Leichtathleten leiden unter König F.

Offenbach ‐ König Fußball regiert. Nicht nur in diesen Tagen, in denen die WM in Südafrika alles andere in den Hintergrund drängt, ist es schwer, gegen ihn anzurennen. Von Matthias Dahmer

Beobachter der Sportgeschehens wissen schon seit längerem: Egal ob Volleyball, Tennis oder Judo - überall klagt man über Nachwuchsmangel.  Nur Vereine, die Fußball anbieten, haben schon gewonnen. Klar, dass deshalb auch das Geld dorthin fließt, wo die Jagd nach dem runden Leder im Vordergrund steht.  So wie im entstehenden Sportzentrum Wiener Ring auf dem Gelände des ehemaligen Tambourbads. Fünf Millionen Euro werden dort - wie mehrfach berichtet - vorwiegend in neue Fußballplätze gesteckt. Dabei ist der gut gepflegte Rasenplatz mit seiner Tartanbahn auf dem südlichen Teil des Areals neben den Anlagen auf der Rosenhöhe seit Jahren schon auch Trainingsgelände der Leichtathletikgemeinschaft Offenbach (LGO).

„Aber wir sind dort jetzt nicht mehr erwünscht“, sagt Jürgen Wigidal. Der LGO-Vorsitzende ist sauer. Richtig sauer. Zwar seien die Leichtathleten von Beginn an in die Planungen fürs neue Sportzentrum mit einbezogen worden. „Doch das war wohl nur ein Feigenblatt“, vermutet Wigidal. Denn bislang seien im Wiener Ring keine Investitionen für die Leichtathletik vorgesehen. Dabei wäre dort für 180.000 Euro alles hinzubekommen, damit die knapp 70 Aktiven vernünftig trainieren könnten, sagt der LGO-Boss. Zum Vergleich: Auf der Rosenhöhe, wo auch die Anlagen fürs Kugelstoßen und den Diskuswurf stehen, würde alleine eine neue Tartanbahn an Stelle der nicht mehr zeitgemäßen Aschenbahn mit einem Vielfachen zu Buche schlagen. Wigidal geht von Kosten in Höhe von 700.000 Euro aus, bei der Stadt spricht man von 400.000.

Weil die LGO, die 1969 als Zusammenschluss der Leichtathletik-Abteilungen von fünf Offenbacher Vereinen entstand, seit Jahrzehnten schon auf, so Wigidal, veralteten Anlagen trainiert, ist es um Zulauf und Erfolge nicht unbedingt bestens bestellt. Im Umkreis von nur 15 Kilometern, rechnet der LGO-Chef vor, gibt es sechs modern ausgestattete Leichtathletik-zentren. Klar, dass Talente eher dort eine sportliche Zukunft sähen. Wigidal hat ein schönes Beispiel dafür parat, wie’s dumm gelaufen ist mit den Trainingsmöglichkeiten: Seit drei Jahren stehe auf der Rosenhöhe eine funktionsfähige Stabhochsprung-Anlage, benutzen könne man sie jedoch so gut wie nie. Grund: Der Metallkasten, der zum Schutz des Sportgeräts angeschafft wurde, ist so schwer, dass sich dessen Rollen in der weichen Aschenbahn sofort festfahren.

Jürgen Weil, Leiter des städtischen Sportbüros, macht wenig Hoffnung auf wesentliche Verbesserungen. Er bestätigt, dass derzeit aus den Investitionsmitteln für den Wiener Ring kein Geld da ist, um etwas für LGO-ler zu tun. „180.000 Euro sind momentan definitiv nicht drin.“ Das bedeute aber nicht das Aus für die Leichathletik dort, beteuert er. „Es ist noch keine Entscheidung getroffen, wie es weitergeht.“ Vorerst, so der Sportbüro-Leiter, habe man sich auf eine Prioritätenliste geeinigt. Die besage, dass zunächst bestehende Anlagen auf der Rosenhöhe, wie etwa die für den Weitsprung, auf Vordermann gebracht werden.

Entwarnung gibt Jürgen Weil zumindest beim Schülersportfest, das für den 5. September im Sportzentrum Wiener Ring geplant ist. „Da hat die LGO unsere feste Zusage, dass die Veranstaltung stattfinden kann.“ LGO-Vorsitzender Wigidal hatte - verärgert über den Umgang mit den Leichtathleten - in einem Schreiben gedroht, das Sportfest ausfallen zu lassen, falls es nicht die erforderlichen Voraussetzungen, wie funktionsfähige Toiletten und Umkleiden, gebe.

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