasse. Dort dürfen die Bewohner von 60 Eigentumswohnungen nicht mehr duschen; erste Desinfektionsmaßnahmen haben Stadtgesundheitsamt und die GBO eingeleitet.

Gesundheitsalarm wurde ausgelöst, nachdem bei der neuen gesetzlich vorgeschriebenen Routineuntersuchung an einem Waschbecken in einer Wohnung eine Belastung von 40.000 koloniebildenden Bakterieneinheiten (KBE) gemessen wurde. Der gesetzliche „Maßnahmewert“ liegt bei 1000 KBE, ab einer Belastung von 10.000 KBE müssen laut novellierter Trinkwasserverordnung hygienische Sofortmaßnahmen eingeleitet werden.

„Unverzüglich Gesundheitsamt und Bewohner“ informiert

Barbara Stahl von der GBO betonte gestern auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Hausverwaltung „unverzüglich Gesundheitsamt und Bewohner“ informiert hat. Letztere dürfen bis nächsten Dienstag nicht mehr die Duschen benutzen, dann wird eine von der GBO beauftragte Installationsfirma sämtliche Wasserentnahmestellen in den Häusern durchspülen. „Außerdem haben wir sofort die thermische Desinfektion begonnen, wobei die Wassertemperatur auf zirka 75 Grad erhöht wird.“ Die Anwohner wurden vor der Verbrühungsgefahr gewarnt.

Weitere Vorsorge, etwa das Abkochen von Trinkwasser, sei nicht erforderlich, klärte das Stadtgesundheitsamt auf. Dessen stellvertretende Leiterin Gudrun Schüler wies gestern darauf hin, dass sich die Bakterien, die sich bei etwa 35 bis 55 Grad in stehendem Wasser pudelwohl fühlen und besonders gut vermehren, hauptsächlich über Sprühnebel verbreiten. Dieser entstehe vor allem beim Duschen und werde dann über die Atemwege aufgenommen. Die Stäbchenbakterien können die Legionärskrankheit auslösen, eine schwere Lungenentzündung, oder das sogenannte Pontiac-Fieber, eine fiebrige, grippeähnliche Erkrankung.

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„Grundsätzlich“, so Schüler, „sind Vermieter selbst in der Pflicht zu kontrollieren und Hygienemaßnahmen einzuleiten. Wir stehen nur beratend zur Seite.“ Gleichwohl standen in ihrer Behörde zuletzt die Telefone kaum still; Bewohner der Glockengasse zeigten sich beunruhigt. „Grund zur Panik gibt es aber nicht. Nur wer sich in den nächsten Tagen krank fühlt, sollte vorsichtshalber eine Urinprobe beim Hausarzt abgeben.“

Das Gesundheitsamt rechnet angesichts der Pflicht gewordenen Kontrollen künftig mit weiteren Fällen und beklagt gleichzeitig die „viel zu geringe“ Personaldecke.

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