Verantwortung über Etat und Personal

Leibnizschule: Effektiver, flexibler, schneller

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Christoph Dombrowski und Nicola Wölbern haben allen Grund zur Freude: Ihre Schule ist nun selbstständig und kann ihre spezifischen Herausforderungen eigenständig managen.

Offenbach - An einer Schule zählt jede einzelne Stunde. Vier Extrastunden für die Deutschförderung erhielten alle städtischen Gymnasien bereits zu Beginn des laufenden Schuljahrs. Oben drauf kommen einige mehr im nächsten Schuljahr. Von Fabian El Cheikh

Unter anderem durch die vom hessischen Kultusministerium angekündigte Zuweisung von 300 zusätzlichen Lehrerstellen nach einem Sozialindex, von dem Offenbach besonders profitiert. Bereits jetzt freuen kann sich Christoph Dombrowski, Leiter der Leibnizschule, über eine darüber hinaus gehende exklusive Zuweisung von 1,5 Prozent Lehrerstellen für sein Gymnasium: „Das entspricht mehr als 25 Unterrichtsstunden.“

Mit diesem Extrakontingent hat Dombrowski einiges vor: Er will eine sozialpädagogische Fachkraft einstellen und die Sprachförderung deutlich ausweiten. Wegbereiter für die neuen Möglichkeiten an der Brandsbornstraße ist ein Zertifikat, das Dombrowski und seine Stellvertreterin Nicola Wölbern jüngst aus den Händen von Staatssekretär Professor Alexander Lorz entgegennehmen durften: Seit Januar ist die Leibnizschule als erste Bildungsstätte in Offenbach eine sogenannte selbstständige Schule. Sie trägt selbst die Verantwortung für Personal- und Sachmittel. „Damit sind wir in wesentlichen Belangen flexibler geworden.“

Mit kleinem Budget Erfahrung gesammelt

Schon in den vergangenen Jahren gehörte die Leibnizschule zu den Schulen, die mit dem sogenannten kleinen Budget die Erfahrung gesammelt haben, dass Eigenständigkeit durchaus Vorteile bringt. So konnten die vom Ministerium zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel innerhalb vier verschiedener Budgets (Vertretungsmittel, Schulbücher, Fortbildung und IT) eigenständig verschoben werden, je nach Notwendigkeit. „Wir können jetzt schneller auf Situationen auch innerhalb eines Halbjahrs reagieren.“ Fällt beispielsweise ein Kollege krankheitsbedingt aus, kann die Schule schnell für Ersatz sorgen. „Das war früher über den Umweg des Ministeriums nicht so einfach, teilweise innerhalb eines Schuljahres gar nicht möglich“, erläutert Wölbern.

Einher geht die größere finanzielle Freiheit mit einem Gewinn von 25 Unterrichtsstunden und der Möglichkeit, eigenständig Personalverträge abzuschließen. Einstellen wollen Dombrowski und Wölbern sobald wie möglich eine Sozialpädagogin oder Psychologin, die nicht nur Sozialarbeit leisten soll – „das ist letztlich Aufgabe des Schulträgers“ –, sondern den Kollegen jene individuelle Betreuung von Schülern abnehmen soll, die über die bisherige Förderung Einzelner hinausgeht. „Sie soll Lehrer zeitlich entlasten und mit Schulseelsorge, Eltern und städtischen Einrichtungen wie dem Jugendamt eng zusammenarbeiten, um in schwierigen Fällen, etwa bei familiären Problemen, als Vertrauensperson da zu sein und Hausbesuche bei Eltern zu machen oder die Mittagsbetreuung zu verstärken.“ Diese Leistung könne ein Lehrer mit seiner Ausbildung kaum stemmen.

Weiterführende Schulen in Offenbach

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Notwendig sind diese Aufgaben auch vor dem Hintergrund, das inzwischen selbst an der Leibnizschule zirka 40 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben. Die vorhandenen Sprachdefizite – die selbst noch in der Oberstufe aufgrund des dort üblichen hohen sprachlichen Niveaus auftreten – über die bisherigen Anstrengungen hinaus abzubauen, das ist der zweite selbst auferlegte Schwerpunkt der selbstständigen Leibnizschule. „Sprachkompetenz haben wir seit vielen Jahren im Blick, schon ab der fünften Klasse gibt es zusätzliche Angebote für alle, wir merken dennoch, dass wir noch nicht effektiv genug sind“, so Dombrowski.

Bis in die Oberstufe hinein soll Sprache mit Instrumenten wie Methodentraining und Schreibwerkstatt einen größeren Stellenwert gewinnen. Mit größerer Stundenzahl „und mit noch mehr individueller Betreuung unserer Schüler, als es bislang möglich war“. Das ist in jedem Schulfach wichtig.

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