Leihrad-Liebe nur zweistellig

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Nextbike-Mietstationen wurden in der Fußgängerzone/Kaiserstraße, am Wilhelmsplatz, Rathaus, Hauptbahnhof, an der S-Bahn-Station Kaiserlei und am Marktplatz eingerichtet.

Offenbach - Nicht traurig, nicht toll - nur „solide“: Eineinhalb Jahre nach seinem Start taugt Offenbachs innenstädtisches Fahrradverleihsystem weder als Stoff für ein Drama noch als Garant für ein Happy End. Die Botschaft, die die Initiatoren gestern sendeten, lautet nur: Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Von Marcus Reinsch

Zum Werdegang der Kooperation zwischen der mit 15000 Euro für 50 Fahrräder eingestiegenen Lokalen Nahverkehrsorganisation Offenbach (LNO) und dem in 21 Städten aktiven Leipziger Verleihbetreiber „Nextbike“ gibt es einige Zahlen. Die allerdings werden die hiesige CDU kaum von ihrer zwischen den Zeilen einer Anfrage an den Magistrat zu lesenden Vermutung abbringen, dass der Fahrradverleih längst tragikomische Elemente aufweist.

67 Ausleihen im September

Im September dieses Jahres etwa verzeichnete „Nextbike“ ganze 67 Ausleihen in Offenbach. Und auch in anderen Monaten, informiert Firmensprecherin Mareike Rauchhaus auf Nachfrage, gebe die Statistik ausschließlich zweistellige Zahlen her. „Das ist kein Spitzenwert, aber ein stabiler. Da kann man noch was machen.“

Die organisatorische Verkupplung der bisher unabhängigen Mietsysteme in Offenbach und Frankfurt beispielsweise. Ab der nächsten Saison müssen Leihradler ihr „Nextbike“ nicht mehr in der Stadt abgeben, in der sie es übernommen haben. Das komme vor allem den Wünschen bewegungsfreudiger Berufspendler entgegen.

„War klar, dass das keine Gewinne abwerfen wird.“

Und auch denen der LNO, deren Sprecherin Christine Wüst den Charakter des Radverleihs als „zusätzliches Mobilitätsangebot an unsere Bürger“ beschreibt. „Das war von Anfang an klar, dass das keine Gewinne abwerfen wird.“ Immerhin: Die Leipziger treten der LNO einen Teil der Einnahmen aus der Vermietung von Werbeschildern an den Rädern ab. 1250 Euro gab es im vergangenen Jahr. Verrechnet mit der Anfangsinvestition bedeutet das, dass der Radverleih noch mehr als ein Jahrzehnt auf dem bisherigen Niveau weiterlaufen muss, bis die Verlustzone seitens der LNO verlassen ist.

Preissprung von fünf auf acht Euro

Der Vertrag mit „Nextbike“ werde im Frühjahr neu verhandelt, sagt Wüst. Zur Sprache kommt dann wohl auch ein Schritt der Leipziger, an dem sich die LNO reibt: Letztes Jahr kostete ein Ausleihtag fünf Euro, dieses Jahr acht. „Das finden wir sehr unglücklich und nicht sinnvoll an diesem Punkt des Prozesses“, formuliert Wüst.

„Nextbike“ ist tendenziell eher glücklich. Rauchhaus: „Wir werden das nächstes Jahr sicher noch probieren mit dem Zusammenschluss. Es ist eindeutig positiv zu bewerten, dass Offenbach am Fahrradtrend partizipiert und eine Vorreiterrolle einnimmt. Darauf können die Offenbacher stolz sein.

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