Leistungen von Frauen beleuchtet

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Grete Steiners langjähriges Engagement für Gleichtberechtigung wird mit dem La-Roche-Preis belohnt.

Offenbach ‐ Das Thema Gleichberechtigung liegt Grete Steiner schon lange am Herzen: So hat sie sich zum Beispiel Ende der 1980er Jahre in Symposien der Gesamthochschule Kassel erfolgreich dafür eingesetzt, die Schulbücher so zu reformieren, dass auch gesellschaftspolitische, künstlerische und wissenschaftliche Leistungen von Frauen und Mädchen gewürdigt werden. Von Simone Weil

Für ihr ehrenamtliches Engagement um die Gleichstellung von Männern und Frauen wird der Sozialdemokratin am kommenden Freitag, 22. Januar, mit dem Sophie-von-La- Roche-Preis der Stadt Offenbach geehrt. Die 65-Jährige ist die erste, die die mit 1 500 Euro dotierte Auszeichnung erhält. Der Preis soll ab 2009 alle zwei Jahre verliehen werden.

Fast 40 Jahre lang hat die Stadtverordnete als Lehrerin für Geschichte, Politik und Sozialkunde gearbeitet. Im Juli 2009 hat sich von der Schillerschule in den Ruhestand verabschiedet. Mit der neuen Lebenssituation muss sie sich erst noch anfreunden: Zunächst nutzt sie die freie Zeit für Dinge, für die früher keine Zeit war. Sie geht ins Theater und plant, öfter zu Ausstellungen und Konzerten in ihre liebevoll restaurierte Scheune in Rumpenheim zu laden.

Triebfeder in Sachen Gleichberechtigung

Über die Auszeichnung mit dem La-Roche-Preis freut sich die Pädagogin vor allem deswegen, weil sie die Inhalte ihrer Aktivitäten positiv beleuchten. Ansonsten legt sie großen Wert darauf, dass sie keines der Projekte alleine stemmen könnte: Etwa wenn sie mit ihrer 1996 gegründeten Initiative Frauenenergie im Verbund mit Volkshochschule, Frauenbüro und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung Ausstellungen und Veranstaltungsreihen organisiert. Angepackt wurden dabei unter anderem Themen wie „Prostitution und Frauenhandel im Zeitalter der Globalisierung“ „Philosophinnen - Liebhaberinnen der Weisheit“ oder „Von der Antike bis zur Neuzeit - der verleugnete Anteil der Frauen an der Physik“.

Immer wieder macht die ehrenamtlich Engagierte Erfahrungen, die belegen, dass in Sachen Gleichberechtigung die Hände noch lange nicht in den Schoß gelegt werden können. Etwa beim Bildungsbaustein Jugend im Parlament, der in der 10. Klasse ansteht: Dabei hat sie beobachtet, dass die Mädels die Arbeit machen und die Jungs in die Bütt' gehen, also ans Mikrofon treten und Reden schwingen.

Ein bedeutender Aspekt in ihrem Leben ist auch die Kunst: In ihrer Scheune steht in jeder Ecke, jeder Nische, eine kleine Skulptur aus Ton, Speckstein oder Metall.

Kreatives Arbeiten setzt Potentiale frei

Es sei die Kernerfahrung der Sprachlosigkeit in einer schwierigen Lebenssituation gewesen, in der sie erlebt habe, dass Kunst ein Ausdrucksmittel sein kann. Weil kreatives Arbeiten enorme Potentiale freisetzt, verfiel die Lehrerin auf die Idee, regelmäßig einen Schulkünstler an die Schillerschule zu holen. Ihr „größtes Baby“ ist das Festival junger Talente, das sie im Jahr 2000 aus der Taufe gehoben hat. Wichtig ist ihr, dass alle von ihr angestoßenen Initiativen auch Erben gefunden haben, die die Projekte weiterführen.

Die Pädagogik lässt sie nicht los. Die Lokalpolitikerin beschäftigt die Frage der Demokratiefähigkeit nachfolgender Generationen: Der Lehrauftrag an der Frankfurter Universität bietet ihr die Möglichkeit, vielleicht sogar eine Feldstudie zu diesem Thema anzustrengen. Deswegen liest sie immer noch Fachliteratur. „Doch inzwischen bekomme ich auch Romane geschenkt“, sagt Grete Steiner.

Wenn es das Wetter zulässt, geht sie gegen 6.30 Uhr zum Joggen. Die fünf Kilometer nach Mühlheim und zurück läuft sie in 36 oder 37 Minuten. Auch Skilaufen und Bergwandern zählt die aus der Nähe von Oldenburg stammende Wahl-Offenbacherin zu ihren Hobbys.

Eine gesunde Ernährung ist der Weißwein-Trinkerin ebenfalls wichtig: Gerne mag sie Fisch und ungewöhnliche Salatkombinationen wie Broccoli mit Mango und Mandeln.

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