Lehrstellen in Region unbesetzt

Offenbach/Hanau/Frankfurt (ku/cs) - Während die Unternehmen in Stadt und Kreis Offenbach zunehmend Probleme haben, ihre Lehrstellen zu besetzen, sorgt sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) schon um die Versorgung mit Fachkräften.

Ein Viertel der Betriebe beklage, dass nicht alle Stellen mit jungen Leuten besetzt werden könnten, sagte Hans-Joachim Giegerich, stellvertretender Präsident der IHK Offenbach, gestern. Er sprach von einem Fachkräftemangel. Eine Erhebung der Kammern zeige, dass in der Region im Jahr 2020 etwa 2 000 Akademiker und rund 35.000 nicht akademisch ausgebildete Fachkräfte fehlen würden. Das Potenzial in der Gesellschaft müsse voll ausgeschöpft werden, mahnte der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Offenbach, Helmut Geyer.

Noch seien keine Auswirkungen der demografischen Entwicklung zu spüren, erklärten Giegerich und Thomas Iser, Vorsitzender Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenbach. Bis 2020 erwartet Iser aber einen deutlichen Rückgang der Zahl von Schulabgängern um etwa 20 Prozent.

Für die Probleme der Firmen bei der Suche nach Auszubildenden gibt es zahlreiche Ursachen. Giegerich spricht von einem mangelnden Interesse der Schüler für eine berufliche Ausbildung, unzureichender Unterstützung durch die Eltern sowie von falscher Beratung bei Berufswahl und Bewerbung. Zudem hätten 63 Prozent der Betriebe mit unbesetzten Lehrstellen bei einer Umfrage angegeben, diese wegen mangelnder Qualifikation nicht besetzen zu können. Etwa die Hälfte der Unternehmen beklage fehlende Rechenkenntnisse, mangelnde Ausdrucksfähigkeit und fehlende Disziplin. Darüber hinaus habe eine Befragung von Schülern der Abschlussklassen in Haupt- und Realschulen in der Stadt Offenbach gezeigt, dass nur noch 20 Prozent eine betriebliche Ausbildung anstrebten, berichtete Giegerich. Er kritisierte, dass sich zu viele Schüler zu früh auf eine weiterführende Schule festlegen würden.

„Es macht keinen Sinn Schleifen in Schulen zu drehen“, sagte Iser. Geyer warb für eine Gleichberechtigung von gymnasialer und beruflicher Bildung. „Wir brauchen nicht nur den Master, sondern auch den Meister.“ Geyer appellierte an Eltern und Schulen, die Berufsorientierung bei Jugendlichen zu intensivieren.

Angesichts des sinkenden Interesses der Jugendlichen an einer betrieblichen Ausbildung wirbt die Kammer für Partnerschaften, wie IHK-Hauptgeschäftsführerin Eva Dude erläuterte. Rund 65 Betriebe und 16 Schulen in Stadt und Kreis wollten an dem Projekt teilnehmen. „Das Echo ist sehr groß“, sagte Friedrich Rixecker, bei der IHK für Ausbildung zuständig. Im Rahmen der Partnerschaften seien unter anderem Praktika, „das Angebot von Betriebserkundigungen“, die Vorstellung von Berufen in Schulen, Vorträge von Experten aus Firmen in Schulen und gemeinsame Projekte im Unterricht geplant, sagte Dude. Sie sprach von ersten Bausteinen. Giegerich forderte, dass Schüler früher und besser auf die Zeit nach der Schule vorbereitet werden müssten.

Der IHK-Vizepräsident berichtete weiter, dass das Angebot an Ausbildungsplätzen in diesem Jahr deutlich gestiegen sei. Im Kammerbezirk seien 1543 neue Lehrverträge unterschrieben worden, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent. 157 Betriebe hätten erstmals ausgebildet und 241 Lehrstellen angeboten. Von „durchaus positiven Zahlen“ sprach auch Iser. Bei der Arbeitsagentur seien mehr als 1 390 Lehrstellen gemeldet worden nach 1278 im vergangenen Jahr. Die Zahl der Bewerber sei von rund 2700 auf 2525 zurückgegangen. Es gebe 39 unversorgte Jugendliche nach 31 im Jahr 2010. Zum Stichtag Ende September habe es 71 offene Stellen gegeben, erläuterte der Agenturchef von Offenbach.

Die Arbeitsagentur Hanau meldet für den Main-Kinzig-Kreis sechs unversorgte Bewerber und 148 freie Lehrstellen. Die dortige IHK hat 1549 Lehrverträge abgeschlossen, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Über bislang 3932 neue Lehrverträge berichtete Bernd Sieber, Leiter der beruflichen Bildung der Handwerkskammer Frankfurt /Rhein-Main. Dies sei sein Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon seien 476 in Offenbach abgeschlossen worden, 13,9 Prozent mehr als 2010. Sieber zeigte sich zuversichtlich, dass bis Ende 2011 die Marke von 4000 Lehrverträgen geknackt werde.

Rubriklistenbild: © dpa

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