Zukunftskongress

Leidensdruck bei den Kliniken

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Andreas Goldschmidt

Offenbach - Die Privatisierung des Klinikums Offenbach verschärft die Konkurrenz der Krankenhäuser in Rhein-Main. Mit den Herausforderungen für viele Kliniken beschäftigte sich jetzt auch der 8. Rhein-Main Zukunftskongress Krankenhaus & Partner in Offenbach.

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Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey sprach mit Kongresspräsident Professor Dr. Andreas Goldschmidt:

Der Fusionsdruck bei kommunalen Kliniken auch in Rhein-Main steigt ...

Ja - der Leidensdruck zur Zusammenarbeit in gemeinsamen Strukturen ist bereits überdeutlich vorhanden, sowohl bei den kommunalen wie auch bei den frei-gemeinnützigen und den privaten Trägern. Finanziell können alle drei unternehmensrechtlich verschiedenen Formen nicht mehr als einzelne Gesundheitseinrichtung wirtschaftlich arbeiten.

Welche Auswirkung hat denn die Übernahme des Klinikums Offenbach durch Sana auf die Krankenhäuser in der Region?

Die Kräfteverhältnisse haben sich zu Lasten der im Rhein-Main-Gebiet umliegenden kommunalen Kliniken verändert. Das Sana Klinikum Offenbach ist seiner Altschulden entledigt und muss „nur“ noch seine Hausaufgaben machen, d. h. den bereits eingeschlagenen Sanierungskurs fortführen und in die schwarzen Zahlen kommen. Darmstadt, Höchst, Hanau etc haben es im Vergleich schwerer für ihre Bau-, Investitions- oder sonstigen Sanierungsaufgaben, wenn ihnen ihre kommunalen Träger nicht beiseite stehen. Davon ist jedoch zunächst auszugehen, so dass ich in den nächsten zwei bis drei Jahren keine weitere Privatisierung dieser Häuser in der Region erwarte.

Jahrelang haben Politiker, die für kommunale Kliniken verantwortlich sind, die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Stets war von Zukunftssicherung in größeren Klinik-Einheiten die Rede. Aber es wurde nicht entsprechend gehandelt. Hat sich dies geändert?

Die verantwortlichen Kommunalpolitiker im Rhein-Main-Gebiet haben das meiner Ansicht nach durch die Bank verinnerlicht und bemühen sich auf regionaler Ebene um entsprechende Verbundlösungen. Allerdings sind die Hürden durch unterschiedliches Gebietskörperschaftsrecht und kommunale Autonomiebestrebungen, aber auch durch jahrelang geschaffene harte Fakten, zum Beispiel bei Arbeitsverträgen, erheblich höher als bei privaten Trägern. 

Zudem haben nur drei Prozent der kommunalen Krankenhäuser laut einer aktuellen Studie ihre Aufsichtsräte auch mit unabhängigen Branchenexperten besetzt ... 

Genau! Viel zu wenige achten bei der Besetzung dieser Gremien aus den eigenen Reihen auf fachliche Expertise und Führungserfahrung. Das Land Hessen beobachtet diese Fehlentwicklungen seit vielen Jahren und sieht in der aktuellen Koalitionsvereinbarung daher vor, kommunale Verbünde und damit den Erhalt kommunaler Träger zu fördern - mit Hilfe finanzieller Anreize.

Bei der Tagung von Krankenhausexperten ging es um Qualität. Ein heikles Thema? 

Ja - bei diesem Kongress lag der Schwerpunkt beim Thema Qualitätssicherung und auf der damit verbundenen künftig steigender Bedeutung für die Erstattung von Leistungen. Hintergrund dafür ist, dass sich durch die Koalitionsvereinbarung auf Bundesebene etwas maßgeblich hinsichtlich der Finanzierung von Krankenhausleistungen ändern könnte. Bislang erhalten die Krankenhäuser für ihre Leistungen pauschalierte Entgelte. Zukünftig sollen diese mit der Qualität der erbrachten Leistung gekoppelt werden. 

Was heißt das konkret? 

Das könnte zum Beispiel bedeuten, dass unterdurchschnittlich gut erbrachte medizinisch-pflegerische Leistungen auch entsprechend schlechter bezahlt werden würden. Grundsätzlich klingt dies für uns als Patienten gut, allerdings muss darauf geachtet, dass dies nicht als reines Kürzungsinstrument für die ohnehin knappen Kassen der Krankenhäuser missbraucht wird.

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